Personal

Vom Campen und Bloggen

Manchmal frage ich mich schon was zur Hölle ich hier eigentlich mache, wenn ich bei Einbruch der Dunkelheit in der Nähe eines kristallblauen Sees oder  eines wunderschönen Waldes meinen Bus zum Schlaflager umwandle. Meine Freunde finden das meist gruselig. Ist es jedoch gar nicht. Ich glaube nicht an böse Geister, Axtmörder die im Wald wohnen oder Zombies die aus dem Sumpf kriechen. Ich denke die Menschen hatten schon immer Angst davor, sich intensiv mit sich selbst, ihren Gefühlen und Gedanken zu beschäftigen. Es war und ist viel einfacher Monster zu erschaffen, die einem davon abhalten alleine Zeit in der Natur zu verbringen, als sich mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen.

Es  gehört eine Portion Mut dazu beim ersten Mal aufzubrechen und sich alleine auf Reisen zu begeben. Mit dreiundzwanzig machte ich zum ersten Mal alleine Urlaub und verbrachte drei Wochen in Frankreich in einem Surfcamp. Ich verbrachte dort einer der schönsten Urlaube meines Lebens. Vor anderthalb Jahren mietete ich mir für eine Woche einen Bus und machte mich damit auf einen Roadtrip von München, nach Berchtesgaden, über den Achensee, nach Südtirol und wieder zurück und hatte einfach eine gute Zeit. Angefixt durch den Urlaub mit dem Bus, kaufte ich mir einen eigenen in dem ich jetzt meine Urlaubstage und Wochenenden verbringen darf.

Ich war schon immer ein Campingkind. Mit der Familie fuhren wir mit dem Wohnwagen in den Urlaub. Später zog ich oft mit dem Zelt los. Es gibt nichts schöneres als Nachts aus den Bus zu steigen, sich den Himmel anzuschauen und einfach gar nichts zu hören. Gerade im Winter kann es draußen so unheimlich still sein, dass man meinen könnte, für einen kurzen Moment bleibt die Welt stehen und man ist der einzige Mensch hier auf dem Planeten Erde. Es gibt nichts beruhigenderes als in der Früh von Vogelgezwitscher geweckt  zu werden und in den kalten See zu springen oder bei Unwetter den dicken Regentropfen zu zuhören wie sie aufs Autodach aufschlagen.

Ja! Es hört sich hoffnungslos romantisch und kitschig an, aber das darf es auch. So ist einfach unsere Welt ohne Zugabe elektronischer Bespaßungsartikel, Einkaufszentren, Bars und so ein Kram. Pur eben. Seltsam eigentlich, dass sich mittlerweile die einfachsten und natürlichsten Dinge, nach hoffnungsloser Romantik und Kitsch anhören.

Ich denke es gibt keine bessere Gelegenheit als den ersten Text hier im Bus auf einem kleinen spontanen Kurztrip zu verfassen. Ich bin heute vom Bodensee über Mellau, Schoppernau, Warth & Co. bis Reutte gefahren und stehe jetzt in einer kleinen Haltebucht am wunderschönen Plansee. Ausnahmsweise springe ich morgen nicht in den See. Der ist mir im Februar dann doch noch zu frisch. Morgen geht es wieder über Oberjoch und Immenstadt zurück an den Bodensee.

Mein Name ist Hannah Maria, ich bin einunddreißig Jahre alt und angefangen hat die Liebe zur Schreiberei 2006 zusammen mit Marcel auf AMY & PINK. Bloggen gehörte damals noch nicht zum Unwort des Jahres, sondern eher zu etwas, was man einfach gar nicht kannte. Man wusste nicht genau was man damit anfangen konnte und sollte und man hat es nicht verstanden als eine ganze Generation anfing fleißig in die Tasten zu hauen um ihre Gedanken durch das Internet nach außen zu tragen.

Viele Blogs von früher gibt es nicht mehr, aber mit vielen die ich durch das Bloggen kennenlernen durfte, habe ich noch immer Kontakt und ich fühle mich wirklich sehr geehrt, wenn ich Jahre später lesen darf, dass ich zu Zeiten von AMY & PINK ein paar von euch mit meinen Gedanken ehrlich berühren konnte. So wie Marie zum Beispiel.

Ziemlich wild ging es auf AMY & PINK einher. Wir schrieben für die Welt Kompakt, ich bekam eine Liebeserklärung in der Süddeutschen Zeitung (und ja ich habe auf dem Foto eine Bodylotion und ein paar Socken in der Hand) und unser Team wuchs nach und nach mit Christine und Mischa. Jeder, wirklich jeder sollte Mischas Text über Slayer kennen. Auch nach Jahren gehört er noch zu meinen absoluten Lieblingstexten.

Wir waren wie eine Band verstreut über ganz Deutschland, nur ohne Instrumente, sondern mit Wörtern die wir in Texte verpackten. Der Blog wurde erfolgreicher, es wurde ernster und damit kamen dann auch die Probleme. Später fehlte mir dann einfach schlichtweg die Zeit, das Thema oder der Bezug meinem Hobby nachzugehen und so wurde bloggen für mich zum digitalen Tagebuch auf meiner Festplatte.

Mit Road Story möchte ich euch kennenlernen, mich austauschen, euch inspirieren, mich inspirieren, euch interessante Menschen vorstellen, anstacheln öfters den Rucksack zu nehmen und einfach los zu laufen, dem Alltag zu entfliehen, sich auf andere Dinge zu konzentrieren und euch Lust „auf draußen sein“ zu machen. Wie das genau hier aussehen wird, weiß ich noch nicht. Los geht’s! Für eine Welt mit mehr Abenteuer, Käsekuchen und Liebe.

Den Text oben schrieb ich Anfang des Jahres 2018. Endlich bin ich dazu gekommen Road Story aus dem Dornröschenschlaf aufzuwecken. Letztes Jahr fehlte mir die Muse sich dem Schreiben zu widmen aber vielleicht ändert sich das jetzt bald.

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Comments (2)

  1. „Es gibt nichts schöneres als Nachts aus den Bus zu steigen, sich den Himmel anzuschauen und einfach gar nichts zu hören. Gerade im Winter kann es draußen so unheimlich still sein, dass man meinen könnte, für einen kurzen Moment bleibt die Welt stehen und man ist der einzige Mensch hier auf dem Planeten Erde.“

    Das unterschreibe ich voll und ganz. Wenn ich an den Wochenenden nach einer Hochzeit nach Hause komme, mache ich oft einen Umweg und fahre tief ins Feld. Dort, wo wirklich gar nichts ist. Dann steige ich aus, lehne mich an mein Auto und genieße die Stille.

    Ich freue mich wahnsinnig, dass Du Deinen Blog jetzt gestartet hast, weil ich denke, dass uns irgendwie doch die gleichen Themen begleiten. Und ich freue mich auf Deine Artikel. Einfach, weil ich weiß, dass Du wahnsinnig gut und vor allem interessant schreiben kannst.