Personal

Zeichensetzung

Ich wohne in einer Zweizimmerwohnung auf dem Land. In meiner Küche stehen zahlreiche Haushaltsgeräte. Darunter eine Rührmaschine, eine Nudelmaschine, eine Kaffemaschine und wenn man so will eine Mixermaschine. Ich bin nur haarscharf um einen Thermomix herumgekommen. Es muss wohl an meiner Vorliebe für große Portionen liegen, dass ich mit so einem Gerät nichts anfangen kann.

Vor einem Jahr ist mir eine Katze zugelaufen. Eigentlich wollte ich ja einen Hund, aber man nimmt was man kriegt. Ich bezeichne sie liebevoll als Straßenkätzchen. Oder Fritzchen. Oder Flundicat, weil sie sich manchmal so flach wie eine Flunder auf den Boden legt. Oder auch mal als Exorzistencat, wenn sie nicht bekommt was sie will und sich wie eine Irre unter meinem Bett von Latte zu Latte hangelt. Seit Weihnachten bin ich zudem stolze Besitzerin von Kobi, einem Staubsaugerroboter. Ich denke meine Eltern haben sich von den Katzenvideos, die in denen Katzen auf einem Staubsaugerroboter sitzen und lustig durch die Gegend fahren, inspirieren lassen. Ich habe eine Fußbodenheizung im Bad und eine Terrasse mit einem wunderschönen kleinen Garten. Manchmal huscht ein Eichhörnchen von Ast zu Ast und wäre das nicht schon idyllisch genug, läuft auch noch ein kleiner Bach am Ende des Gartens von rechts nach links. Hach.

Ich habe Freunde, mit denen ich mich am Sommer am See verabrede und ein kühles Seeradler trinke. Ich habe einen guten Job und stehe hinter der Philosophie des Unternehmens. Ich bin intrinsisch motiviert. Ich habe eine glückliche Beziehung, bin frisch verliebt. Am Wochenende fahren wir mit dem Bus raus und genießen die Natur.

Mir geht es gut.

Doch das ist es nicht, was mich zum grübeln bringt, ob ich so wie ich jetzt lebe richtig ist. Ob das Leben so wie es jetzt ist richtig ist. Ich weiss, dass immer wenn ich etwas wohlüberlegt getan habe und voll und ganz hinter einer Sache stand, mich voll und ganz auf etwas konzentriert habe, es bis jetzt auch immer funktioniert hat. Das Leben funktioniert hat, wenn ich auf mich gehört habe.

Vielleicht verfasse ich aus dem gleichen Grund die Rohfassung dieses Textes auf einer alten Schreibmaschine. Für unschlagbare 15EUR habe ich die Royal Royalite von 1955 auf einem Flohmarkt erstanden. Oder der Grund dafür, dass ich noch ein altes grünes Posttelefon mit Wählscheibe besitze. Falls ihr schlecht hört, zukünftig schlecht hören möchtet oder nochmal den Nervenkitzel erleben möchtet nicht zu wissen wer anruft, dann kauft euch dieses Telefon.

Manchmal zermartere ich mir regelrecht den Kopf. Über das Leben und seinen Sinn. Ich lese Bücher wie „Das Café am Rande der Welt“, „The Big Five for Life“, „The Happiness Project oder „Saltwater Buddah“. In der Hoffnung einen Satz zu finden der mich dazu bringt mutig zu sein etwas Neues anzufangen. Man wartet verzweifelt auf ein Zeichen. Aber was ist wenn es kein Zeichen gibt? Wenn man vergeblich auf ein Zeichen wartet? Man sollte sein Leben von keinem Zeichen abhängig machen, sondern sich selbst ein Zeichen setzen, selbst das Zeichen sein.

Warum tun wir uns manchmal so schwer damit etwas Neues zu wagen? Ist es einfach nur die Angst die Sicherheit zu verlieren? Angst davor auch mal zu versagen? Etwas nicht mehr zu haben oder nicht mehr zurückzubekommen? Wenn wir diese Unsicherheit bzw. diesen Wunsch nach Sicherheit nicht überwinden, dann werden wir auch nie erfahren was uns widerfahren könnte, wenn wir mutig genug sind an uns zu glauben.

Ich denke viele würden die Sätze oben als Sinnkrise bezeichnen oder denken sich „so einfach ist das aber alles nicht“. Worum geht es im Leben denn eigentlich? Vielleicht ein Stück weit darum an seine Träume zu glauben, an sich zu glauben, Dinge zu wagen, Dinge auszuprobieren, sich auszuprobieren und den Mut zu haben damit auch mal vollgas auf die Nase zu fallen.

Als Kind war es uns erlaubt zu fallen. Es war uns erlaubt blutige Knie zu haben. Es war erwünscht, dass wenn wir hinfallen wieder aufstehen und weiterlaufen. Wenn man etwas lernt oder etwas Neues wagt, dann fällt man eben auch mal hin. In der Gesellschaft ist Versagen als Erwachsener jedoch nicht wirklich anerkannt. Fallen ist nicht erlaubt und einen Anzugträger mit blutigen, aufgeschürften Knien oder Grasflecken auf der Hose hat noch keiner gesehen. So versanden vermutlich Jahr für Jahr ein paar richtig gute Ideen von unseren Mitmenschen im Sand und um uns wird es still. In unseren Köpfen werden die Gedanken leiser, bis wir nur noch das zirpen der Grillen hören.

Ich möchte hier keinen motivieren seinen Job hinzuschmeißen und Hals über Kopf am anderen Ende der Welt eine Currywurstbude zu eröffnen. Sollte es jedoch die beste Currywurst der Welt sein, dann solltest du dir das nochmal verdammt gut überlegen und durchrechnen.

Häufig werden diese Gedankengänge unter Generation-Y (geboren zwischen 1980 und 1990) abgelegt. Schwärmen nicht insgeheim alle Generationen davon eigenen Ideen nachzugehen? Ist die Generation-Y eine Generation, welche die großen Fragen des Lebens wieder aufgreift und laut denkend und kritisch hinterfragt? Ich hoffe nicht. Also wenn das wirklich so sein sollte, dann wurde es auch an der Zeit, dass solch eine Generation den Erdball betritt.

Eigentlich ist es auch egal welche Generation was über die andere denkt. Ich denke wenn man von sich sagen kann, dass man seinen eigenen Weg, seine eigene Art und Weise zu leben gefunden hat, kann man verdammt stolz auf sich sein. Denn im Endeffekt geht es doch darum ehrlich mit sich und seinen Umfeld zu sein und annähernd herauszufinden was das Ganze hier überhaupt soll.

Für manche mag das jetzt hoffnungslos romantisch klingen, gar verrückt und für mache ist es vielleicht auch ein wenig inspirierend.

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