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Rob Heran

So wild wie sein Haar wächst, so wild sieht sein Bus aus und genauso wild fährt er Mountainbike. Wenn jemand Outdoor-Abenteur mit MTB und Vanlife verbinden kann, dann ist das Rob Heran. In verschiedenen Episoden zeigt er in „The Syncronicles“ wie sein Bus zu seinem zu Hause wird und zu seinem Inbegriff für Freiheit.

Die Fotos auf seinem Blog und die Kurzfilme stehen für sich und überzeugen durch eine satte und kräftige Farbwelt, einzigartige Landschaftsbilder, guter Musik und verrückter Ideen. Sebastian Doerk von Infinite Trails begleitete Rob auf seinem Abenteuer und Roadtrips und ist verantwortlich für die wahnsinnig schönen Aufnahmen.

„Syncro“ ist ein VW T3 Allrad-Transporter aus Militärbeständen und kostete Rob nicht nur einiges an Nerven, sondern auch ein bisschen Geld. Jetzt kann man das gute Stück sogar zu einer mobilen Rampe umbauen. Um seinen Kindheitstraum zu verwirklichen, mobilisierte Rob einige seiner Freunde und setzte mit ihnen gemeinsam seine Idee in die Tat um. Abgefahren, was man alles mit so einem Bus machen kann! Mein Bus sieht neben Syncro aus wie ein abgenuckelter Rollator und steht im Vergleich weniger für Abenteuer, sondern eher für eine Seniorenfreizeit. Na herzlichen Dank auch, Rob!

Rob wurde in Prag geboren und zog später mit seiner Familie nach Kempten. Mit acht Jahren verlor er seine Mutter. Danach drehte sich Robs Welt komplett und er kam ins Waisenhaus. Von dort an konzentrierte er sich voll und ganz auf das Biken. Neben der Schule und in den Ferien hatte er zahlreiche Nebenjobs und sparte auf ein Mountainbike. Er trug unter anderem Zeitungen aus, arbeitete im Restaurant seiner Schwester oder im lokalen Fahrradgeschäft, um seinen Traum als Freeride Mountainbiker ein Stückchen näher zu kommen. Mit 15 kaufte er sich sein erstes MTB. Es war ein Mongoose IBOC (International Bicycle Of Champions) Zero SX. Bald darauf tourte Rob jedes Wochenende mit dem Zug samt Bike-Klamotten, Rucksack, Zelt & Co quer durch Deutschland um an Bike-Rennen teilzunehmen.

Es ist abgefahren und berührend wenn man Robs Geschichte hört. Mittlerweile ist er ein alter Hase in der Bikeszene, ziert zahlreiche Bikecover und wird von namenhaften Unternehmen unterstützt. Zudem hat er nicht nur seine Lockenpracht an seinen Nachwuchs weitergegeben, sondern bietet auch Jugend-Bike-Camps für alle Boys und Girls da draußen an und gibt sein Wissen und seine Liebe fürs biken weiter.

Rob und ich lernten uns vor ein paar Jahren auf der Eurobike kennen. Ich freu mich wirklich sehr, dass er mir für ein paar Fragen zur Verfügung stand:

Hattest du jemals einen anderen Berufswunsch? Irgendetwas was nicht mit Biken zu tun hatte?

Rob: „Als Kind wollte ich immer Pilot und Gentleman werden. Das mit dem Gentleman hat mir sicher meine Mama eingetrichtert. Pilot bin ich zwar nicht geworden aber immerhin fliege ich heute auf meinen Bikes durch die Luft.“

Welcher Umbau bzw. welches Feature an deinem Bus wird als nächstes in Angriff genommen, nachdem du dir mit deiner mobilen Rampe deinen Kindheitstraum verwirklicht hast? Oder ist er jetzt komplett so wie du ihn haben wolltest?

Rob: „Tatsächlich bin ich mit den großen Umbauten durch und nun gilt es den Van in unterschiedlichste Gelände auszufahren und das Setup mit der Rampe und die zahlreichen Möglichkeiten damit voll auszukosten. Natürlich bleibt das ständige Schrauben an dem Van nicht aus – auch wenn man meint „fertig“ zu sein. Irgendwie fängt man dann doch wieder von vorne an und überholt wieder die Karosserie, tauscht Bauteile aus oder erneuert das Interieur.“

Während deine Welt auf den Kopf stand, hast du dich auf das Biken konzentriert. Wie schafft man es in so einer Zeit an sich und an seine Träume zu glauben?

Rob: „Es gab für mich ehrlich gesagt gar keine andere Option als genau das zu tun was ich mir erträumte. Ich denke das hat mir meine Mutter in meinen ersten Lebensjahren als auch in der Zeit vor ihrem Tod intensiv mitgegeben, auch wenn ich mich daran explizit nicht erinnern kann. Mir mein Leben so zu gestalten wie ich es mir am schönsten vorstelle war so weit ich denken kann das was mich schon immer pushte und auch bis heute antreibt. Wenn man als 8-Jähriger seine Mutter verliert die gerade mal nur 37 Jahre alt wurde stellt man sich zwangsläufig früh die großen Fragen über den Sinn des Lebens und versucht Antworten zu finden. Ich hatte seitdem das Gefühl, dass ich immer das verfolgen muss was ich mir heute ausmale, denn ob ich morgen noch dazu komme weiß ich nicht und dann würde ich es vielleicht bereuen es nicht versucht zu haben. Ich kompensierte meinen Frust mit Sport und das hat mich von vielem Mist bewahrt und mir eine Richtung im Leben gegeben.“

Geht es mit Syncro eigentlich auch in den Familienurlaub und wie kann man sich das dann vorstellen?

Rob: „Ja, wir sind zusammen dann zu viert im Van unterwegs. Ich bestücke den Van dann mit meinen Mobilen Küchen-Modulen, hab eine Toilette dabei und wir nutzen meinen BikeWash-Kompressor als Not-Dusche oder zum Abspülen. Wir können alle zusammen im Bett im Van schlafen. Wenn wir aber länger irgendwo stehen baue dann auf dem Dach unser Spezial Zelt auf und so haben wir noch mehr Platz. Wir waren so 7 Wochen in Marokko unterwegs, haben die besten Surfspots in Spanien und Portugal gefunden und direkt am Strand vor dem Beachbreak geparkt. Aber wir machen auch immer wieder kleine Mini-Trips in der Umgebung und hier in den Bergen. Sobald wir im Van sind schalten wir alle in Urlaubs- und Abenteuer-Modus um. Für die Kids ist es immer ein riesen Highlight zusammen im Van unterwegs zu sein.“

Du hast auf deinen Trips immer eine abgefahrene gute Kaffeemaschine dabei und bezeichnest dich selbst als Kaffee-Nerd. Wie oft hat sie dir schon das Leben gerettet und gibt es in München vielleicht bald ein Bike-Café mit Fahrrad-Werkstatt?

Rob: „Ja, Kaffee ist irgendwie eine ziemliche Leidenschaft von mir geworden. Ich mag einfach auch die Prozedur der Zubereitung und das ganze Know-How das hinter einer wirklich guten Tasse Kaffee steckt. Das ich so ein Nerd bin spricht sich natürlich herum und so stehen ständig meine ganzen Freunde bei uns auf der Matte um bei Kaffee über Bikes, Vans und Trips zu quatschen. Da mir das daheim tatsächlich etwas zu viel wurde habe ich jetzt ein Showroom und Arbeitsplatz in Haidhausen angemietet wo ich nun meine Werkstatt und meine Kaffeebar eingerichtet habe. Dort habe ich auch Platz um an meinem Van zu schrauben und muss das nicht mehr auf der Straße machen.“

Wie zuverlässig ist dein Bus jetzt? Musstest du z.B. schon mal in der Wüste gerettet werden?

Rob: „Der Van ist relativ zuverlässig. „Relativ“ weil das einfach doch ein altes Auto ist – auch wenn alles erneuert wurde. Der Bus wird von mir auch wirklich vollgepackt und im Gelände heftig beansprucht. Da gehen einfach gewisse Teile kaputt die diesen Lasten nicht standhalten können. Eine Schwachstelle sind die Antriebswellen. Da hat es mir immer wieder welche in Luft aufgelöst und ich musste diese tauschen oder sogar ganz ausbauen. Dank der beiden Differenzial-Sperren geht es dann auch nur mir drei-Rad Antrieb weiter. Da habe ich letztes Jahr in besonders massive investiert und hoffe damit endlich Ruhe zu haben.“

Ist der nächste Roadtrip und das nächste Projekt schon geplant?

Rob: „Es gibt ein paar Destinationen die ich mir gerade genauer anschaue. Momentan würde es mich reizen entweder per Schiff über den Atlantik nach Nordamerika zu fahren oder von hier aus direkt Richtung Balkan durch die Türkei nach Iran. Das wäre sicher auch eine Tolle Orient-Reise bei der es sensationelle Landschaften zum Biken zu erkunden gibt. Ich hoffe, dass mir die politische Lage keinen Strich durch die Rechnung macht.“

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