Roadtrips Vanlife

Frühlings-Roadtrip

vom Lukmanierpass über Locarno ins Maggia- und Verzascatal

Dauer: 4Tage (Freitagabend bis Montagabend)

Reisezeit: April/Ostern

Strecke: 643km                                                                                                         

Stationen: Lindau – Lukmanierpass – Locarno – Camping Melezza – Camping Gordevio – Sabbione – Cascata die Foroglio – Sonogno – Diga di Verzasca – Lindau


Los geht’s mit dem ersten Reise-Roadtrip-Bericht für euch! Bereits im April fuhren wir diese wunderschöne Strecke. Über Ostern machten wir uns auf den Weg ins Tessin. Keine Sorge, auch wenn sich die 643km ziemlich sportlich für ein verlängertes Wochenende anhören, war es wirklich ein gemütlicher Trip mit genügend Entdeckungszeit zwischen den einzelnen Stopps.

Freitagabend: Lindau – Lukmanierpass

Wir sind in Lindau gestartet. Meine Homebase ist natürlich ein sehr komfortabler und gut gelegener und sehr dankbarer Ausgangspunkt für Roadtrips in alle möglichen Richtungen. Gerade die Berge sind nur einen Steinwurf entfernt. Wir sind Freitagabend gegen 18Uhr gestartet und haben uns gemütlich auf den Weg zum Lukmanierpass gemacht. Ziel war es sich einfach schon mal auf den Weg nach Locarno am Lago Maggiore zu machen. Den Lukmanierpass entdeckten wir durch Zufall auf einer Karte. Durch die wunderschöne fast schon ausgestorbene Schweiz ging es über Laax zum Lukmanierpass – Freitagabend vor Ostern war hier keiner unterwegs. Der Pass galt früher als einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen nach Italien. Als der Gotthard- und Splügenpass eröffnet wurde, verlor er schnell an Bedeutung. An der Passstraße angekommen wurden wir von den Öffnungszeiten des Passes ein wenig verwirrt: 21:00Uhr bis 11:00Uhr (Frühlingsöffnungszeiten). Das ein Pass nur nachts geöffnet hat, war mir bis dato unbekannt. Gut, dass wir erst so spät losgefahren sind. Vorher sollten also die Öffnungszeiten und die Lawinensituation gecheckt werden.

Problemlos konnten wir die Straße hoch bis zum Stausee fahren – eine wunderschöne Strecke mit einem sehr schönen Ausblick. Jetzt bereute ich es fast schon so spät losgefahren zu sein, da die Dämmerung über uns hereinbrach. Oben angekommen übernachteten wir auf einem Parkplatz und stellten uns den Wecker, damit wir den Samstag vor Ostern nicht auf 1.915m verbringen müssen.

Die Nacht war sternenklar, der Mond leuchtete hell über den benachbarten Berg „Scopi“ und durch den meterhohen Schnee oben am Pass, war es nachts richtig hell. So blieben (wie so oft) die Spiele im Bus verstaut und wir begaben uns auf eine nächtliche Erkundungstour, rund um unseren Stellplatz.


Samstag: Lukmanierpass – Locarno – Camping Melezza – Camping Gordevio

Am nächsten Tag ging es dann weiter richtig Locarno. Die Sonne schien und wir verabschiedeten uns vom Schnee um immer weiter Richtung „warme Temperaturen“ zu fahren. Nach Locarno fuhren wir ausschließlich über Dörfer, nicht über die Autobahn, um die Gegend noch besser kennenzulernen. Am Laggo Maggiore angekommen erkundeten wir gegen Mittag die Stadt und gönnten uns das erste Eis der Saison am Seeufer.

Später machten wir uns auf den Weg zum Campingplatz Melezza. Es ist wirklich ein netter und gemütlicher kleiner Campingplatz, aber voller Tatendrang die Gegend noch weiter zu erkunden, machten wir uns erneut auf den Weg zum nächsten Campingplatz Gordevio. Der Weg dorthin führte vom ersten angefahrenen Campingplatz aus durch sehr schmale Straßen und über Brücken, sodass ich beim fahren ab und an mal kurz die Luft anhalten musste und hoffte nicht auf Gegenverkehr zu stoßen. Es war traumhaft schön, aber nichts für schwache Nerven. Von Locarno aus kommend, ist es jedoch kein Problem. Auf dem Weg zum Campingplatz kommt man an zahlreichen Gumpen und Badeplätzen vorbei. Es lohnt sich hier und da anzuhalten und die Gegend rund um das Wasser zu erkunden wie z.B. an die Maggia-Schlucht. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten. Es verunglücken durch Wasserstrudel und rutschige Steine immer wieder Menschen in dieser Gegend, daher sollte unbedingt auf die Beschilderung geachtet werden. Die Natur ist eben kein Spaßbad.

Der Campingplatz Gordevio ist ein schlichter und sehr gemütlicher Campingplatz am Flussufer. ADAC-Mitglieder bekommen hier einen Rabatt. Man steht auf Wiesenplätzen unter Birkenbäumen und Mischwald. Es befindet sich ein kleiner Pool und ein Supermarkt auf dem Campingplatz. Das Beste sind jedoch die richtig heißen Duschen! Die Zeltplätze sehen ebenfalls sehr gepflegt und schattig aus. Hier wurden am Ostersonntag die bunten Eier versteckt. Zahlreiche Weitwanderer und Kletterer machen hier mit dem Zelt halt. Daher ist es nicht überraschend, dass das Publikum überwiegend dementsprechend jung (25 bis 35 Jahren) ist. Viele waren mit einzigartigen Bullis und sonstigen Gefährten unterwegs. Genau richtig um sich während dem Abendessen ein bisschen umzuschauen. Über Ostern war der Platz relativ leer. Eine Reservierung war nicht notwendig.

Am Spätnachmittag war es noch so warm, dass wir im Fluss ein Bad nehmen konnten (mit anschließender heißer Dusche). Abends leuchteten zahlreiche Lagerfeuer am steinigen Flussufer – der perfekte Ort um Marshmallows und Stockbrot über dem Feuer zu backen. Sollte man kein Treibholz finden, bietet der kleine Campingplatz-Supermarkt auch ein paar Holzscheite zum Verkauf an.

Bitte fällt keine Bäume aus dem benachbarten Wald um ein Feuer zu machen. Feuchtes Holz qualmt eh nur und ihr tut der Natur damit nichts Gutes. Nach der Lagerfeuerromantik kann das Feuer mit dem Flusswasser gelöscht werden. Achtet bitte hier unbedingt auf Funkenflug und genügend Abstand zum Wald. Die Gegend ist im Sommer sehr trocken.


Sonntag: Camping Gordevio – Sabbione – Cascata di Foroglio – Sonogno

Ostersonntag fuhren wir noch ein Stück tiefer in das Tal hinein und kamen nach kurzer Fahrzeit in Sabbione an. Das Dorf ist nur im Sommer bewohnt und bettet sich zwischen vielen großen Felsblöcken. Irgendwie hat der kleine Ort etwas magisches an sich. Vielleicht liegt es an den großen Felsblöcken an denen sich die Häuser und Gärten schmiegen und einen selbst winzig klein aussehen lassen. Es erinnerte mich irgendwie an das Märchen Ronja die Räubertocher. Es lohnt sich hier auszusteigen und einen Spaziergang durch die Steinhäuser zu machen. Danach ging es weiter zum Wasserfall Cascata di Foroglio, welcher nicht weit entfernt vom gleichnamigen Dorf zu finden ist. Auch hier ist es einfach märchenhaft! Die Gegend mit der einzigartigen Bauweise der Häuser sieht einfach komplett anders aus. Nach einer kurzen und sehr einfachen Wanderung kommt man nach dem Spaziergang durch das kleine Dorf dem Wasserfall sehr nahe und hat einen schönen Ausblick auf das Tal. Wer nicht weiter ins nächste Verzascatal fahren möchte, kann auch die restliche Zeit hier verbringen und die weiteren Ausläufe des Tals erkunden. Für uns ging es jedoch gegen Nachmittag hin weiter Richtung Sonogno.

Auf dem Weg dorthin sollte man unbedingt die Augen offen halten. Viele kleine Haltebuchten laden zum anhalten ein. Wir fuhren an der Staumauer Diga di Verzasca vorbei. Dort war es jedoch so voll, dass wir dieses To-Do auf den nächsten Tag verschoben haben. Es bietet sich an das Verzasca-Tal um diese Jahreszeit bereits vormittags aufzusuchen. Am Nachmittag fallen die Schatten der umliegenden Berge ins Tal und es kühlt ab. In Sonogno gibt es einen kleinen Womo-Stellplatz auf dem man offiziell und gegen Bezahlung übernachten kann. Eine gepflegte öffentliche Toilette ist ebenfalls vorhanden.

Abends schlenderten wir noch durch das Dorf. Am Dorfrand liegt halb im Wald versteckt ein ziemlich cooler Spielplatz auf dem sich Kids ziemlich gut austoben können. Umgeben von Lärchen ist es hier bestimmt auch im Herbst wunderschön. Weiter gerade aus jagten wir gegen Abend noch der Sonne hinterher und spazierten zum nächsten Wasserfall Cascata della Froda. Wem das alles zu langweilig ist, der findet in der Gegend auch zahlreiche MTB-Strecken.


Montag: Sonogno – Diga di Verzasca – Lindau

Am nächsten Morgen machten wir uns auf die Heimreise. Wir waren schon relativ früh unterwegs und konnten uns somit bei der Talfahrt auch den Stausee in Ruhe anschauen. Zu dieser Jahreszeit führt der See wenig Wasser und lässt dadurch die Staumauer noch imposanter wirken. Es ist schon verrückt wie sehr wir Menschen die Natur um uns herum gestalten. Zu gerne hätte ich das Tal ohne Staumauer und -see gesehen. Wer noch ein bisschen Action braucht kann sich hier, wie James Bond in Goldeneye, in die Tiefe stürzen. Mir reichte es jedoch schon einfach nur die Staumauer runter zu schauen. Anschließend ging es auf dem direkten Weg zurück nach Lindau.


Ein wunderschöner Roadtrip den man über ein verlängertes Wochenende von Süddeutschland aus machen kann. Daheim oder in Österreich sollte man auf jeden Fall noch tanken, da es in der Schweiz dann doch eine Ecke teurer wird. Eine Vignette für die Schweiz/Österreich wird ebenfalls benötigt.

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