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Ich habe nicht von heute auf morgen beschlossen, dass ich etwas in meinem Leben ändern möchte. Es war vielmehr ein schleichender Prozess und das ist es noch immer. Sich mit den großen Fragen des Lebens zu beschäftigen, ernsthaft zu beschäftigen, sich selbst und sein tun stetig zu hinterfragen dauert wohl ein Leben lang. Und es ist anstrengend.

Ich denke ob man letztendlich ein erfülltes Leben geführt hat, ein glückliches, zufriedenes Leben geführt hat, wird man auch erst kurz vor dem Lebensende erfahren. Bestenfalls kann man die Erkenntnis dann vielleicht Sekunden, Minuten, Stunden oder ein paar Tage verspüren und mit seinen Liebsten teilen. Ich denke jedoch auch, dass es ok ist wenn es nicht so ist. Selbst wenn man am Ende des Tages bzw. des Lebens zu keiner großen Erleuchtung, Erkenntnis oder was auch immer kommt, haben die Fragen mit denen man sich bis dahin intensiv auseinandergesetzt hat, einen nachhaltig geprägt und auf das eigene Leben abgefärbt.

Vor Jahren fing die innere Unruhe in mir schon mal Feuer. Damals habe ich diese jedoch nicht als solche erkannt. Ich habe sie als jungendlichen Leichtsinn, als etwas das mit meinen Hormonen zu tun haben muss abgetan bzw. als eine Art Gegenstand gesehen, den ich tief in eine Schublade vergraben kann. Nur leider funktioniert das so nicht. Rückblickend bin ich immer wieder an ähnliche Stationen in meinem Leben gekommen. Immer wieder wurde dieser ominöse abstrakte Gegenstand mal ausgeführt, an die frische Luft gelassen um ihn danach noch tiefer irgendwo zwischen Kelly-T-Shirt und Mickey-Mouse-Socken zu vergaben. In der Hoffnung die Sehnsucht nach dem Unbekannten würde dort unten ersticken und verrecken. In der Hoffnung der Fokus legt sich wieder auf etwas anderes. Auf ein anderes Ziel, einen anderen Lebensabschnitt, eine andere Ausbildung, eine andere Aufgabe.

In den letzten drei Jahren hatte ich für große Träume schlichtweg keine Zeit. Mein Job hat mich voll und ganz vereinnahmt. Ich war froh permanent beschäftigt zu sein, mit tollen Kollegen arbeiten zu können die ich sehr schätze, in einem Unternehmen zu arbeiten, welches auch meine privaten Werte vertritt. Schlagartig hatte ich einen Job den ich zu Beginn absolut als meinen Traumjob bezeichnen konnte. Einen Job den ich gerne mache. Natürlich gibt es dort auch Dinge dir mir auf den Keks gehen. Dinge die einen mal mehr mal weniger aufregen. Mehr und mehr kam in mir eine innere Unruhe hoch, noch etwas anderes in meinem Leben zu machen und das kam nicht von heute auf morgen.

Zu Beginn machte sich das vielleicht ab und an mal am Wochenende bemerkbar. Je routinierter ich in meinem Job wurde, desto größer wurden die Fragezeichen in meinem Kopf. Privat fand ich eine neue Liebe, welche mich ein weiteres Jahr dazu brachte meine Fragezeichen im Kopf zur Seite zu schieben, weil da einfach zwischen Luftküssen und Schmetterlingen kein Platz war für Fragezeichen. Je gefestigter die Beziehung wurde, desto mehr Halt habe ich bekommen und konnte mich nach und nach immer mehr mit den Fragezeichen oben in meiner Birne auseinandersetzen. Immer stärker sprudelten meine Gedanken und ich begann darüber zu reden. Zuerst mit meinem Freund, dann mit meinen besten Freunden und anschließend mit meiner Familie.

So doof es sich auch anhören mag, aber irgendwie war das eine Überwindung für mich. Die meisten Dinge machte ich einfach still und leise mit mir aus. Ich hatte Angst verurteilt zu werden oder dass sie mich alle für bescheuert hielten, für einen Menschen in einer Krise oder so ein Käse. Mir geht es ja schließlich gut, ich habe einen guten Job, bin gut in dem was ich mache, habe eine tolle Ausbildung genossen, eine schöne Wohnung und nicht zu vergessen das Straßenkätzchen um das ich mich jetzt kümmern muss. Ich hatte Angst davor, dass ich dazu überhaupt gar kein Recht hatte diese Gefühle zu haben. Ich hatte sozusagen ein schlechtes Gewissen, weil es mir gut geht und alles um mich herum auch einfach gut war.

Nur darum ging bzw. geht es halt einfach gar nicht und das wusste mein Umfeld bereits viel früher als ich selbst. Alle redeten mit mir offen darüber und verurteilten mich in keinster Weise. Sie sagten ich solle mutig sein und bestärkten mich in meinem Vorhaben. Da habe ich leider wieder gemerkt, dass die größte Barriere die in meinem Kopf ist und wir uns zuerst einmal selbst im Weg stehen bevor es andere tun.

Das Zeichen, nach dem ich so vergeblich gesucht hatte, war also schon lange da und winkte mir mit einem überdimensionalen Zaunpfahl von der anderen Straßenseite zu. Nur habe ich es nicht gesehen. Aus Angst vor mir selbst und aus Angst sich mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen, Dinge laut auszusprechen und anzusprechen. Es ist ja auch so wunderherrlich wunderbar gemütlich in der Komfortzone, wenn sich alles mal gesetzt und eingependelt hat, man einen strukturieren Alltag hat, am Ende des Monats Geld auf dem Konto hat, weiß wo man seine Semmel morgens kaufen muss usw.

Ich bin froh, dass ich für mich beschlossen habe, wieder etwas in meinem Leben zu ändern und dass ich das jetzt mache. Denn alles was ich bis dato gemacht habe, hat zur gegebener Zeit für mich vollkommen gepasst und sich richtig und gut angefühlt und genau hier her gebracht. Jede Station in meinem Leben hat mich schlauer, mutiger, weiser und selbstbewusster gemacht. Natürlich kann das auch alles nach hinten los gehen, vielleicht bereue ich es auch – da wären wir dann wieder bei der Sache mit dem „fallen“.

Vielleicht hört sich das alles noch etwas abstrakt an. Ich denke unter dem Strich ist es das jedoch gar nicht. Ich denke es gibt verschiedene Menschen. Menschen die über einen langen Zeitraum in einer Sache voll und ganz aufgehen und dort ihre innere Mitte finden und Menschen die einfach ein bisschen mehr in Bewegung sind, sich ausprobieren möchten, neue Dinge ausprobieren möchten.

Manchmal kommt mir das Leben so klein vor. Dabei gibt es doch so viele verschiedene interessante Dinge da draußen.

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Comments (4)

  1. Diese Zeilen haben mich tief berührt. Vielleicht treffen wir uns mal irgendwo mit unseren Bullis, sitzen am Feuer und reden über das Leben, Verantwortung und Entscheidungen. Denn je älter wir werden, desto stärker prägen uns Veränderungen und formen unseren Charakter. Weiter so! Liebe Grüße.

    1. Hallo Stefan, vielen Dank für deine lieben Zeilen 🙂 Es freut mich wirklich sehr zu hören, wenn jemand mit meinen Texten wirklich etwas anfangen kann! Für Bullitreffs und Lagerfeuer bin ich immer zu haben – bis dahin auch gerne via Facebook, Instagram, Mail & Co. 🙂