Personal

Das ging schnell

Wie schnell die Zeit die letzten Wochen vergangen ist und wie viel organisatorisches es einfach noch zu tun gibt, wenn man sich auf Reisen begibt. Ehrlich gesagt habe ich das ein wenig unterschätzt. Die gewohnte „Ich fahr dann mal zwei Wochen in den Urlaub-Reiseplanung“ hat so nicht mehr ganz funktioniert. Nachdem ich in der Arbeit gefühlt relativ zügig alle großen Themen abgearbeitet habe und für meine Nachfolge strukturiert hatte, war es privat genau das Gegenteil. Es gibt einfach immer etwas zu tun und ich habe einfach nur noch zwei Tage. Dann geht’s los.

Irgendwie sollte man sich ja schon so grob die Reiseroute zurechtlegen. Bis zu welchem Ziel fährt man gemeinsam? Ab wann und wo ist man dann alleine unterwegs?  Wie stehts um meine Auslandskrankenversicherung? Was mach ich mit der Straßenkatze? Wie überleben meine Blumen?  Wie schnell ist mein Internet im Ausland und wie teuer ist es? Ich muss meinen Nachbarn noch sagen, dass ich den Sommer über weg bin, einkaufen, Wäsche waschen, Sommerreifen und Lichttest beim Auto sollten auch noch gemacht werden, Beine rasieren wäre auch mal wieder nicht ganz so übel, vielleicht noch schnell hier durchwischen und da den Müll wegbringen. Der alltägliche Wahnsinn eben. Selbst schuld wenn man auch einen Tag nach dem letzten Arbeitstag sich sofort in den Bus setzt und in den Norden aufbricht. Meine private To-Do-Liste füllte und füllte sich die letzten Wochen, sodass für die Schreiberei mal wieder keine Zeit da war. Dabei sollte sich doch genau das jetzt ändern.

Die letzte Woche in der Arbeit fühlt sich ziemlich unwirklich an. Eher so nach „ich mach jetzt mal einen etwas längeren Urlaub“, dass ich aus dem „Urlaub“ nicht mehr zurückkommen werde, wird mir denke ich erst später richtig bewusst. Mittlerweile habe ich mich auch an meine Aussagen gewöhnt, die ich entgegne wenn mich jemand fragt, was ich nach der Reise mache. Am Anfang ist es mir noch sehr schwer gefallen zu sagen, dass ich mir Zeit für mich nehme und es noch offen ist was ich mache, dass ich keinen festen Job habe für danach und erst mal von meinen Rücklagen lebe. Aber es wird tatsächlich einfacher mit der Zeit.

Die Lofoten bzw. Norwegen und Schweden stehen schon ganz lange auf meiner Reiseliste. Ich wollte schon immer mit dem Bus dorthin fahren, jedoch bekommt man die einfache Strecke von ca. 3000km mal nicht eben in einen zweiwöchigen Urlaub unter und so rutschte das begehrte Reiseziel immer weiter nach hinten auf der Liste.

Hier am Bodensee war es die letzten Tage richtig heiß.  Im norden Norwegens sind es gerade gemütliche 5-10Grad. Herrlich! Ich freue mich auf die kühlen Temperaturen, auf die Papageientaucher, Elche, Rentiere, Wale und darauf jeden Tag angeln zu gehen. Letztes Wochenende haben wir uns schon im Angelfachmarkt mit dem richtigen Equipment für norwegische Gewässer ausgestattet. Es war super! Ich liebe solche Geschäfte. Der ganze Laden riecht nach Abenteuer und auch wenn ich wenig Ahnung von der Ausrüstung habe, kann ich mich stundenlang damit beschäftigen. Den Bus haben wir auch neu strukturiert, für eine längere Reise war dies auch mal dringend nötig. Ich bin mir dennoch sicher, dass wir uns erst mal wieder einen Affen suchen werden, egal wie durchdacht das Ganze jetzt ist. Stolz und neugierig bin ich auch auf meinen neuen Omnia-Backofen. Ich hoffe das Teil funktioniert und ich kann hier vielleicht mal ein paar Rezepte veröffentlichen.

Am Samstag geht es los. Dann fahren mein Freund und ich erst mal in den Norden Deutschlands um meinen Bruder und dessen Familie zu besuchen. Danach geht es gleich weiter nach Schweden und Norwegen. Drei Wochen werden wir durch Norwegen bis nach Tromsö fahren. Danach geht es für Martin nach Hause und ich hab ein wenig Zeit für mich, bis dann ein paar Tage später meine Frau Mama besuchen kommt. Ich freu mich schon auf die gemeinsame Zeit, wann macht man so etwas nochmal gemeinsam mit seiner Mama?

Ich bin super gespannt und bekomm zwischendrin Anflüge einer leichten Panikattacke. Es ist schon alles etwas abgefahren. Ehrlich gesagt fehlen mir auch ein bisschen die Worte. Das neue Leben bzw. das neue Lebensgefühl bewusst nicht weiter als die Reise bzw. Auszeit in Angriff zu nehmen, um zu schauen was in stillen Momenten noch alles in einem schlummert, interessiert und entsteht, ist tatsächlich ein abgefahrenes Gefühl für so Struktis wie ich es einer bin. Für Menschen mit aalglatten Lebensläufen, die selbst nach dem Abi oder Studium keine kleine Auszeit genommen haben. Es ist ziemlich ungewohnt, fühlt sich aber auch ziemlich gut an.

Na dann, los geht’s!

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