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Durchatmen

Am Samstag den 8ten Juni haben wir uns auf die Reise gemacht. Wir starteten an einem unserer absoluten Lieblingsplätze: auf der Insel in Lindau. Am Hauptbahnhof trafen wir uns mit Sabine und Freddy, zwei Mitfahrer die unseren ersten Streckenabschnitt nach Hamburg über Blablacar gefunden haben. Ein super Abenteuer gleich zu Beginn mit vielen guten Gesprächen, ließ uns die lange Autofahrt deutlich kürzer erscheinen.

Sabine, mit ihren fast 50Jahren, die nicht älter wie 40 aussah besuchte ihren Mann hoch oben an der See, da er in einer Werft arbeitet. Eine Hippie-Dame aus vergangenen Tagen die es liebt zu Reisen, ganz nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Freddy mit seinen 23Jahren hatte wohl deutlich mehr Geschichten zu erzählen und Lebenserfahrung als die restlichen drei Mitfahrer zusammen. Geboren in Paraguay kam er später über einen kleinen Umweg durch Italien nach Österreich. Er frisierte, laut seiner eigenen Aussage, alle Prostituierten in Mailand, bevor sie sich auf den Weg in die Arbeit machten. Im Urlaub hat er jemanden kennengelernt, den er jetzt spontan besuchen wollte. Wir waren sozusagen mit dem Amormobil unterwegs. Im Auftrag der Liebe gen Norden!

Auf unserem Weg kamen wir auch in den Stau, den wir gekonnt umfahren wollten. Wir fuhren so wild über Stock und Stein, dass man hätte annehmen können Norwegen liegt bei uns gleich (fast) vor der Haustüre.  Gut, dass unsere Mitfahrer so geduldig mit uns waren.

Die ersten Tage verbrachten wir bei meinem Bruder und seiner Familie in Hamburg. Mit der Familie in den Urlaub zu starten tut immer gut um ein wenig runterzukommen. Wir grillten, spielten mit den Kids, ich baute seit Jahren mal wieder eine Sandburg und wir gingen rutschen. Schnell kann man so durch den komplett anderen Alltag Abstand vom eigenen Leben gewinnen.

An Pfingstmontag ging es weiter nach Dänemark. Kopenhagen war unser nächstes großes Ziel. Am Rande der Stadt, dennoch fußläufig ins Zentrum, fanden wir einen Womo-Parkplatz. Kopenhagen ist wohl einer der schönsten Städte auf diesem Planeten Erde für mich. Eine Stadt die groß ist und dennoch so gemütlich und grün erscheint. So schlenderten wir unbemerkt einfach mal 15km durch die Stadt und verirrten uns dabei natürlich auch auf die Pusher Street, in der ich kurz mal recht orientierungslos dreinblickte, da ich darauf irgendwie nicht gefasst war.  Die Nacht war ruhig, bis uns in der Früh ein leichtes Gewitter, gefolgt vom Flugverkehr weckte.

Den darauffolgenden Tag verbrachten wir größtenteils im Auto und fuhren durch Schweden nach Norwegen. Konstant regnete es fast die komplette Autofahrt, also nutzten wir einfach die Gelegenheit um Strecke zu machen. 50km vor Oslo machten wir dann in Drobak halt, einer kleinen Stadt gleich am Fjord gelegen.  Wir schlenderten Abends durch die Stadt und erkundeten alle norwegischen Lebensmittel & Co. ausgiebig im Supermarkt. In jedem Reiseführer steht ja geschrieben, dass Lebensmittel so teuer seien, vor allem Alkohol und das mit einem Schnäpschen oder Bierchen aus der Heimat schon so manche Freundschaft begossen wurde. So packten auch wir einen Obstler ein. Nach der ausgiebigen Preisanalyse im Supermarkt würde ich jedoch jedem empfehlen sich mit Schokolade einzudecken. Diese ist nämlich ebenfalls, im Verhältnis zu Preisen in Deutschland, teuer hier oben.  Unser Stellplatz für die Nacht lag gleich am Hafen mit Blick auf zahlreiche kleine Boote. Möwen quietschten im vorbeifliegen und das Wasser schlug im Takt der Wellen gegen das Holz der Boote. Fast schon etwas kitschig und zu schön um wahr zu sein.

Heute ging es dann weiter von Dobrak nach Oslo. Unser zweiter Städtetrip lag also vor uns. Oslo hat es in meinem Städteranking ganz schön schwer, nachdem ich auf den Geschmack von Kopenhagen gekommen bin. Trotzdem ist es eine sehr schöne und vor allem facettenreiche Stadt auch wenn es verdammt kalt und windig war.

Mittags ging es dann weiter Richtung Bergen, jedoch nicht auf direktem Wege. Wir fuhren zuerst auf der E16 und später auf der E7, bis wir in Nesbyen kurzerhand auf die 214 Richtung Geilo aufbrachen. Eine wirklich wunderschöne Strecke vorbei an vielen kleinen Seen. In Tunhovd fanden wir einen kleinen Campingplatz auf den wir jetzt stehen. Fußläufig vom Campingplatz erreicht man den Tunhovdfjorden an dem wir heute vergebens versucht haben einen Fisch zu fangen und das muss man erst mal in Norwegen schaffen. Zu unserer Verteidigung ist jedoch zu sagen, dass es leicht geregnet hat und wir, trotz unserer spontan „ausgeliehenen“ kleinen Nussschale mit nur einem Paddel nicht wirklich gegen den Wind anpaddeln konnten um weit auf den See hinauszukommen. So hab ich mir Norwegen vorgestellt. Viel wilde Natur, unzählige Seen und Einsamkeit. Man fühlt sich hier tatsächlich etwas freier, so alleine.

Es ist einfach verdammt ruhig hier oben und das genieße ich gerade wirklich sehr. Selbst das „schlechte“ Wetter ist super, es macht irgendwie den Kopf frei. Die Natur mit den ganzen Kiefernwäldern und Flechten und Moosen sieht auch komplett anders aus. Wir stehen hier alleine auf dem Campingplatz und man könnte meinen uns gehört gerade die komplette Welt. Eigentlich wollte ich ja mehr von mir hören lassen, mehr schreiben und auch mal die ein oder andere Situation auf Instagram mit euch teilen, aber es ist gerade so schön ruhig und es gibt immer etwas zu tun, dass ich das gerade komplett genieße und alles andere auch mal in den Hintergrund rücken darf.

Durchatmen, den Kopf frei bekommen, so wie ich es mir gewünscht habe. Es ist erstaunlich wie viel man an einem Tag erleben kann wenn man auf Reisen ist, wenn man sich nicht von unwichtigen Dingen wie Handy und Fernsehen ablenken lässt und wie klein manchmal der Alltag daheim sein kann.

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