Personal

Zurück daheim

Am siebten Juni hatte ich meinen letzten Arbeitstag. Gleich einen Tag später machten Martin und ich uns auf den Weg durch Deutschland, Dänemark und Schweden, um nach Norwegen zu reisen. In Summe war ich 2,5 Monate unterwegs. Zu Beginn mit Martin und zwischendrin kamen mich meine Eltern einzeln auf meiner Reise besuchen. Ich habe mit ihnen zuvor noch nie alleine Urlaub gemacht. Ab und zu verbrachten meine Mutter, meine Schwester und ich ein gemeinsames langes Wochenende miteinander, aber zu zweit bzw. mit nur einem Elternteil war ich höchstens mal am Wochenende alleine daheim.

Für ein paar von euch mag sich das jetzt vielleicht ein wenig ungewohnt anhören. Vielen denen ich davon erzählt habe sagten mir, dass sie es keine Woche mit den Eltern im Urlaub aushalten würden. Ehrlich gesagt, war ich auch sehr gespannt auf die Zeit und bin wirklich überrascht wie schön und entspannt diese Zeit zusammen doch war. Als Erwachsener alleine mit nur einem Elternteil zu verreisen ist nochmal ein ganz anderes Erlebnis, als die gemeinsamen Campingurlaube oder Mädelswochenenden zuvor. Wir haben viele gute Gespräche geführt, die man ab zwei Personen aufwärts sonst so nicht hätte führen können und wir in dieser Intensität auch noch nicht geführt haben. Es war eine tolle und einmalige Zeit, ich habe ehrlich gesagt viel über meine Eltern und vor allem auch über mich gelernt. Ich kann es nur jedem ans Herz legen hin und wieder auch seine Abenteuer mit seinen Eltern zu teilen solange man das noch gemeinsam machen kann.

Eigentlich habe ich wirklich gedacht, dass ich auf der Reise durch Skandinavien viel mehr Zeit zum schreiben habe. Vielleicht hatte ich diese hier und da sogar auch, aber ich fand es einfach großartig nur in seiner eigenen kleinen Welt bzw. Bus zu leben und diese Reise zu genießen. Dafür habe ich es tatsächlich geschafft ein paar Seiten meiner Buchidee auf digitales Papier zu bringen. Wer weiß ob es jemals fertig wird, aber alleine schon ein paar Seiten davon geschrieben zu haben, fühlt sich richtig gut an.

Auch wenn sich das jetzt ein wenig nach Luxusproblemchen anhören mag, aber alleine zu reisen kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Dabei ist es nicht das alleinige fahren was das Ganze manchmal so anstrengend macht, sondern dass man alle Entscheidungen alleine treffen muss/darf. Was esse ich, was mache ich heute, wo schlafe ich und kann ich dort auch als Frau alleine stehen? Wo finde ich eine passable Waschmaschine und reichen die Sonnenstunden heute um meine Unterwäsche trocken zu bekommen? Wie komme ich hier in der Pampa jetzt noch an 10SEK um zu duschen, wenn ich doch sonst jeden Krümel mit der Kreditkarte zahlen kann? Ja, es hört sich ein wenig nach Mittelalter an. Bei langen Reisen mit dem Bus stellt der Alltag einen schon vor so manche Herausforderung. Es gibt immer etwas zu tun. Man kramt sich vor allem im Bus dumm und dämlich und muss das auch einfach mögen. Baut man das Bett zu früh um, kommt man nicht mehr an die Kekse im unteren Regal. Vergisst man seine frische Unterhose aus der Wäscheschublade aus dem Kofferraum zu nehmen, darf man vielleicht nochmal im Regen raus. Die selbstverständlichen Gegebenheiten einer Wohnung weiß man nach so einer Reise wirklich wieder richtig zu schätzen. Die Freude auf die eigene Dusche, WC und Waschmaschine ist groß – vor allem das alles in 10m Entfernung zu haben.

Ich bin in den letzten Monaten insgesamt 11.184 Kilometer gefahren. Diese Zahl werde ich wohl nicht so schnell vergessen. Noch nie zuvor ist mein Trip-Kilometer-Zähler im Bus nach dem 9.999sten Kilometer wieder zurück auf Null gesprungen.

Ich habe unzählige Wälder, Seen und Wasserfälle gesehen, durfte die schönsten Gletscher der Welt anschauen, weiß wie es jetzt ist mitten in der Pampa einen Platten zu haben bzw. gleich vier neue Reifen zu brauchen und dass es immer und immer weitergeht – auch wenn es zuerst nicht danach ausschaut. Mir liefen unzählige Rentiere über den Weg, ich durfte in fremde Kulturen eintauchen, Ruhe genießen, Seeadler beobachten, im Fjord baden, habe „Schwedenrot“ bzw. Falunrot in Falun gekauft und mich durch alle Städte die auf meinem Weg lagen gefahren, sondern habe auch kulinarisch durch sie gefuttert.

Diesen Text hier verfasste ich bereits im Store Mosse Nationalpark in Schweden auf einem Wanderparkplatz. Daheim lag gefühlt einen Steinwurf entfernt und ich hatte einfach das Bedürfnis mich auf die Heimreise zu begeben. Was jetzt kommt ist allerdings noch offen. Ich habe mir auf meiner Reise so viele Gedanken gemacht, dass ich meine anfänglichen relativ klaren Gedanken in meinem Kopf nochmal unbefangen und zurück ins Ideen-Meer geworfen habe. Aber ich bin gespannt und halte euch auf dem laufenden. Ich genieße jetzt erst mal den Luxus eines eigenen und nach persönlichen Standard hygienisch reinen Badezimmer, freue mich darauf nicht schon für meinen ersten Kaffee eine Yogastunde absolvieren zu müssen, genieße den Duft von frisch gewaschener Wäsche und freue mich darauf einfach mal nicht im Auto zu sitzen. Obwohl die frische Luft, das schreien der Mövchen, das rauschen der Wasserfälle (was sich ziemlich oft auch mal nach stark befahrener Autobahn anhören kann) und mir dicke buttertriefende Zimtschnecken jetzt schon etwas fehlen!

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Comments (2)

  1. Komm gut zu Hause an und lass es dir gut gehen. Ich habe mich in letzter Zeit auch oft gewundert, dass man viel weniger schreibt, zeichnet oder sonstige Dinge tut auf Reisen.

    Kein Plan woran das liegt, aber ich fühle mich trotzdem sauwohl. Wir haben noch fast 3 Monate und sind in Galicien kurz vor Portugal. Jeden Tag Wellen, jeden Tag Surf 🙂

    Ab Dezember – kein wirklicher Plan. Weitermachen wie vorher ist ne Option. Nur mit mehr Gestaltungsfreiraum.

    1. Verrückt wie schnell die Zeit vergeht oder? Ich mein, man sagt es zwar immer einfach so daher….aber sie vergeht echt wie im Flug! Und ja, wenn man unterwegs ist, dann gibt es halt immer etwas zu sehen und zu unternehmen! Da bleiben dann mal die Hobbys oder eher unwichtigen Dinge auf der Strecke. Ich finds aber schön, daran sieht man ja auch, dass man wirklich mal abgeschalten hat.