Personal

November

Wenn ich mir die Bilder von meiner Reise durch Skandinavien anschaue, dann fühlt sich die Reise ziemlich unwirklich und ziemlich weit weg an.  Bin ich es wirklich, die dieses Jahr gekündigt hat und in die große weite Welt aufgebrochen ist? Habe ich mich das wirklich getraut? Was mir im Vorfeld bzw. währenddessen gar nicht mutig vorgekommen ist, kommt mir jetzt um so mutiger vor.

Es fühlt sich fast so an, als ob nicht ich es war die auf die Reise gegangen ist, sondern ein bisschen so als ob man darüber einen Film im Kino angeschaut hat. Seit Ende August bin ich nun wieder im Lande, fast drei Monate war ich unterwegs und fast drei Monate bin ich wieder zu Hause und im Nachhinein frage ich mich wo die Zeit eigentlich geblieben ist.  

Die letzten zwei Monate habe ich mich ein wenig zurückgezogen um wirklich auch mal daheim richtig anzukommen, bzw. in meiner neuer Heimat in Österreich. Ja, ich bin jetzt sozusagen ausgewandert und bin einmal quer über den Bodensee in Richtung Berge geschwommen. Man würde es zwar nicht meinen, da es ja eigentlich nur einen Katzensprung von der alten Heimat entfernt ist, aber immer wieder stolpere ich im Alltag über Begriffe und Situationen, die mir wirklich neu sind und dann fühle mich tatsächlich wie im Ausland. Wenn  der Tesafilm plötzlich Tixo heißt oder die Wurst an der Theke nicht in Gramm sondern in Deka angegeben wird. Wenn ich sage, dass ich mich zum Handkoffer mache und keiner drauf reagiert und ich merke, dass man diesen Spruch noch nicht mal googlen kann oder das Schulsystem ein ganz anderes ist, dann ja dann, fühlt sich das eigentlich so vertraute Österreich schon nach der anderen Seite des Bodensees an.

Gestern waren wir auf dem Weihnachtmarkt in Lindau auf der Insel. Neben dem in Bad Hindelang ist es wohl einer der schönsten Weihnachtsmärkte auf der großen weiten Welt. Direkt im Hafen, am Wasser auf einer Insel, kann es etwas Schöneres geben? Vor allem wenn auf der gegenüberliegenden Seite die Lichter der Häuser wie kleine Glühwürmchen besinnlich flackern und einem die kühle Seeluft in die Lunge strömt. Wenn man zum beleuchteten Löwenturm im Hafen läuft, dann denk ich mir immer was wir für eine schöne Welt direkt vor der Haustüre haben und bin dann nicht nur von der Weihnachtsstimmung am See ganz verzaubert!

Ich genieße den zweiten Teil meiner Auszeit zu Hause sehr. Ich muss nicht immer unterwegs sein um bei mir selbst anzukommen. Die Familie, Freunde und die Gegend in der Heimat zu genießen und zu erkunden ist ebenso spannend und großartig wie unterwegs zu sein.

Die letzte Zeit habe ich mich um meinen Umzug gekümmert,  mal wieder bin ich Reisende auf eine andere Art und Weise und habe Kisten gepackt, die Kisten von meinem Freund gepackt und noch mehr Kisten gepackt. Wehmütig habe ich meine alte Wohnung geputzt und geschrubbt und mir dabei nochmal alle Gedanken die man sich so macht durch den Kopf gehen lassen. Jetzt bin ich hier doch tatsächlich ausgezogen, dachte ich mir. Was ich mir den ganzen Sommer noch als Homebase aufgehoben habe, um wieder irgendwo anzukommen, habe ich frohen Herzes abgegeben um mit meinem Freund zusammenzuziehen. Dennoch hab ich dieses kleine Dorf unheimlich in mein Herz geschlossen. Meinen kleinen Garten mit meinem kleinen Bach in den ich mich so gerne nach der Arbeit hineingestellt habe um abzuschalten wird bald jemand anderen erfrischen. Hier ist mir meine Katze zugelaufen, hier habe ich Freunde aufgenommen, wenn sie meine Hilfe brauchten, hier habe ich gelacht und geweint und jetzt wird die Wohnung bald neue Menschenluft schnuppern und beherbergen und es werden neue Geschichten entstehen.

Zwischendurch bin ich mit meinen besten Freunden nach Amsterdam gereist und gemeinsam haben wir dort einen Kurzurlaub auf einem Hausboot gemacht, uns Windmühlen angeschaut, lange Gespräche geführt und noch längere Gespräche geführt, getrunken, gelacht und Waffeln gegessen. Währenddessen erinnert man sich immer an die „gute alte Zeit“ von „damals“ und nimmt sich vor solche Unternehmungen wieder öfter zu machen, denn mit niemand anderen kann man so gut Burger in der Stadt essen, shoppen gehen, sinnlose Souvenirs kaufen, Enten füttern oder Musik machen obwohl man gar kein Instrument spielen kann, als mit guten Freunden.

Meine Kreativität, die in Skandinavien irgendwie in den Sommerwinterschlaf verfallen ist, ist auch wieder neu aufgeblüht. Erinnert ihr euch noch an Sabrina? Von ihr habe ich hier schon mal erzählt. Wir haben uns getroffen und ein kleines neues tolles Projekt. Gemeinsam haben wir nach langer Zeit nochmal gemeinsam ein Styled-Fotoshooting auf die Beine gestellt und uns in einer Märchenwelt in einem Wintergarten in Bad Wörishofen verloren. Bei dem ganzen Gedankenzirkus den man sich über das Leben und einen neuen Job macht, sagte sie etwas was sich tief in mein Hirnchen eingebrannt hat: „Manchmal muss der Job auch einfach dich finden“. Was sich vielleicht ein wenig hoffnungslos nach Hippie anhört, macht für mich gerade ziemlich Sinn. Offen dem Universum entgegen, lautet gerade meine Taktik. Ich nehme mir gerade den Freiraum kreativ zu sein und schreibe an meinem Buch „Goldfisch gelb“, habe Ideen für ein Malbuch und entwickle gerade Templates für einen Hochzeitskalender. Zwischendrin schiebe ich Kisten hin und her und dann fällt mir wieder ein, dass es Road Story auch noch gibt.

Vielleicht lasse ich auch selten von mir hören, weil es mir gerade gut geht, weil meine Gedanken gerade geordnet und sortiert sind und ich das Schreiben ja auch oft für mich und meinen Kopf nutze. Manchmal ist es noch befremdlich für mich zu sagen, dass ich mir eine Auszeit genommen habe. Die Blicke vom Gegenüber auf diese Aussage sprechen manchmal für sich oder man interpretiert einfach selbst zu viel hinein. Es sind oft die Grenzen die man sich selbst im Kopf zieht und regelmäßig drüber stolpert.

Auch wenn es vielleicht noch ein wenig früh für einen Jahresrückblick ist finde ich, dass dieses Jahr ein ziemlich großartiges Jahr war. Ich habe mich selbst überrascht und bin losgezogen, hatte eine tolle Zeit mit meinem Partner und meinen Eltern und alleine hoch oben im magischen Norden, ich bin nach Hause gekommen und hab auch daheim mein Leben sortiert und aufgeräumt, ziehe um, freue mich aufs neue Häuschen mit dem neuen Mammutbaum im Garten, die Kreativität fließt, ich bin reflektiert und freue mich noch immer auf das was kommt.

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