Autor: Hannah Maria

Was ich gelernt habe

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Was ich gelernt habe

Nach sechs Wochen im Bus und auf Reisen, hat man reichlich Zeit sich über alle möglichen Sachen Gedanken zu machen. Damit ich all die Dinge die ich gelernt habe oder mir wichtig sind nicht vergesse, habe ich mich vor ein paar Tagen an einen super schönen alten Tisch am See in Nord-Schweden gesetzt und angefangen alles aufzuschreiben. Ruckzuck waren drei Seiten gefüllt. Nachdem ich euch davon auf Instagram erzählt habe, kam die Bitte die Liste mit euch zu teilen. So, nun habt ihr den Salat. Ein paar Punkte scheinen mir etwas kitschig im Nachhinein, aber hej so ist das Leben.

  • …das ich nicht viel brauche
  • …man nie alleine sein muss, wenn man nicht möchte
  • …ich mich auf zu Hause freue
  • …und dort den besten Freund, Familie & Freunde habe
  • …es in Norwegen eindeutig die weltbesten Zimtschnecken gibt
  • …ich Kälte auch im Sommer mag
  • …und es nach der Kälte umso schöner ist Barfuss zu laufen
  • …es unendliche Wälder gibt
  • …und mindestens genauso viele Seen
  • …angeln 🙂
  • …es in Deutschland nun wirklich das beste Brot gibt
  • …ich 80km/h auf allen Straßen zu fahren super finde
  • …dass ein Elch bis zu 800kg schwer werden kann
  • …die Gelenke von Rentieren knacksen, wenn sie laufen
  • …es unendlich viele Arten von Regen gibt
  • …ich gerne einen Hund als Reisebegleiter hätte
  • …und ich meine Katze ein wenig vermisse
  • …dass ich hin und wieder alleine reisen muss
  • …und es mit Begleitung viel schöner ist
  • …die Reise auch mit 4Platten Reifen weitergeht
  • …man wirklich überall in Norwegen Empfang u. Internet hat
  • …ich gerne den Kungsleden laufen möchte
  • …ich frische Luft liebe
  • …dass Gletschereis blauer als blau ist
  • …dass die Mitternachtssonne ein einmaliges Erlebnis ist
  • …dass man im Wald auch gar nichts hören kann
  • …dass das mit den Mücken in Schweden u. Norwegen halb so wild ist
  • …ein Lächeln und ein „Danke“ in der Landessprache Wunder bewirken können
  • …ich meinen Job loslassen konnte und ich mich nicht darüber identifiziert habe
  • …ich gerade alles richtig mache
  • …ich Riebel liebe!
  • …und alte Badezimmerkacheln auf Campingplätzen
  • …Moos & Baumbärte wunderbar großartig sind
  • …im Bus einfach gar nichts niemals nie trocknen kann
  • …meine Porta Potty „Harry Porter“ Gold wert ist
  • …es auch auf langen Reisen einen Alltag gibt
  • …das ich gerne die richtigen Worte für die Reise und die Natur finden würde
  • …und mir vornehmen möchte Dinge laut aus- und anzusprechen
  • …vor allem die lieben Dinge
  • …dass man 4Tage nur mit Katzenwäsche auskommen kann
  • …dass ich es toll finde im Ausland in Supermärkte zu gehen, nur um zu stöbern
  • …ein Scheuerschwämmchen beim Camping unerlässlich ist
  • …ich alleine für die Art & Weise mein Leben zu gestalten verantwortlich bin
  • …der Trend zum Dritthund geht
  • …Kopenhagen für mich bis jetzt die schönste Stadt ist, in der ich je war
  • …ich Stadtleben max. 3/4 des Tages ertrage
  • …ein Sonnenaufgang und ein Sonnenuntergang gleichzeitig stattfinden kann
  • …ein „Smörgasgurka“-Glas mit vertrockneten Blumen wunderschön sein kann
  • …ich wieder öfters Dreck unter den Fingernägeln und an den Füßen haben möchte
  • …dass das hier ein kleiner Liebesbrief an mich ist
  • …sich Tannenzapfen prima zur Fußmassage eignen
  • …fahr weiter, wenn es kein schöner Platz ist. Der nächste kommt.
  • …und man es so mit allem im Leben machen sollte
Die Sache mit dem Internet

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Die Sache mit dem Internet

2006. Marcel kam auf mich zu und fragte mich, ob ich eine Art Kolumne für seinen damaligen Blog „Tokyopunk“ schreiben möchte. Das Thema durfte ich mir aussuchen. Ich glaube mein allererster Text den ich „fürs Internet“ geschrieben habe, handelte vom kleinen Prinzen und darüber wie er die Welt sah. Ich bin an den Text herangegangen als würde ich einen Aufsatz schreiben, weil ich einfach nicht wusste was freies Schreiben war. In der Schule lernte ich nicht wie man seine Gedanken seiner Umgebung mitteilt, wie man Dinge durch das Schreiben verarbeiten oder den Tag und sich selbst reflektieren kann und das nicht für den Lehrer, sondern für sich selbst zu tun.

Erst nach und nach, war es für mich zu einer Art digitalem Tagebuch geworden. Zu etwas, mit dem ich selbst auch etwas anfangen konnte. Etwas was ich für mich tat. Und damit war ich nicht alleine. „Damals“ so bekloppt sich das auch anhören mag, als es das Wort „Blog“ oder „Influencer“ noch gar nicht gegeben hatte, war ich auf dem besten Weg einer davon zu werden. Und da war nicht nur ich, da waren ganz viele andere ehrliche Schreiberlinge mit großartigen Texten, Meinungen und Ideen da draußen. Marcel und ich trafen zuerst mit Tokyopunk und später mit AMY & PINK den Nerv der Zeit. Den Zeitgeist der digitalen Natives und formten damit ganz unbewusst eine ganze Generation die „erste Blogger“ Generation sozusagen. Abgefahren.

Wir wussten zwar nicht was wir da genau taten, aber wir taten es laut und fanden Gehör. Wir hatten auf ein mal die Möglichkeit uns durch eine neue Art und Weise mitzuteilen. Wir, die sich alleine im Jugendzimmer Gedanken über die Welt gemacht haben und es nicht für möglich hielten, dass es da draußen ganz vielen ähnlich geht. Wir, die nichts voneinander wussten, am anderen Ende von Deutschland oder der Welt saßen. Das was heute so selbstverständlich und normal geworden ist, war für mich damals so besonders. Aus meiner kleinen Blase im Jugendzimmer konnten wir unsere Meinung in die Welt rufen. Und so schrieben wir, wir chatteten, schrieben uns Mails, Nachrichten bei ICQ. Wir kommentierten Texte unbefangen und positiv, ehrlich und tauschten uns einfach aus und das natürlich alles komplett konzentriert und bedacht, denn jede Sekunde kostete Geld.

Das Internet war kein Ort der Angst oder des Mobbings. Mobbing passierte bei uns an der Bushaltestelle. Wir mussten demjenigen noch in die Augen schauen, wenn wir jemanden Banane fanden und damit auch zurechtkommen wenn sich diese mit Tränen füllten. Laptop einfach zuklappen gab es nicht.

Es gab keine Trolle, wir waren ein Team. Ein Team aus vielen jungen Erwachsenen zu denen ich heute noch viele Jahre später Kontakt habe oder sie sogar kennenlernen durfte. Wir inspirierten uns gegenseitig. Keiner von der ersten Blogger Generation, hatte gewusst, welchen Hype das Internet in den nächsten Jahren bekommen würde. Welchen Stellenwert und Einfluss Blogger haben könnten. Das dies der Anfang von einem kompletten Wandel war. Hallo Globalisierung, hallo Remote-Jobs, hallo Internet, Smartphones, Apps & Co. hallo, hallo, hallo!

Es gab noch kein Instagram, noch kein Snapchat, Facebook auch nicht. Wer einigermaßen cool war, hatte myspace – naja für eine Gewisse Zeit oder hat sich mit beepworld und freenet irgendwie seine eigene Internetseite gebastelt. Und heute, möchten Kinder Modeblogger werden wenn sie groß sind oder Youtube-Star, Fashionista, Vlogger, Creator oder was es sonst noch so gibt. Und das ist auch ok. Es ist für alle ok. Du musst kein Superstar, Supermodel oder was weiss ich was sein. Du musst einfach nur etwas zu sagen haben.

Was ist dann passiert? Wir sind erwachsen geworden. Ein Teil dieser Generation hat diesen Aufschwung genutzt und daraus sehr wahrscheinlich sogar unbewusst und ungewollt zu ihrem Job gemacht. Blogs wurden zu Onlinemagazinen, zu Marken. Andere sind wiederum ausgestiegen haben angefangen zu arbeiten, studiert, eine Lehre gemacht. Das was man eben regulär nach der Schule gemacht hat. Das was sich gehört, das was man kannte.

Ehrliche Texte fanden immer weniger Gehör.  Die Authentizität ging verloren. Ich für meinen Teil fand immer weniger Zeit. Aus dem Internet mit Ecken und Kanten sind glattgebügelte Selfies mit Filter geworden. Weitere Hochglanzbilder auf denen alles so gut ausschaut, so perfekt, so glatt, so einfach, so gar nicht realistisch.

Nach und nach haben wir dann dadurch das Internet zu dem werden lassen was es heute ist. Wir haben es zum Teil verkommen lassen, weil die Stimmen die wirklich etwas zu sagen haben leiser wurden oder verloren gingen. Wir haben selbst den Weg frei gemacht für die Trolle da draußen, für Mobbing, für Bananenkommentare die man einfach so irgendwo anonym drunter knallt.

Warum bloggt man eigentlich?

Alle haben das gefragt und eine richtig schlaue Antwort fällt mir leider erst jetzt ein. Es ist eine Art Philosophie, vielleicht auch Kunst. Man beschäftigt sich mit Themen und verpackt diese in einen Text, man bündelt Informationen, stellt sie online und wartet auf eine Reaktion. Darauf, dass man Gehör findet, darauf dass sie einen Teil der Gesellschaft widerspiegeln um eine Art Sprachrohr zu sein für alle die nicht den Mut haben die Dinge zu sagen, die ihre Gedanken nicht aufs Papier bringen können. Es ist wie ein Gespräch mit Freunden oder eine Art Reportage über persönliche Gedankengänge. Eigentlich das, was alle Medien tun. Jeder Film, jede Serie, jeder Artikel in der Zeitung, jedes Buch. Das Denken wird angeregt, eine eigene Meinung entsteht und man wird zum träumen eingeladen, inspiriert, in eine andere Welt entführt, animiert oder einfach nur unterhalten.

Als ich vor ein paar Wochen die About You Awards angeschaut habe, habe ich mich geschämt. Das Internet kann mehr als „Influencer“ erschaffen, die es nicht verstehen, dass sie mit den About You Awards einfach nur auf Dauerwerbesendung geschaltet sind. Aber klar, natürlich ist das sehr verlockend und ich wäre sehr wahrscheinlich selbst auch schwach geworden, damit ich Cro mal über seine Pandanase streicheln kann. Das ein Unternehmen sogenannte Influencer-Awards verleiht, ist bezeichnend für eine Social-Media-Generation die mit Werbung verschmilzt und es noch nicht ein mal mehr mitbekommt. Das Internet hat mehr auf dem Kasten. Es handelt sich hierbei um keine representative Stichprobe und deswegen beschäftigt mich das Thema wohl auch. Nur wer laut ist, viele Follower hat und/oder einen flachen Inhalt, ist nicht automatisch Preisträger. Schon gar nicht unter dem Deckmantel der Konsumgesellschaft eines Online-Versandhandels. Natürlich schreibe ich diese Worte überspitzt und ich hoffe die Meute von Komikerin Enissa irgendwer wird mir nicht auf den Hals gehetzt, aber allein das ist doch schon absoluter Käse, dass es zu so etwas gekommen ist.

Das geschriebene Wort im Internet wurde schon von Anfang an belächelt. Print ist tot, es lebe Print! Blogs sind tot, es lebe der Blog! Es war immer ein blödes gegeneinander, nie ein wirkliches miteinander.

Es sind die leisen Stimmen mit gutem Inhalt, die das Internet verzaubern. Die mit dem langen Atem und ich frage mich wo denn die authentischen jungen Stimmen unserer Generation, unserer vorherigen Generation und unserer nachfolgenden Generation geblieben sind? Die, die außerhalb jeglicher Werbeslogans wirklich etwas zu sagen haben. Manchmal habe ich das Gefühl das Zeitalter des geschriebenen Wortes ist vorbei. Zu groß ist die Versuchung nach schnellen, billigen, leichten „Content“ der über Stories, Vlogs & Co. so dermaßen schnell inhaliert werden kann, als würde man sich eine Line Koks reinziehen und den gleichen Effekt hat es sehr wahrscheinlich auch.

Vielleicht ist es auch das Ergebnis, dass die Menschen die wirklich etwas zu sagen haben Jahre lang hinter jedem Praktikum, Studium und Job hergelaufen sind und das Online-Feld einer anderen Generation überlassen haben. So haben wir uns ein weiters Hochglanzmagazin geschaffen, auf dessen Cover absurde Figuren tanzen, die es so in der Welt vermutlich überwiegend so gar nicht gibt und die authentischen Darsteller sind in der Nebenrolle gelandet. Wir haben Blogger & Co. zu weiteren künstlichen Vorbildern gemacht, die wir so doch gar nicht wollten. Jetzt sehen wir sie nicht nur in Magazinen, sondern wir sehen sie gleich schon in der Früh in den „Stories“ und damit einhergehend wie perfekt sie schon morgens um 6Uhr aussehen.

Das Internet war mal voll von inspirierenden Menschen, echten Menschen da draußen. Was beschäftigt unsere Generation, wo ist der Austausch untereinander. Hilfe! Kann mich jemand hören? Wo sind die echten Instagram-Muttis? Die mit den Depressionen, mit den vollgekotzten Pullovern, mit ihren Ängsten keine gute Mutter zu sein, die mit den Augenringen, mit dem fettigen Ansatz, die mit den dreckigen Fußböden, weil man nicht zum staubsaugen kommt? Die mit den Wohnungen die nicht aussehen wie aus einem skandinavischen Einrichtungsstudio, dort wo nicht alles aufeinander abgestimmt ist, dort wo nicht nur Luxusstrampler liegen? Ich rede hier nicht von #nomakeup ich suche das echte Leben.

Wo sind die echten Modejunkies, die sich nicht in einen Katalog pressen lassen, die ihren eigenen Stil haben? Wo sind die Menschen die auch noch wirklich einen Berg hoch laufen oder auch wirklich draußen zelten und sich nicht nur zurecht gemacht irgendwo hinsetzen um ihr nächstes schönstes Outdoorfoto posten zu können?

Ich bin mir sicher, dass es diese Blogs bzw. Social-Media-Kanäle da draußen noch gibt und zwar reichlich davon. Bitte werdet lauter!

Wann haben wir eigentlich das Internet zu dem gemacht was es heute ist? Wann habe ich das Internet zu dem gemacht was es heute ist.

Durchatmen

Personal

Durchatmen

Am Samstag den 8ten Juni haben wir uns auf die Reise gemacht. Wir starteten an einem unserer absoluten Lieblingsplätze: auf der Insel in Lindau. Am Hauptbahnhof trafen wir uns mit Sabine und Freddy, zwei Mitfahrer die unseren ersten Streckenabschnitt nach Hamburg über Blablacar gefunden haben. Ein super Abenteuer gleich zu Beginn mit vielen guten Gesprächen, ließ uns die lange Autofahrt deutlich kürzer erscheinen.

Sabine, mit ihren fast 50Jahren, die nicht älter wie 40 aussah besuchte ihren Mann hoch oben an der See, da er in einer Werft arbeitet. Eine Hippie-Dame aus vergangenen Tagen die es liebt zu Reisen, ganz nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Freddy mit seinen 23Jahren hatte wohl deutlich mehr Geschichten zu erzählen und Lebenserfahrung als die restlichen drei Mitfahrer zusammen. Geboren in Paraguay kam er später über einen kleinen Umweg durch Italien nach Österreich. Er frisierte, laut seiner eigenen Aussage, alle Prostituierten in Mailand, bevor sie sich auf den Weg in die Arbeit machten. Im Urlaub hat er jemanden kennengelernt, den er jetzt spontan besuchen wollte. Wir waren sozusagen mit dem Amormobil unterwegs. Im Auftrag der Liebe gen Norden!

Auf unserem Weg kamen wir auch in den Stau, den wir gekonnt umfahren wollten. Wir fuhren so wild über Stock und Stein, dass man hätte annehmen können Norwegen liegt bei uns gleich (fast) vor der Haustüre.  Gut, dass unsere Mitfahrer so geduldig mit uns waren.

Die ersten Tage verbrachten wir bei meinem Bruder und seiner Familie in Hamburg. Mit der Familie in den Urlaub zu starten tut immer gut um ein wenig runterzukommen. Wir grillten, spielten mit den Kids, ich baute seit Jahren mal wieder eine Sandburg und wir gingen rutschen. Schnell kann man so durch den komplett anderen Alltag Abstand vom eigenen Leben gewinnen.

An Pfingstmontag ging es weiter nach Dänemark. Kopenhagen war unser nächstes großes Ziel. Am Rande der Stadt, dennoch fußläufig ins Zentrum, fanden wir einen Womo-Parkplatz. Kopenhagen ist wohl einer der schönsten Städte auf diesem Planeten Erde für mich. Eine Stadt die groß ist und dennoch so gemütlich und grün erscheint. So schlenderten wir unbemerkt einfach mal 15km durch die Stadt und verirrten uns dabei natürlich auch auf die Pusher Street, in der ich kurz mal recht orientierungslos dreinblickte, da ich darauf irgendwie nicht gefasst war.  Die Nacht war ruhig, bis uns in der Früh ein leichtes Gewitter, gefolgt vom Flugverkehr weckte.

Den darauffolgenden Tag verbrachten wir größtenteils im Auto und fuhren durch Schweden nach Norwegen. Konstant regnete es fast die komplette Autofahrt, also nutzten wir einfach die Gelegenheit um Strecke zu machen. 50km vor Oslo machten wir dann in Drobak halt, einer kleinen Stadt gleich am Fjord gelegen.  Wir schlenderten Abends durch die Stadt und erkundeten alle norwegischen Lebensmittel & Co. ausgiebig im Supermarkt. In jedem Reiseführer steht ja geschrieben, dass Lebensmittel so teuer seien, vor allem Alkohol und das mit einem Schnäpschen oder Bierchen aus der Heimat schon so manche Freundschaft begossen wurde. So packten auch wir einen Obstler ein. Nach der ausgiebigen Preisanalyse im Supermarkt würde ich jedoch jedem empfehlen sich mit Schokolade einzudecken. Diese ist nämlich ebenfalls, im Verhältnis zu Preisen in Deutschland, teuer hier oben.  Unser Stellplatz für die Nacht lag gleich am Hafen mit Blick auf zahlreiche kleine Boote. Möwen quietschten im vorbeifliegen und das Wasser schlug im Takt der Wellen gegen das Holz der Boote. Fast schon etwas kitschig und zu schön um wahr zu sein.

Heute ging es dann weiter von Dobrak nach Oslo. Unser zweiter Städtetrip lag also vor uns. Oslo hat es in meinem Städteranking ganz schön schwer, nachdem ich auf den Geschmack von Kopenhagen gekommen bin. Trotzdem ist es eine sehr schöne und vor allem facettenreiche Stadt auch wenn es verdammt kalt und windig war.

Mittags ging es dann weiter Richtung Bergen, jedoch nicht auf direktem Wege. Wir fuhren zuerst auf der E16 und später auf der E7, bis wir in Nesbyen kurzerhand auf die 214 Richtung Geilo aufbrachen. Eine wirklich wunderschöne Strecke vorbei an vielen kleinen Seen. In Tunhovd fanden wir einen kleinen Campingplatz auf den wir jetzt stehen. Fußläufig vom Campingplatz erreicht man den Tunhovdfjorden an dem wir heute vergebens versucht haben einen Fisch zu fangen und das muss man erst mal in Norwegen schaffen. Zu unserer Verteidigung ist jedoch zu sagen, dass es leicht geregnet hat und wir, trotz unserer spontan „ausgeliehenen“ kleinen Nussschale mit nur einem Paddel nicht wirklich gegen den Wind anpaddeln konnten um weit auf den See hinauszukommen. So hab ich mir Norwegen vorgestellt. Viel wilde Natur, unzählige Seen und Einsamkeit. Man fühlt sich hier tatsächlich etwas freier, so alleine.

Es ist einfach verdammt ruhig hier oben und das genieße ich gerade wirklich sehr. Selbst das „schlechte“ Wetter ist super, es macht irgendwie den Kopf frei. Die Natur mit den ganzen Kiefernwäldern und Flechten und Moosen sieht auch komplett anders aus. Wir stehen hier alleine auf dem Campingplatz und man könnte meinen uns gehört gerade die komplette Welt. Eigentlich wollte ich ja mehr von mir hören lassen, mehr schreiben und auch mal die ein oder andere Situation auf Instagram mit euch teilen, aber es ist gerade so schön ruhig und es gibt immer etwas zu tun, dass ich das gerade komplett genieße und alles andere auch mal in den Hintergrund rücken darf.

Durchatmen, den Kopf frei bekommen, so wie ich es mir gewünscht habe. Es ist erstaunlich wie viel man an einem Tag erleben kann wenn man auf Reisen ist, wenn man sich nicht von unwichtigen Dingen wie Handy und Fernsehen ablenken lässt und wie klein manchmal der Alltag daheim sein kann.

Das ging schnell

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Das ging schnell

Wie schnell die Zeit die letzten Wochen vergangen ist und wie viel organisatorisches es einfach noch zu tun gibt, wenn man sich auf Reisen begibt. Ehrlich gesagt habe ich das ein wenig unterschätzt. Die gewohnte „Ich fahr dann mal zwei Wochen in den Urlaub-Reiseplanung“ hat so nicht mehr ganz funktioniert. Nachdem ich in der Arbeit gefühlt relativ zügig alle großen Themen abgearbeitet habe und für meine Nachfolge strukturiert hatte, war es privat genau das Gegenteil. Es gibt einfach immer etwas zu tun und ich habe einfach nur noch zwei Tage. Dann geht’s los.

Irgendwie sollte man sich ja schon so grob die Reiseroute zurechtlegen. Bis zu welchem Ziel fährt man gemeinsam? Ab wann und wo ist man dann alleine unterwegs?  Wie stehts um meine Auslandskrankenversicherung? Was mach ich mit der Straßenkatze? Wie überleben meine Blumen?  Wie schnell ist mein Internet im Ausland und wie teuer ist es? Ich muss meinen Nachbarn noch sagen, dass ich den Sommer über weg bin, einkaufen, Wäsche waschen, Sommerreifen und Lichttest beim Auto sollten auch noch gemacht werden, Beine rasieren wäre auch mal wieder nicht ganz so übel, vielleicht noch schnell hier durchwischen und da den Müll wegbringen. Der alltägliche Wahnsinn eben. Selbst schuld wenn man auch einen Tag nach dem letzten Arbeitstag sich sofort in den Bus setzt und in den Norden aufbricht. Meine private To-Do-Liste füllte und füllte sich die letzten Wochen, sodass für die Schreiberei mal wieder keine Zeit da war. Dabei sollte sich doch genau das jetzt ändern.

Die letzte Woche in der Arbeit fühlt sich ziemlich unwirklich an. Eher so nach „ich mach jetzt mal einen etwas längeren Urlaub“, dass ich aus dem „Urlaub“ nicht mehr zurückkommen werde, wird mir denke ich erst später richtig bewusst. Mittlerweile habe ich mich auch an meine Aussagen gewöhnt, die ich entgegne wenn mich jemand fragt, was ich nach der Reise mache. Am Anfang ist es mir noch sehr schwer gefallen zu sagen, dass ich mir Zeit für mich nehme und es noch offen ist was ich mache, dass ich keinen festen Job habe für danach und erst mal von meinen Rücklagen lebe. Aber es wird tatsächlich einfacher mit der Zeit.

Die Lofoten bzw. Norwegen und Schweden stehen schon ganz lange auf meiner Reiseliste. Ich wollte schon immer mit dem Bus dorthin fahren, jedoch bekommt man die einfache Strecke von ca. 3000km mal nicht eben in einen zweiwöchigen Urlaub unter und so rutschte das begehrte Reiseziel immer weiter nach hinten auf der Liste.

Hier am Bodensee war es die letzten Tage richtig heiß.  Im norden Norwegens sind es gerade gemütliche 5-10Grad. Herrlich! Ich freue mich auf die kühlen Temperaturen, auf die Papageientaucher, Elche, Rentiere, Wale und darauf jeden Tag angeln zu gehen. Letztes Wochenende haben wir uns schon im Angelfachmarkt mit dem richtigen Equipment für norwegische Gewässer ausgestattet. Es war super! Ich liebe solche Geschäfte. Der ganze Laden riecht nach Abenteuer und auch wenn ich wenig Ahnung von der Ausrüstung habe, kann ich mich stundenlang damit beschäftigen. Den Bus haben wir auch neu strukturiert, für eine längere Reise war dies auch mal dringend nötig. Ich bin mir dennoch sicher, dass wir uns erst mal wieder einen Affen suchen werden, egal wie durchdacht das Ganze jetzt ist. Stolz und neugierig bin ich auch auf meinen neuen Omnia-Backofen. Ich hoffe das Teil funktioniert und ich kann hier vielleicht mal ein paar Rezepte veröffentlichen.

Am Samstag geht es los. Dann fahren mein Freund und ich erst mal in den Norden Deutschlands um meinen Bruder und dessen Familie zu besuchen. Danach geht es gleich weiter nach Schweden und Norwegen. Drei Wochen werden wir durch Norwegen bis nach Tromsö fahren. Danach geht es für Martin nach Hause und ich hab ein wenig Zeit für mich, bis dann ein paar Tage später meine Frau Mama besuchen kommt. Ich freu mich schon auf die gemeinsame Zeit, wann macht man so etwas nochmal gemeinsam mit seiner Mama?

Ich bin super gespannt und bekomm zwischendrin Anflüge einer leichten Panikattacke. Es ist schon alles etwas abgefahren. Ehrlich gesagt fehlen mir auch ein bisschen die Worte. Das neue Leben bzw. das neue Lebensgefühl bewusst nicht weiter als die Reise bzw. Auszeit in Angriff zu nehmen, um zu schauen was in stillen Momenten noch alles in einem schlummert, interessiert und entsteht, ist tatsächlich ein abgefahrenes Gefühl für so Struktis wie ich es einer bin. Für Menschen mit aalglatten Lebensläufen, die selbst nach dem Abi oder Studium keine kleine Auszeit genommen haben. Es ist ziemlich ungewohnt, fühlt sich aber auch ziemlich gut an.

Na dann, los geht’s!

Von Drachenkämpfern und Mut

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Von Drachenkämpfern und Mut

Nachdem meine Kündigung im Unternehmen bekannt wurde bin ich zu meinen Eltern in die Heimat gefahren. Meine Katze saß während der Fahrt auf dem Beifahrersitz, in ihrer Transportbox und kuschelte sich wie immer an das Gitter um auch nur annähernd bei mir zu sein. Im Radio lief passend dazu Dramas – Comfort Zone.

Die ganze Fahrt über spielte ich den Tag durch. Es war anstrengender als gedacht, Kollegen die zum Teil Freunde von mir wurden zu sagen, dass ich gehen werde. Ich hatte einen richtig dicken Klos im Hals, dabei hatte ich mich doch so gut geschlagen. Zwei Tage zuvor, als ich es meiner Abteilungsleiterin mitteilte. Konzentriert und vorbereite war ich da. Wochenlang habe ich morgens und abends auf dem Nachhauseweg im Auto die Zeit genutzt und bin das durchgegangen was ich sagen wollte. Wie bei einer Präsentation. Auf die relativ spontane Verkündigung meiner Kündigung  an das gesamte Team war ich jedoch gar nicht mehr vorbereitet und so kullerten die Tränen. Massenweise. Ganz toll gemacht, dachte ich mir. Ich war so ehrlich wie ich konnte, dennoch habe ich das Gefühl, auch wenn mich viele verstehen können, dass das relativ abstrakt ist was ich da mache. Einen guten festen Job kündigen, in dem ich gerne arbeite um etwas Neues zu machen, was aber noch nicht feststeht. Viele bezeichneten es als mutig diesen Schritt zu gehen. Darüber dachte ich während der Autofahrt lange nach.

Was ist Mut? Was ist für mich Mut?

Mutig ist es für mich einen bösen Drachen zu töten um das Dorf vor seinem Niedergang zu bewahren. Mutig ist es für mich sich um kranke Familienmitglieder zu kümmern und seine eigenen Bedürfnisse dafür zurückzustellen, mutig ist es eine Familie zu gründen und für sie da zu sein, mutig ist es jemanden zu lieben und demjenigen das auch zu sagen. Mutig finde ich es seine eigene Meinung zu haben auch wenn man damit vielleicht komplett alleine da draußen in der Welt ist. Mutig ist es gute Dinge zu tun, Menschen zu helfen, sich sozial zu engagieren. All das ist für mich mutig. Ich fand es auf jeden Fall erst mal nicht mutig seinen Job zu kündigen um seinen eigenen Ideen nachzugehen.

Lasst uns das bitte nicht als mutig bezeichnen irgendwo aufzuhören und etwas Neues anzufangen, denn man ist nie zu alt um etwas Neues anzufangen, etwas Neues zu lernen, etwas zu versuchen und zu träumen.

Das Thema lies mich jedoch nicht los und da ich eh ein Fan der Dekonstruktion bin, zerstückelte ich den Begriff „Mut“ in seine Bestandteile und kam zu dieser tollen Seite hier und der Grüffelo hatte sehr weise Worte für mich. Die Initiative „Mut tut gut!“ unterscheidet sechs Arten von Mut: physischer, sozialer, intellektueller, moralischer, emotionaler und spiritueller Mut.

Als ich die Definitionen durchlas merkte ich, dass das was ich hier tat man durchaus als mutig bezeichnen konnte. Ich wurde also recht schnell eines besseren belehrt. Dennoch bleibt für mich der Drachenkämpfer/in auf Platz eins der Mutigen-Rangliste ganz oben bestehen aber wer weiss, vielleicht hatte ich für mich meinen eigenen kleinen Babydrachen gerade bekämpft?

Zu Hause angekommen stellte meine Mutter nach einem kurzen Blick in meine Augen eine Flasche Schnaps auf den Tisch. Alte Pflaume – Rudi hatte den Schnaps meinen Eltern geschenkt als er ein Schwein geschossen hatte. Jetzt trank ich diesen edlen Tropfen um wieder ein bisschen runterzukommen – ekelhaft. Unerklärlich ist es für mich mittlerweile wie ich so was mal gerne am Wochenende getrunken habe. Wird man also wirklich Älter? Ist es das was wir früher nie geglaubt haben? Die alte Pflaume tat ihr Werk und so wurde ich nach und nach immer schläfriger und kuschelte mich auf die Couch, um mit meinen Eltern einen Krimi anzuschauen.

Meine Mutter verriet mir bereits in den ersten fünf Minuten wer der Täter ist und so konnte ich erst recht beruhigt einschlafen. Der Fall war geklärt. Am darauffolgenden Tag traf ich mich mit einer Freundin. Drei Jahre hatten wir uns jetzt schon nicht mehr gesehen. Verrückt wie es dazu kommen konnte.  Doch das Leben dreht sich so schnell, die Jahre verfliegen so rasch, vor allem wenn man durch den Job so eingebunden ist bzw. sich so einbinden lässt.

Drei Stunden quatschen wir beim Brunch über die letzten Jahre. Es war wunderschön. Sabrina ist Hochzeitsfotografin und ihre Freundschaft hat mich nachhaltig geprägt. Sie hat früher in einem ganz anderen Beruf gearbeitet, hat dann hobbymäßig angefangen zu fotografieren und wurde nach und nach immer erfolgreicher. Nach einiger Zeit entschied sie sich dann für die Fotografie und kündigte ihren Job. Mutig, dachte ich mir.  Ha, da war es wieder! Vielleicht ist es auch immer eine Frage der Perspektive. Das was sie macht, macht sie sehr erfolgreich und vor allem echt. Sie ist ehrlich, authentisch und glaubte bereits vor Jahren stärker an meine Ideen und an mich als ich an mich selbst.

Es gibt Menschen und Begegnungen im Leben die passieren denke ich nicht ohne Grund. Und es gibt verschiedene Arten von Menschen die in unser Leben treten. Die, die einen erden, einen fördern oder einen inspirieren. Ja, es gibt auch Menschen mit einer dunkelschwarzen Aura die einen runterziehen und wie eine dicke Regenwolke über den Kopf hängen, dunkelgrau und triefend nass und selbst bei 35Grad im Schatten Gänsehaut erzeugen können. Aber die lassen wir jetzt mal außen vor.

Sabrina gehört definitiv zu den inspirierenden Menschen da draussen. Nach dem Brunch und vielen guten Gesprächen legte ich mich in die Sonne, um die Batterien aufzuladen und das schöne Wetter zu genießen. Ehrlich gesagt, ist es für mich persönlich noch unecht, dass ich diesen Schritt gewagt habe, aber ich freu mich wirklich auf das was jetzt kommt. Egal was es ist. Ich merke wieder wie meine Kreativität anfängt zu fließen, mir neue Ideen kommen. Es fühlt sich an wie der erste Frühling, wie das erste Mal verliebt sein. Herrje, das war kitschig, also lassen wir das. Egal. Ich bin offen für das Universum und ich bin gespannt was passiert.

Wann habt ihr das letzte Mal etwas aus eurer Sicht mutiges gemacht? Was ist für euch Mut?

In Work

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In Work

Ich habe nicht von heute auf morgen beschlossen, dass ich etwas in meinem Leben ändern möchte. Es war vielmehr ein schleichender Prozess und das ist es noch immer. Sich mit den großen Fragen des Lebens zu beschäftigen, ernsthaft zu beschäftigen, sich selbst und sein tun stetig zu hinterfragen dauert wohl ein Leben lang. Und es ist anstrengend.

Ich denke ob man letztendlich ein erfülltes Leben geführt hat, ein glückliches, zufriedenes Leben geführt hat, wird man auch erst kurz vor dem Lebensende erfahren. Bestenfalls kann man die Erkenntnis dann vielleicht Sekunden, Minuten, Stunden oder ein paar Tage verspüren und mit seinen Liebsten teilen. Ich denke jedoch auch, dass es ok ist wenn es nicht so ist. Selbst wenn man am Ende des Tages bzw. des Lebens zu keiner großen Erleuchtung, Erkenntnis oder was auch immer kommt, haben die Fragen mit denen man sich bis dahin intensiv auseinandergesetzt hat, einen nachhaltig geprägt und auf das eigene Leben abgefärbt.

Vor Jahren fing die innere Unruhe in mir schon mal Feuer. Damals habe ich diese jedoch nicht als solche erkannt. Ich habe sie als jungendlichen Leichtsinn, als etwas das mit meinen Hormonen zu tun haben muss abgetan bzw. als eine Art Gegenstand gesehen, den ich tief in eine Schublade vergraben kann. Nur leider funktioniert das so nicht. Rückblickend bin ich immer wieder an ähnliche Stationen in meinem Leben gekommen. Immer wieder wurde dieser ominöse abstrakte Gegenstand mal ausgeführt, an die frische Luft gelassen um ihn danach noch tiefer irgendwo zwischen Kelly-T-Shirt und Mickey-Mouse-Socken zu vergaben. In der Hoffnung die Sehnsucht nach dem Unbekannten würde dort unten ersticken und verrecken. In der Hoffnung der Fokus legt sich wieder auf etwas anderes. Auf ein anderes Ziel, einen anderen Lebensabschnitt, eine andere Ausbildung, eine andere Aufgabe.

In den letzten drei Jahren hatte ich für große Träume schlichtweg keine Zeit. Mein Job hat mich voll und ganz vereinnahmt. Ich war froh permanent beschäftigt zu sein, mit tollen Kollegen arbeiten zu können die ich sehr schätze, in einem Unternehmen zu arbeiten, welches auch meine privaten Werte vertritt. Schlagartig hatte ich einen Job den ich zu Beginn absolut als meinen Traumjob bezeichnen konnte. Einen Job den ich gerne mache. Natürlich gibt es dort auch Dinge dir mir auf den Keks gehen. Dinge die einen mal mehr mal weniger aufregen. Mehr und mehr kam in mir eine innere Unruhe hoch, noch etwas anderes in meinem Leben zu machen und das kam nicht von heute auf morgen.

Zu Beginn machte sich das vielleicht ab und an mal am Wochenende bemerkbar. Je routinierter ich in meinem Job wurde, desto größer wurden die Fragezeichen in meinem Kopf. Privat fand ich eine neue Liebe, welche mich ein weiteres Jahr dazu brachte meine Fragezeichen im Kopf zur Seite zu schieben, weil da einfach zwischen Luftküssen und Schmetterlingen kein Platz war für Fragezeichen. Je gefestigter die Beziehung wurde, desto mehr Halt habe ich bekommen und konnte mich nach und nach immer mehr mit den Fragezeichen oben in meiner Birne auseinandersetzen. Immer stärker sprudelten meine Gedanken und ich begann darüber zu reden. Zuerst mit meinem Freund, dann mit meinen besten Freunden und anschließend mit meiner Familie.

So doof es sich auch anhören mag, aber irgendwie war das eine Überwindung für mich. Die meisten Dinge machte ich einfach still und leise mit mir aus. Ich hatte Angst verurteilt zu werden oder dass sie mich alle für bescheuert hielten, für einen Menschen in einer Krise oder so ein Käse. Mir geht es ja schließlich gut, ich habe einen guten Job, bin gut in dem was ich mache, habe eine tolle Ausbildung genossen, eine schöne Wohnung und nicht zu vergessen das Straßenkätzchen um das ich mich jetzt kümmern muss. Ich hatte Angst davor, dass ich dazu überhaupt gar kein Recht hatte diese Gefühle zu haben. Ich hatte sozusagen ein schlechtes Gewissen, weil es mir gut geht und alles um mich herum auch einfach gut war.

Nur darum ging bzw. geht es halt einfach gar nicht und das wusste mein Umfeld bereits viel früher als ich selbst. Alle redeten mit mir offen darüber und verurteilten mich in keinster Weise. Sie sagten ich solle mutig sein und bestärkten mich in meinem Vorhaben. Da habe ich leider wieder gemerkt, dass die größte Barriere die in meinem Kopf ist und wir uns zuerst einmal selbst im Weg stehen bevor es andere tun.

Das Zeichen, nach dem ich so vergeblich gesucht hatte, war also schon lange da und winkte mir mit einem überdimensionalen Zaunpfahl von der anderen Straßenseite zu. Nur habe ich es nicht gesehen. Aus Angst vor mir selbst und aus Angst sich mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen, Dinge laut auszusprechen und anzusprechen. Es ist ja auch so wunderherrlich wunderbar gemütlich in der Komfortzone, wenn sich alles mal gesetzt und eingependelt hat, man einen strukturieren Alltag hat, am Ende des Monats Geld auf dem Konto hat, weiß wo man seine Semmel morgens kaufen muss usw.

Ich bin froh, dass ich für mich beschlossen habe, wieder etwas in meinem Leben zu ändern und dass ich das jetzt mache. Denn alles was ich bis dato gemacht habe, hat zur gegebener Zeit für mich vollkommen gepasst und sich richtig und gut angefühlt und genau hier her gebracht. Jede Station in meinem Leben hat mich schlauer, mutiger, weiser und selbstbewusster gemacht. Natürlich kann das auch alles nach hinten los gehen, vielleicht bereue ich es auch – da wären wir dann wieder bei der Sache mit dem „fallen“.

Vielleicht hört sich das alles noch etwas abstrakt an. Ich denke unter dem Strich ist es das jedoch gar nicht. Ich denke es gibt verschiedene Menschen. Menschen die über einen langen Zeitraum in einer Sache voll und ganz aufgehen und dort ihre innere Mitte finden und Menschen die einfach ein bisschen mehr in Bewegung sind, sich ausprobieren möchten, neue Dinge ausprobieren möchten.

Manchmal kommt mir das Leben so klein vor. Dabei gibt es doch so viele verschiedene interessante Dinge da draußen.

Frühlings-Roadtrip

Roadtrips Vanlife

Frühlings-Roadtrip

vom Lukmanierpass über Locarno ins Maggia- und Verzascatal

Dauer: 4Tage (Freitagabend bis Montagabend)

Reisezeit: April/Ostern

Strecke: 643km                                                                                                         

Stationen: Lindau – Lukmanierpass – Locarno – Camping Melezza – Camping Gordevio – Sabbione – Cascata die Foroglio – Sonogno – Diga di Verzasca – Lindau


Los geht’s mit dem ersten Reise-Roadtrip-Bericht für euch! Bereits im April fuhren wir diese wunderschöne Strecke. Über Ostern machten wir uns auf den Weg ins Tessin. Keine Sorge, auch wenn sich die 643km ziemlich sportlich für ein verlängertes Wochenende anhören, war es wirklich ein gemütlicher Trip mit genügend Entdeckungszeit zwischen den einzelnen Stopps.

Freitagabend: Lindau – Lukmanierpass

Wir sind in Lindau gestartet. Meine Homebase ist natürlich ein sehr komfortabler und gut gelegener und sehr dankbarer Ausgangspunkt für Roadtrips in alle möglichen Richtungen. Gerade die Berge sind nur einen Steinwurf entfernt. Wir sind Freitagabend gegen 18Uhr gestartet und haben uns gemütlich auf den Weg zum Lukmanierpass gemacht. Ziel war es sich einfach schon mal auf den Weg nach Locarno am Lago Maggiore zu machen. Den Lukmanierpass entdeckten wir durch Zufall auf einer Karte. Durch die wunderschöne fast schon ausgestorbene Schweiz ging es über Laax zum Lukmanierpass – Freitagabend vor Ostern war hier keiner unterwegs. Der Pass galt früher als einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen nach Italien. Als der Gotthard- und Splügenpass eröffnet wurde, verlor er schnell an Bedeutung. An der Passstraße angekommen wurden wir von den Öffnungszeiten des Passes ein wenig verwirrt: 21:00Uhr bis 11:00Uhr (Frühlingsöffnungszeiten). Das ein Pass nur nachts geöffnet hat, war mir bis dato unbekannt. Gut, dass wir erst so spät losgefahren sind. Vorher sollten also die Öffnungszeiten und die Lawinensituation gecheckt werden.

Problemlos konnten wir die Straße hoch bis zum Stausee fahren – eine wunderschöne Strecke mit einem sehr schönen Ausblick. Jetzt bereute ich es fast schon so spät losgefahren zu sein, da die Dämmerung über uns hereinbrach. Oben angekommen übernachteten wir auf einem Parkplatz und stellten uns den Wecker, damit wir den Samstag vor Ostern nicht auf 1.915m verbringen müssen.

Die Nacht war sternenklar, der Mond leuchtete hell über den benachbarten Berg „Scopi“ und durch den meterhohen Schnee oben am Pass, war es nachts richtig hell. So blieben (wie so oft) die Spiele im Bus verstaut und wir begaben uns auf eine nächtliche Erkundungstour, rund um unseren Stellplatz.


Samstag: Lukmanierpass – Locarno – Camping Melezza – Camping Gordevio

Am nächsten Tag ging es dann weiter richtig Locarno. Die Sonne schien und wir verabschiedeten uns vom Schnee um immer weiter Richtung „warme Temperaturen“ zu fahren. Nach Locarno fuhren wir ausschließlich über Dörfer, nicht über die Autobahn, um die Gegend noch besser kennenzulernen. Am Laggo Maggiore angekommen erkundeten wir gegen Mittag die Stadt und gönnten uns das erste Eis der Saison am Seeufer.

Später machten wir uns auf den Weg zum Campingplatz Melezza. Es ist wirklich ein netter und gemütlicher kleiner Campingplatz, aber voller Tatendrang die Gegend noch weiter zu erkunden, machten wir uns erneut auf den Weg zum nächsten Campingplatz Gordevio. Der Weg dorthin führte vom ersten angefahrenen Campingplatz aus durch sehr schmale Straßen und über Brücken, sodass ich beim fahren ab und an mal kurz die Luft anhalten musste und hoffte nicht auf Gegenverkehr zu stoßen. Es war traumhaft schön, aber nichts für schwache Nerven. Von Locarno aus kommend, ist es jedoch kein Problem. Auf dem Weg zum Campingplatz kommt man an zahlreichen Gumpen und Badeplätzen vorbei. Es lohnt sich hier und da anzuhalten und die Gegend rund um das Wasser zu erkunden wie z.B. an die Maggia-Schlucht. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten. Es verunglücken durch Wasserstrudel und rutschige Steine immer wieder Menschen in dieser Gegend, daher sollte unbedingt auf die Beschilderung geachtet werden. Die Natur ist eben kein Spaßbad.

Der Campingplatz Gordevio ist ein schlichter und sehr gemütlicher Campingplatz am Flussufer. ADAC-Mitglieder bekommen hier einen Rabatt. Man steht auf Wiesenplätzen unter Birkenbäumen und Mischwald. Es befindet sich ein kleiner Pool und ein Supermarkt auf dem Campingplatz. Das Beste sind jedoch die richtig heißen Duschen! Die Zeltplätze sehen ebenfalls sehr gepflegt und schattig aus. Hier wurden am Ostersonntag die bunten Eier versteckt. Zahlreiche Weitwanderer und Kletterer machen hier mit dem Zelt halt. Daher ist es nicht überraschend, dass das Publikum überwiegend dementsprechend jung (25 bis 35 Jahren) ist. Viele waren mit einzigartigen Bullis und sonstigen Gefährten unterwegs. Genau richtig um sich während dem Abendessen ein bisschen umzuschauen. Über Ostern war der Platz relativ leer. Eine Reservierung war nicht notwendig.

Am Spätnachmittag war es noch so warm, dass wir im Fluss ein Bad nehmen konnten (mit anschließender heißer Dusche). Abends leuchteten zahlreiche Lagerfeuer am steinigen Flussufer – der perfekte Ort um Marshmallows und Stockbrot über dem Feuer zu backen. Sollte man kein Treibholz finden, bietet der kleine Campingplatz-Supermarkt auch ein paar Holzscheite zum Verkauf an.

Bitte fällt keine Bäume aus dem benachbarten Wald um ein Feuer zu machen. Feuchtes Holz qualmt eh nur und ihr tut der Natur damit nichts Gutes. Nach der Lagerfeuerromantik kann das Feuer mit dem Flusswasser gelöscht werden. Achtet bitte hier unbedingt auf Funkenflug und genügend Abstand zum Wald. Die Gegend ist im Sommer sehr trocken.


Sonntag: Camping Gordevio – Sabbione – Cascata di Foroglio – Sonogno

Ostersonntag fuhren wir noch ein Stück tiefer in das Tal hinein und kamen nach kurzer Fahrzeit in Sabbione an. Das Dorf ist nur im Sommer bewohnt und bettet sich zwischen vielen großen Felsblöcken. Irgendwie hat der kleine Ort etwas magisches an sich. Vielleicht liegt es an den großen Felsblöcken an denen sich die Häuser und Gärten schmiegen und einen selbst winzig klein aussehen lassen. Es erinnerte mich irgendwie an das Märchen Ronja die Räubertocher. Es lohnt sich hier auszusteigen und einen Spaziergang durch die Steinhäuser zu machen. Danach ging es weiter zum Wasserfall Cascata di Foroglio, welcher nicht weit entfernt vom gleichnamigen Dorf zu finden ist. Auch hier ist es einfach märchenhaft! Die Gegend mit der einzigartigen Bauweise der Häuser sieht einfach komplett anders aus. Nach einer kurzen und sehr einfachen Wanderung kommt man nach dem Spaziergang durch das kleine Dorf dem Wasserfall sehr nahe und hat einen schönen Ausblick auf das Tal. Wer nicht weiter ins nächste Verzascatal fahren möchte, kann auch die restliche Zeit hier verbringen und die weiteren Ausläufe des Tals erkunden. Für uns ging es jedoch gegen Nachmittag hin weiter Richtung Sonogno.

Auf dem Weg dorthin sollte man unbedingt die Augen offen halten. Viele kleine Haltebuchten laden zum anhalten ein. Wir fuhren an der Staumauer Diga di Verzasca vorbei. Dort war es jedoch so voll, dass wir dieses To-Do auf den nächsten Tag verschoben haben. Es bietet sich an das Verzasca-Tal um diese Jahreszeit bereits vormittags aufzusuchen. Am Nachmittag fallen die Schatten der umliegenden Berge ins Tal und es kühlt ab. In Sonogno gibt es einen kleinen Womo-Stellplatz auf dem man offiziell und gegen Bezahlung übernachten kann. Eine gepflegte öffentliche Toilette ist ebenfalls vorhanden.

Abends schlenderten wir noch durch das Dorf. Am Dorfrand liegt halb im Wald versteckt ein ziemlich cooler Spielplatz auf dem sich Kids ziemlich gut austoben können. Umgeben von Lärchen ist es hier bestimmt auch im Herbst wunderschön. Weiter gerade aus jagten wir gegen Abend noch der Sonne hinterher und spazierten zum nächsten Wasserfall Cascata della Froda. Wem das alles zu langweilig ist, der findet in der Gegend auch zahlreiche MTB-Strecken.


Montag: Sonogno – Diga di Verzasca – Lindau

Am nächsten Morgen machten wir uns auf die Heimreise. Wir waren schon relativ früh unterwegs und konnten uns somit bei der Talfahrt auch den Stausee in Ruhe anschauen. Zu dieser Jahreszeit führt der See wenig Wasser und lässt dadurch die Staumauer noch imposanter wirken. Es ist schon verrückt wie sehr wir Menschen die Natur um uns herum gestalten. Zu gerne hätte ich das Tal ohne Staumauer und -see gesehen. Wer noch ein bisschen Action braucht kann sich hier, wie James Bond in Goldeneye, in die Tiefe stürzen. Mir reichte es jedoch schon einfach nur die Staumauer runter zu schauen. Anschließend ging es auf dem direkten Weg zurück nach Lindau.


Ein wunderschöner Roadtrip den man über ein verlängertes Wochenende von Süddeutschland aus machen kann. Daheim oder in Österreich sollte man auf jeden Fall noch tanken, da es in der Schweiz dann doch eine Ecke teurer wird. Eine Vignette für die Schweiz/Österreich wird ebenfalls benötigt.

Rob Heran

Lifestyle Vanlife Vanlife Stories

Rob Heran

So wild wie sein Haar wächst, so wild sieht sein Bus aus und genauso wild fährt er Mountainbike. Wenn jemand Outdoor-Abenteur mit MTB und Vanlife verbinden kann, dann ist das Rob Heran. In verschiedenen Episoden zeigt er in „The Syncronicles“ wie sein Bus zu seinem zu Hause wird und zu seinem Inbegriff für Freiheit.

Die Fotos auf seinem Blog und die Kurzfilme stehen für sich und überzeugen durch eine satte und kräftige Farbwelt, einzigartige Landschaftsbilder, guter Musik und verrückter Ideen. Sebastian Doerk von Infinite Trails begleitete Rob auf seinem Abenteuer und Roadtrips und ist verantwortlich für die wahnsinnig schönen Aufnahmen.

„Syncro“ ist ein VW T3 Allrad-Transporter aus Militärbeständen und kostete Rob nicht nur einiges an Nerven, sondern auch ein bisschen Geld. Jetzt kann man das gute Stück sogar zu einer mobilen Rampe umbauen. Um seinen Kindheitstraum zu verwirklichen, mobilisierte Rob einige seiner Freunde und setzte mit ihnen gemeinsam seine Idee in die Tat um. Abgefahren, was man alles mit so einem Bus machen kann! Mein Bus sieht neben Syncro aus wie ein abgenuckelter Rollator und steht im Vergleich weniger für Abenteuer, sondern eher für eine Seniorenfreizeit. Na herzlichen Dank auch, Rob!

Rob wurde in Prag geboren und zog später mit seiner Familie nach Kempten. Mit acht Jahren verlor er seine Mutter. Danach drehte sich Robs Welt komplett und er kam ins Waisenhaus. Von dort an konzentrierte er sich voll und ganz auf das Biken. Neben der Schule und in den Ferien hatte er zahlreiche Nebenjobs und sparte auf ein Mountainbike. Er trug unter anderem Zeitungen aus, arbeitete im Restaurant seiner Schwester oder im lokalen Fahrradgeschäft, um seinen Traum als Freeride Mountainbiker ein Stückchen näher zu kommen. Mit 15 kaufte er sich sein erstes MTB. Es war ein Mongoose IBOC (International Bicycle Of Champions) Zero SX. Bald darauf tourte Rob jedes Wochenende mit dem Zug samt Bike-Klamotten, Rucksack, Zelt & Co quer durch Deutschland um an Bike-Rennen teilzunehmen.

Es ist abgefahren und berührend wenn man Robs Geschichte hört. Mittlerweile ist er ein alter Hase in der Bikeszene, ziert zahlreiche Bikecover und wird von namenhaften Unternehmen unterstützt. Zudem hat er nicht nur seine Lockenpracht an seinen Nachwuchs weitergegeben, sondern bietet auch Jugend-Bike-Camps für alle Boys und Girls da draußen an und gibt sein Wissen und seine Liebe fürs biken weiter.

Rob und ich lernten uns vor ein paar Jahren auf der Eurobike kennen. Ich freu mich wirklich sehr, dass er mir für ein paar Fragen zur Verfügung stand:

Hattest du jemals einen anderen Berufswunsch? Irgendetwas was nicht mit Biken zu tun hatte?

Rob: „Als Kind wollte ich immer Pilot und Gentleman werden. Das mit dem Gentleman hat mir sicher meine Mama eingetrichtert. Pilot bin ich zwar nicht geworden aber immerhin fliege ich heute auf meinen Bikes durch die Luft.“

Welcher Umbau bzw. welches Feature an deinem Bus wird als nächstes in Angriff genommen, nachdem du dir mit deiner mobilen Rampe deinen Kindheitstraum verwirklicht hast? Oder ist er jetzt komplett so wie du ihn haben wolltest?

Rob: „Tatsächlich bin ich mit den großen Umbauten durch und nun gilt es den Van in unterschiedlichste Gelände auszufahren und das Setup mit der Rampe und die zahlreichen Möglichkeiten damit voll auszukosten. Natürlich bleibt das ständige Schrauben an dem Van nicht aus – auch wenn man meint „fertig“ zu sein. Irgendwie fängt man dann doch wieder von vorne an und überholt wieder die Karosserie, tauscht Bauteile aus oder erneuert das Interieur.“

Während deine Welt auf den Kopf stand, hast du dich auf das Biken konzentriert. Wie schafft man es in so einer Zeit an sich und an seine Träume zu glauben?

Rob: „Es gab für mich ehrlich gesagt gar keine andere Option als genau das zu tun was ich mir erträumte. Ich denke das hat mir meine Mutter in meinen ersten Lebensjahren als auch in der Zeit vor ihrem Tod intensiv mitgegeben, auch wenn ich mich daran explizit nicht erinnern kann. Mir mein Leben so zu gestalten wie ich es mir am schönsten vorstelle war so weit ich denken kann das was mich schon immer pushte und auch bis heute antreibt. Wenn man als 8-Jähriger seine Mutter verliert die gerade mal nur 37 Jahre alt wurde stellt man sich zwangsläufig früh die großen Fragen über den Sinn des Lebens und versucht Antworten zu finden. Ich hatte seitdem das Gefühl, dass ich immer das verfolgen muss was ich mir heute ausmale, denn ob ich morgen noch dazu komme weiß ich nicht und dann würde ich es vielleicht bereuen es nicht versucht zu haben. Ich kompensierte meinen Frust mit Sport und das hat mich von vielem Mist bewahrt und mir eine Richtung im Leben gegeben.“

Geht es mit Syncro eigentlich auch in den Familienurlaub und wie kann man sich das dann vorstellen?

Rob: „Ja, wir sind zusammen dann zu viert im Van unterwegs. Ich bestücke den Van dann mit meinen Mobilen Küchen-Modulen, hab eine Toilette dabei und wir nutzen meinen BikeWash-Kompressor als Not-Dusche oder zum Abspülen. Wir können alle zusammen im Bett im Van schlafen. Wenn wir aber länger irgendwo stehen baue dann auf dem Dach unser Spezial Zelt auf und so haben wir noch mehr Platz. Wir waren so 7 Wochen in Marokko unterwegs, haben die besten Surfspots in Spanien und Portugal gefunden und direkt am Strand vor dem Beachbreak geparkt. Aber wir machen auch immer wieder kleine Mini-Trips in der Umgebung und hier in den Bergen. Sobald wir im Van sind schalten wir alle in Urlaubs- und Abenteuer-Modus um. Für die Kids ist es immer ein riesen Highlight zusammen im Van unterwegs zu sein.“

Du hast auf deinen Trips immer eine abgefahrene gute Kaffeemaschine dabei und bezeichnest dich selbst als Kaffee-Nerd. Wie oft hat sie dir schon das Leben gerettet und gibt es in München vielleicht bald ein Bike-Café mit Fahrrad-Werkstatt?

Rob: „Ja, Kaffee ist irgendwie eine ziemliche Leidenschaft von mir geworden. Ich mag einfach auch die Prozedur der Zubereitung und das ganze Know-How das hinter einer wirklich guten Tasse Kaffee steckt. Das ich so ein Nerd bin spricht sich natürlich herum und so stehen ständig meine ganzen Freunde bei uns auf der Matte um bei Kaffee über Bikes, Vans und Trips zu quatschen. Da mir das daheim tatsächlich etwas zu viel wurde habe ich jetzt ein Showroom und Arbeitsplatz in Haidhausen angemietet wo ich nun meine Werkstatt und meine Kaffeebar eingerichtet habe. Dort habe ich auch Platz um an meinem Van zu schrauben und muss das nicht mehr auf der Straße machen.“

Wie zuverlässig ist dein Bus jetzt? Musstest du z.B. schon mal in der Wüste gerettet werden?

Rob: „Der Van ist relativ zuverlässig. „Relativ“ weil das einfach doch ein altes Auto ist – auch wenn alles erneuert wurde. Der Bus wird von mir auch wirklich vollgepackt und im Gelände heftig beansprucht. Da gehen einfach gewisse Teile kaputt die diesen Lasten nicht standhalten können. Eine Schwachstelle sind die Antriebswellen. Da hat es mir immer wieder welche in Luft aufgelöst und ich musste diese tauschen oder sogar ganz ausbauen. Dank der beiden Differenzial-Sperren geht es dann auch nur mir drei-Rad Antrieb weiter. Da habe ich letztes Jahr in besonders massive investiert und hoffe damit endlich Ruhe zu haben.“

Ist der nächste Roadtrip und das nächste Projekt schon geplant?

Rob: „Es gibt ein paar Destinationen die ich mir gerade genauer anschaue. Momentan würde es mich reizen entweder per Schiff über den Atlantik nach Nordamerika zu fahren oder von hier aus direkt Richtung Balkan durch die Türkei nach Iran. Das wäre sicher auch eine Tolle Orient-Reise bei der es sensationelle Landschaften zum Biken zu erkunden gibt. Ich hoffe, dass mir die politische Lage keinen Strich durch die Rechnung macht.“

Zeichensetzung

Personal

Zeichensetzung

Ich wohne in einer Zweizimmerwohnung auf dem Land. In meiner Küche stehen zahlreiche Haushaltsgeräte. Darunter eine Rührmaschine, eine Nudelmaschine, eine Kaffemaschine und wenn man so will eine Mixermaschine. Ich bin nur haarscharf um einen Thermomix herumgekommen. Es muss wohl an meiner Vorliebe für große Portionen liegen, dass ich mit so einem Gerät nichts anfangen kann.

Vor einem Jahr ist mir eine Katze zugelaufen. Eigentlich wollte ich ja einen Hund, aber man nimmt was man kriegt. Ich bezeichne sie liebevoll als Straßenkätzchen. Oder Fritzchen. Oder Flundicat, weil sie sich manchmal so flach wie eine Flunder auf den Boden legt. Oder auch mal als Exorzistencat, wenn sie nicht bekommt was sie will und sich wie eine Irre unter meinem Bett von Latte zu Latte hangelt. Seit Weihnachten bin ich zudem stolze Besitzerin von Kobi, einem Staubsaugerroboter. Ich denke meine Eltern haben sich von den Katzenvideos, die in denen Katzen auf einem Staubsaugerroboter sitzen und lustig durch die Gegend fahren, inspirieren lassen. Ich habe eine Fußbodenheizung im Bad und eine Terrasse mit einem wunderschönen kleinen Garten. Manchmal huscht ein Eichhörnchen von Ast zu Ast und wäre das nicht schon idyllisch genug, läuft auch noch ein kleiner Bach am Ende des Gartens von rechts nach links. Hach.

Ich habe Freunde, mit denen ich mich am Sommer am See verabrede und ein kühles Seeradler trinke. Ich habe einen guten Job und stehe hinter der Philosophie des Unternehmens. Ich bin intrinsisch motiviert. Ich habe eine glückliche Beziehung, bin frisch verliebt. Am Wochenende fahren wir mit dem Bus raus und genießen die Natur.

Mir geht es gut.

Doch das ist es nicht, was mich zum grübeln bringt, ob ich so wie ich jetzt lebe richtig ist. Ob das Leben so wie es jetzt ist richtig ist. Ich weiss, dass immer wenn ich etwas wohlüberlegt getan habe und voll und ganz hinter einer Sache stand, mich voll und ganz auf etwas konzentriert habe, es bis jetzt auch immer funktioniert hat. Das Leben funktioniert hat, wenn ich auf mich gehört habe.

Vielleicht verfasse ich aus dem gleichen Grund die Rohfassung dieses Textes auf einer alten Schreibmaschine. Für unschlagbare 15EUR habe ich die Royal Royalite von 1955 auf einem Flohmarkt erstanden. Oder der Grund dafür, dass ich noch ein altes grünes Posttelefon mit Wählscheibe besitze. Falls ihr schlecht hört, zukünftig schlecht hören möchtet oder nochmal den Nervenkitzel erleben möchtet nicht zu wissen wer anruft, dann kauft euch dieses Telefon.

Manchmal zermartere ich mir regelrecht den Kopf. Über das Leben und seinen Sinn. Ich lese Bücher wie „Das Café am Rande der Welt“, „The Big Five for Life“, „The Happiness Project oder „Saltwater Buddah“. In der Hoffnung einen Satz zu finden der mich dazu bringt mutig zu sein etwas Neues anzufangen. Man wartet verzweifelt auf ein Zeichen. Aber was ist wenn es kein Zeichen gibt? Wenn man vergeblich auf ein Zeichen wartet? Man sollte sein Leben von keinem Zeichen abhängig machen, sondern sich selbst ein Zeichen setzen, selbst das Zeichen sein.

Warum tun wir uns manchmal so schwer damit etwas Neues zu wagen? Ist es einfach nur die Angst die Sicherheit zu verlieren? Angst davor auch mal zu versagen? Etwas nicht mehr zu haben oder nicht mehr zurückzubekommen? Wenn wir diese Unsicherheit bzw. diesen Wunsch nach Sicherheit nicht überwinden, dann werden wir auch nie erfahren was uns widerfahren könnte, wenn wir mutig genug sind an uns zu glauben.

Ich denke viele würden die Sätze oben als Sinnkrise bezeichnen oder denken sich „so einfach ist das aber alles nicht“. Worum geht es im Leben denn eigentlich? Vielleicht ein Stück weit darum an seine Träume zu glauben, an sich zu glauben, Dinge zu wagen, Dinge auszuprobieren, sich auszuprobieren und den Mut zu haben damit auch mal vollgas auf die Nase zu fallen.

Als Kind war es uns erlaubt zu fallen. Es war uns erlaubt blutige Knie zu haben. Es war erwünscht, dass wenn wir hinfallen wieder aufstehen und weiterlaufen. Wenn man etwas lernt oder etwas Neues wagt, dann fällt man eben auch mal hin. In der Gesellschaft ist Versagen als Erwachsener jedoch nicht wirklich anerkannt. Fallen ist nicht erlaubt und einen Anzugträger mit blutigen, aufgeschürften Knien oder Grasflecken auf der Hose hat noch keiner gesehen. So versanden vermutlich Jahr für Jahr ein paar richtig gute Ideen von unseren Mitmenschen im Sand und um uns wird es still. In unseren Köpfen werden die Gedanken leiser, bis wir nur noch das zirpen der Grillen hören.

Ich möchte hier keinen motivieren seinen Job hinzuschmeißen und Hals über Kopf am anderen Ende der Welt eine Currywurstbude zu eröffnen. Sollte es jedoch die beste Currywurst der Welt sein, dann solltest du dir das nochmal verdammt gut überlegen und durchrechnen.

Häufig werden diese Gedankengänge unter Generation-Y (geboren zwischen 1980 und 1990) abgelegt. Schwärmen nicht insgeheim alle Generationen davon eigenen Ideen nachzugehen? Ist die Generation-Y eine Generation, welche die großen Fragen des Lebens wieder aufgreift und laut denkend und kritisch hinterfragt? Ich hoffe nicht. Also wenn das wirklich so sein sollte, dann wurde es auch an der Zeit, dass solch eine Generation den Erdball betritt.

Eigentlich ist es auch egal welche Generation was über die andere denkt. Ich denke wenn man von sich sagen kann, dass man seinen eigenen Weg, seine eigene Art und Weise zu leben gefunden hat, kann man verdammt stolz auf sich sein. Denn im Endeffekt geht es doch darum ehrlich mit sich und seinen Umfeld zu sein und annähernd herauszufinden was das Ganze hier überhaupt soll.

Für manche mag das jetzt hoffnungslos romantisch klingen, gar verrückt und für manche ist es vielleicht auch ein wenig inspirierend.

Heimreise – Auf acht Rädern durch Deutschland

Lifestyle Vanlife Vanlife Stories

Heimreise – Auf acht Rädern durch Deutschland

*Anzeige (unbezahlt)

Frank und Mathis haben es sich zur Aufgabe gemacht, den ersten deutschen Vanlife-Film „Heimreise“ zu produzieren. Anfang April haben sich die beiden Freunde auf den Weg gemacht, um ihr Heimatland zu erkunden. Ihr Roadtrip startete im wunderschönen Schwarzwald. Zwei Monate möchten die beiden nun unterwegs sein. Immer auf der Suche nach tollen Plätzen und einzigartigen Erlebnissen. Einen kleinen Einblick über ihr Filmprojekt und was man mit Schwimmtieren sonst noch so alles machen kann, bekommt ihr im nachfolgenden Trailer zu sehen.

Zwei Männer auf acht Rädern? Haben die beiden wirklich so einen großen „Kleiderschrank“ oder machen sie sich einfach nur ziemlich breit im Bett? Da musste ich genauer nachfragen!

Oben habe ich die Frage bereits angedeutet. Wie kommt es, dass ihr gleich mit zwei Bussen unterwegs seid?

Frank: „Wir beide haben sehr viel Liebe und Arbeit in die Busse gesteckt. Unser jetziger Trip ist sozusagen unsere Belohnung dafür. Es ist auch einfach komfortabler und man hat auch mal seine Privatsphäre.“

Mathis: „Die Busse sind natürlich auch auf die Bedürfnisse von uns zugeschnitten. Jeder hat seine Vorlieben und seine Details die er gerne verwendet und deswegen macht es einfach Sinn, dass jeder mit seinem Bus unterwegs ist.“

Das schöne an Roadtrips ist ja auch, dass man wieder Zeit hat sich richtig ausgiebig über Gott und die Welt zu unterhalten. Vermisst ihr die Kommunikation untereinander, wenn ihr lange unterwegs seid oder klingelt ihr dann einfach beim anderen durch?

Frank: „Dem Problem sind wir ganz clever aus dem Weg gegangen. Wir haben Walkie Talkies dabei, die eigentlich ununterbrochen an sind. Diese nutzen wir um uns abzustimmen wo wir hinfahren und auch um während der Fahrt zu quatschen. Die Walkie Talkies haben sich auch beim filmen bewährt, wenn man sagen wann es los geht, wo fahren wir hin etc.“

Mathis: „Oder wenn einer die Drohne hochsetzt und abgestimmt werden muss wann wir aus dem Bild rausfahren müssen oder nicht. Wir fahren eigentlich gar nicht so viel jeden Tag. Ich denke, dass wir bis jetzt im Durchschnitt eine Stunde pro Tag gefahren sind. Ansonsten sehen wir uns wenn wir essen und treffen uns uns entweder bei mir oder bei Frank im Bus.“

Die meisten Menschen zieht es in ferne Länder. Ihr startet gleich vor der Haustüre. Wart ihr euch über euer „Roadtrip-Land“ gleich einig? Stand noch eine anderes Reiseland zur Auswahl?

Frank: „Das ist eigentlich die Grundessenz warum wir die Reise durch Deutschland machen. Wir haben uns auf die Platte geschrieben, dass wir unser Heimatland besser kennenlernen wollen, weil wir festgestellt haben, dass wir unser eigenes Land nicht so richtig kennen. Deswegen wollen wir auch Orte bereisen, die man noch nicht gut kennt. Das heißt Insidertipps, spannende Projekte und Personen besuchen, von denen man noch nicht viel gehört hat. Bis dato klappt das echt super.“

Mathis: „Wenn man darüber nachdenkt in den Urlaub zu fahren, ist es bei den meisten Menschen einfach direkt mit der Annahme verbunden „Ok, wir fahren jetzt in ein anderes Land. Lass uns nach Italien oder Frankreich fahren“. Dann haben wir uns die Frage gestellt, wieso das eigentlich so ist? Man kann ja auch Urlaub vor der eigenen Haustüre machen, sogar wenn es längere Trips sind. Jetzt haben wir uns zwei Monate Zeit genommen nur durch Deutschland zu fahren und hier die interessantesten Orte zu finden, interessante Lokalgeschichten und allgemein einfach Plätze, wo man denkt „Ok, krass das gibt es in Deutschland?!“ und so möchten wir auch ein paar Leute dazu anregen das Gleiche zu tun.“

Wie lange seid ihr unterwegs und wie viele Stationen habt ihr eingeplant? Oder macht ihr das spontan?

Frank: „Wie Mathis eben schon erwähnt hat, haben wir insgesamt zwei Monate Zeit um die Reise zu machen. Zum Teil reisen wir spontan und teilweise sind die Stationen schon vorgeplant. Wenn wir Termine an speziellen Locations haben und Interviews durchführen, dann ist das vorab geplant und dann haben wir dafür auch einen fixen Zeitplan. Dazwischen haben wir immer drei bis vier Tage in denen wir Free-Flow-mäßig unterwegs sind und Orte selbst erkunden.“

Mathis: „Viele Sachen kann man auf so einer Reise auch gar nicht planen und das ist auch schon ziemlich oft vorgekommen, dass wir irgendwo lang gefahren sind und z.B. einen coolen Turm oder eine Burg gesehen haben und uns dachten „Hey, lass kurz hier anhalten, da mal vorbeifahren und gucken was es da so gibt.“ Das ist auch der große Vorteil, wenn man jeden Tag nur kurze Strecken fährt. Dann kann man auf so etwas eingehen und genau das ist es, was einem ein Bus auch ermöglicht, dass man spontan auf solche Situationen reagieren kann.“

Was ist euer Lieblingsessen im Bus? Gibt es etwas das ihr besonders gerne unterwegs kocht?

Frank: „Das ist schwer. Wir essen eigentlich ganz unterschiedliche Sachen, aber das Lieblingsessen war bis jetzt Wraps. Wraps mit Fleisch, Gemüse und Frischkäse zum Beispiel, zusammengerollt – ready to go!“

Mathis: „Wraps sind auch voll schnell gemacht und man kann sie auch gut als Teller verwenden.“

Frank: „..und man muss nicht so viel abspülen.“

Wann und wo kann man „Heimreise“ anschauen?

Frank: „Wir haben vor im Juli einen Trailer zu schneiden und zu veröffentlichen. Zeitgleich ist es geplant mit Crowdfunding zu starten. Dort kann man den Film dann vorbestellen. Wir werden verschiedene Pakete anbieten. Angefangen vom Download über DVD bis hin zu kleinen Merchandise-Artikeln. Der Filmstart wird im Spätsommer sein und wird über Crowdfunding bekannt gegeben.“

Dieser Gegenstand darf in keinen Bus fehlen:

Frank: „Also ich würde jetzt mal ganz spontan sagen eine Schaufel, weil wir eben bei Sankt Peter-Ording am Strand standen und uns übelst festgefahren haben und uns freischaufeln mussten.“

Mathis: „Allgemein kann man so eine Schaufel auch für ganz viele andere Dinge verwenden. Vor allem wenn man keine eigene Toilette im Bus hat. Diese Frage wird mir tatsächlich auch oft gestellt und prinzipiell ist das eigentlich gar kein Problem, aber dafür braucht man natürlich eine Schaufel. Und sonst… eine Standheizung, aber das ist auch schon ein Luxusartikel.“

Frank: „Also, das „Must-have“ ist die Schaufel und das „Kann-und-Geil“ ist die Standheizung.“