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November

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November

Wenn ich mir die Bilder von meiner Reise durch Skandinavien anschaue, dann fühlt sich die Reise ziemlich unwirklich und ziemlich weit weg an.  Bin ich es wirklich, die dieses Jahr gekündigt hat und in die große weite Welt aufgebrochen ist? Habe ich mich das wirklich getraut? Was mir im Vorfeld bzw. währenddessen gar nicht mutig vorgekommen ist, kommt mir jetzt um so mutiger vor.

Es fühlt sich fast so an, als ob nicht ich es war die auf die Reise gegangen ist, sondern ein bisschen so als ob man darüber einen Film im Kino angeschaut hat. Seit Ende August bin ich nun wieder im Lande, fast drei Monate war ich unterwegs und fast drei Monate bin ich wieder zu Hause und im Nachhinein frage ich mich wo die Zeit eigentlich geblieben ist.  

Die letzten zwei Monate habe ich mich ein wenig zurückgezogen um wirklich auch mal daheim richtig anzukommen, bzw. in meiner neuer Heimat in Österreich. Ja, ich bin jetzt sozusagen ausgewandert und bin einmal quer über den Bodensee in Richtung Berge geschwommen. Man würde es zwar nicht meinen, da es ja eigentlich nur einen Katzensprung von der alten Heimat entfernt ist, aber immer wieder stolpere ich im Alltag über Begriffe und Situationen, die mir wirklich neu sind und dann fühle mich tatsächlich wie im Ausland. Wenn  der Tesafilm plötzlich Tixo heißt oder die Wurst an der Theke nicht in Gramm sondern in Deka angegeben wird. Wenn ich sage, dass ich mich zum Handkoffer mache und keiner drauf reagiert und ich merke, dass man diesen Spruch noch nicht mal googlen kann oder das Schulsystem ein ganz anderes ist, dann ja dann, fühlt sich das eigentlich so vertraute Österreich schon nach der anderen Seite des Bodensees an.

Gestern waren wir auf dem Weihnachtmarkt in Lindau auf der Insel. Neben dem in Bad Hindelang ist es wohl einer der schönsten Weihnachtsmärkte auf der großen weiten Welt. Direkt im Hafen, am Wasser auf einer Insel, kann es etwas Schöneres geben? Vor allem wenn auf der gegenüberliegenden Seite die Lichter der Häuser wie kleine Glühwürmchen besinnlich flackern und einem die kühle Seeluft in die Lunge strömt. Wenn man zum beleuchteten Löwenturm im Hafen läuft, dann denk ich mir immer was wir für eine schöne Welt direkt vor der Haustüre haben und bin dann nicht nur von der Weihnachtsstimmung am See ganz verzaubert!

Ich genieße den zweiten Teil meiner Auszeit zu Hause sehr. Ich muss nicht immer unterwegs sein um bei mir selbst anzukommen. Die Familie, Freunde und die Gegend in der Heimat zu genießen und zu erkunden ist ebenso spannend und großartig wie unterwegs zu sein.

Die letzte Zeit habe ich mich um meinen Umzug gekümmert,  mal wieder bin ich Reisende auf eine andere Art und Weise und habe Kisten gepackt, die Kisten von meinem Freund gepackt und noch mehr Kisten gepackt. Wehmütig habe ich meine alte Wohnung geputzt und geschrubbt und mir dabei nochmal alle Gedanken die man sich so macht durch den Kopf gehen lassen. Jetzt bin ich hier doch tatsächlich ausgezogen, dachte ich mir. Was ich mir den ganzen Sommer noch als Homebase aufgehoben habe, um wieder irgendwo anzukommen, habe ich frohen Herzes abgegeben um mit meinem Freund zusammenzuziehen. Dennoch hab ich dieses kleine Dorf unheimlich in mein Herz geschlossen. Meinen kleinen Garten mit meinem kleinen Bach in den ich mich so gerne nach der Arbeit hineingestellt habe um abzuschalten wird bald jemand anderen erfrischen. Hier ist mir meine Katze zugelaufen, hier habe ich Freunde aufgenommen, wenn sie meine Hilfe brauchten, hier habe ich gelacht und geweint und jetzt wird die Wohnung bald neue Menschenluft schnuppern und beherbergen und es werden neue Geschichten entstehen.

Zwischendurch bin ich mit meinen besten Freunden nach Amsterdam gereist und gemeinsam haben wir dort einen Kurzurlaub auf einem Hausboot gemacht, uns Windmühlen angeschaut, lange Gespräche geführt und noch längere Gespräche geführt, getrunken, gelacht und Waffeln gegessen. Währenddessen erinnert man sich immer an die „gute alte Zeit“ von „damals“ und nimmt sich vor solche Unternehmungen wieder öfter zu machen, denn mit niemand anderen kann man so gut Burger in der Stadt essen, shoppen gehen, sinnlose Souvenirs kaufen, Enten füttern oder Musik machen obwohl man gar kein Instrument spielen kann, als mit guten Freunden.

Meine Kreativität, die in Skandinavien irgendwie in den Sommerwinterschlaf verfallen ist, ist auch wieder neu aufgeblüht. Erinnert ihr euch noch an Sabrina? Von ihr habe ich hier schon mal erzählt. Wir haben uns getroffen und ein kleines neues tolles Projekt. Gemeinsam haben wir nach langer Zeit nochmal gemeinsam ein Styled-Fotoshooting auf die Beine gestellt und uns in einer Märchenwelt in einem Wintergarten in Bad Wörishofen verloren. Bei dem ganzen Gedankenzirkus den man sich über das Leben und einen neuen Job macht, sagte sie etwas was sich tief in mein Hirnchen eingebrannt hat: „Manchmal muss der Job auch einfach dich finden“. Was sich vielleicht ein wenig hoffnungslos nach Hippie anhört, macht für mich gerade ziemlich Sinn. Offen dem Universum entgegen, lautet gerade meine Taktik. Ich nehme mir gerade den Freiraum kreativ zu sein und schreibe an meinem Buch „Goldfisch gelb“, habe Ideen für ein Malbuch und entwickle gerade Templates für einen Hochzeitskalender. Zwischendrin schiebe ich Kisten hin und her und dann fällt mir wieder ein, dass es Road Story auch noch gibt.

Vielleicht lasse ich auch selten von mir hören, weil es mir gerade gut geht, weil meine Gedanken gerade geordnet und sortiert sind und ich das Schreiben ja auch oft für mich und meinen Kopf nutze. Manchmal ist es noch befremdlich für mich zu sagen, dass ich mir eine Auszeit genommen habe. Die Blicke vom Gegenüber auf diese Aussage sprechen manchmal für sich oder man interpretiert einfach selbst zu viel hinein. Es sind oft die Grenzen die man sich selbst im Kopf zieht und regelmäßig drüber stolpert.

Auch wenn es vielleicht noch ein wenig früh für einen Jahresrückblick ist finde ich, dass dieses Jahr ein ziemlich großartiges Jahr war. Ich habe mich selbst überrascht und bin losgezogen, hatte eine tolle Zeit mit meinem Partner und meinen Eltern und alleine hoch oben im magischen Norden, ich bin nach Hause gekommen und hab auch daheim mein Leben sortiert und aufgeräumt, ziehe um, freue mich aufs neue Häuschen mit dem neuen Mammutbaum im Garten, die Kreativität fließt, ich bin reflektiert und freue mich noch immer auf das was kommt.

Zurück daheim

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Zurück daheim

Am siebten Juni hatte ich meinen letzten Arbeitstag. Gleich einen Tag später machten Martin und ich uns auf den Weg durch Deutschland, Dänemark und Schweden, um nach Norwegen zu reisen. In Summe war ich 2,5 Monate unterwegs. Zu Beginn mit Martin und zwischendrin kamen mich meine Eltern einzeln auf meiner Reise besuchen. Ich habe mit ihnen zuvor noch nie alleine Urlaub gemacht. Ab und zu verbrachten meine Mutter, meine Schwester und ich ein gemeinsames langes Wochenende miteinander, aber zu zweit bzw. mit nur einem Elternteil war ich höchstens mal am Wochenende alleine daheim.

Für ein paar von euch mag sich das jetzt vielleicht ein wenig ungewohnt anhören. Vielen denen ich davon erzählt habe sagten mir, dass sie es keine Woche mit den Eltern im Urlaub aushalten würden. Ehrlich gesagt, war ich auch sehr gespannt auf die Zeit und bin wirklich überrascht wie schön und entspannt diese Zeit zusammen doch war. Als Erwachsener alleine mit nur einem Elternteil zu verreisen ist nochmal ein ganz anderes Erlebnis, als die gemeinsamen Campingurlaube oder Mädelswochenenden zuvor. Wir haben viele gute Gespräche geführt, die man ab zwei Personen aufwärts sonst so nicht hätte führen können und wir in dieser Intensität auch noch nicht geführt haben. Es war eine tolle und einmalige Zeit, ich habe ehrlich gesagt viel über meine Eltern und vor allem auch über mich gelernt. Ich kann es nur jedem ans Herz legen hin und wieder auch seine Abenteuer mit seinen Eltern zu teilen solange man das noch gemeinsam machen kann.

Eigentlich habe ich wirklich gedacht, dass ich auf der Reise durch Skandinavien viel mehr Zeit zum schreiben habe. Vielleicht hatte ich diese hier und da sogar auch, aber ich fand es einfach großartig nur in seiner eigenen kleinen Welt bzw. Bus zu leben und diese Reise zu genießen. Dafür habe ich es tatsächlich geschafft ein paar Seiten meiner Buchidee auf digitales Papier zu bringen. Wer weiß ob es jemals fertig wird, aber alleine schon ein paar Seiten davon geschrieben zu haben, fühlt sich richtig gut an.

Auch wenn sich das jetzt ein wenig nach Luxusproblemchen anhören mag, aber alleine zu reisen kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Dabei ist es nicht das alleinige fahren was das Ganze manchmal so anstrengend macht, sondern dass man alle Entscheidungen alleine treffen muss/darf. Was esse ich, was mache ich heute, wo schlafe ich und kann ich dort auch als Frau alleine stehen? Wo finde ich eine passable Waschmaschine und reichen die Sonnenstunden heute um meine Unterwäsche trocken zu bekommen? Wie komme ich hier in der Pampa jetzt noch an 10SEK um zu duschen, wenn ich doch sonst jeden Krümel mit der Kreditkarte zahlen kann? Ja, es hört sich ein wenig nach Mittelalter an. Bei langen Reisen mit dem Bus stellt der Alltag einen schon vor so manche Herausforderung. Es gibt immer etwas zu tun. Man kramt sich vor allem im Bus dumm und dämlich und muss das auch einfach mögen. Baut man das Bett zu früh um, kommt man nicht mehr an die Kekse im unteren Regal. Vergisst man seine frische Unterhose aus der Wäscheschublade aus dem Kofferraum zu nehmen, darf man vielleicht nochmal im Regen raus. Die selbstverständlichen Gegebenheiten einer Wohnung weiß man nach so einer Reise wirklich wieder richtig zu schätzen. Die Freude auf die eigene Dusche, WC und Waschmaschine ist groß – vor allem das alles in 10m Entfernung zu haben.

Ich bin in den letzten Monaten insgesamt 11.184 Kilometer gefahren. Diese Zahl werde ich wohl nicht so schnell vergessen. Noch nie zuvor ist mein Trip-Kilometer-Zähler im Bus nach dem 9.999sten Kilometer wieder zurück auf Null gesprungen.

Ich habe unzählige Wälder, Seen und Wasserfälle gesehen, durfte die schönsten Gletscher der Welt anschauen, weiß wie es jetzt ist mitten in der Pampa einen Platten zu haben bzw. gleich vier neue Reifen zu brauchen und dass es immer und immer weitergeht – auch wenn es zuerst nicht danach ausschaut. Mir liefen unzählige Rentiere über den Weg, ich durfte in fremde Kulturen eintauchen, Ruhe genießen, Seeadler beobachten, im Fjord baden, habe „Schwedenrot“ bzw. Falunrot in Falun gekauft und mich durch alle Städte die auf meinem Weg lagen gefahren, sondern habe auch kulinarisch durch sie gefuttert.

Diesen Text hier verfasste ich bereits im Store Mosse Nationalpark in Schweden auf einem Wanderparkplatz. Daheim lag gefühlt einen Steinwurf entfernt und ich hatte einfach das Bedürfnis mich auf die Heimreise zu begeben. Was jetzt kommt ist allerdings noch offen. Ich habe mir auf meiner Reise so viele Gedanken gemacht, dass ich meine anfänglichen relativ klaren Gedanken in meinem Kopf nochmal unbefangen und zurück ins Ideen-Meer geworfen habe. Aber ich bin gespannt und halte euch auf dem laufenden. Ich genieße jetzt erst mal den Luxus eines eigenen und nach persönlichen Standard hygienisch reinen Badezimmer, freue mich darauf nicht schon für meinen ersten Kaffee eine Yogastunde absolvieren zu müssen, genieße den Duft von frisch gewaschener Wäsche und freue mich darauf einfach mal nicht im Auto zu sitzen. Obwohl die frische Luft, das schreien der Mövchen, das rauschen der Wasserfälle (was sich ziemlich oft auch mal nach stark befahrener Autobahn anhören kann) und mir dicke buttertriefende Zimtschnecken jetzt schon etwas fehlen!

Was ich gelernt habe

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Was ich gelernt habe

Nach sechs Wochen im Bus und auf Reisen, hat man reichlich Zeit sich über alle möglichen Sachen Gedanken zu machen. Damit ich all die Dinge die ich gelernt habe oder mir wichtig sind nicht vergesse, habe ich mich vor ein paar Tagen an einen super schönen alten Tisch am See in Nord-Schweden gesetzt und angefangen alles aufzuschreiben. Ruckzuck waren drei Seiten gefüllt. Nachdem ich euch davon auf Instagram erzählt habe, kam die Bitte die Liste mit euch zu teilen. So, nun habt ihr den Salat. Ein paar Punkte scheinen mir etwas kitschig im Nachhinein, aber hej so ist das Leben.

  • …das ich nicht viel brauche
  • …man nie alleine sein muss, wenn man nicht möchte
  • …ich mich auf zu Hause freue
  • …und dort den besten Freund, Familie & Freunde habe
  • …es in Norwegen eindeutig die weltbesten Zimtschnecken gibt
  • …ich Kälte auch im Sommer mag
  • …und es nach der Kälte umso schöner ist Barfuss zu laufen
  • …es unendliche Wälder gibt
  • …und mindestens genauso viele Seen
  • …angeln 🙂
  • …es in Deutschland nun wirklich das beste Brot gibt
  • …ich 80km/h auf allen Straßen zu fahren super finde
  • …dass ein Elch bis zu 800kg schwer werden kann
  • …die Gelenke von Rentieren knacksen, wenn sie laufen
  • …es unendlich viele Arten von Regen gibt
  • …ich gerne einen Hund als Reisebegleiter hätte
  • …und ich meine Katze ein wenig vermisse
  • …dass ich hin und wieder alleine reisen muss
  • …und es mit Begleitung viel schöner ist
  • …die Reise auch mit 4Platten Reifen weitergeht
  • …man wirklich überall in Norwegen Empfang u. Internet hat
  • …ich gerne den Kungsleden laufen möchte
  • …ich frische Luft liebe
  • …dass Gletschereis blauer als blau ist
  • …dass die Mitternachtssonne ein einmaliges Erlebnis ist
  • …dass man im Wald auch gar nichts hören kann
  • …dass das mit den Mücken in Schweden u. Norwegen halb so wild ist
  • …ein Lächeln und ein „Danke“ in der Landessprache Wunder bewirken können
  • …ich meinen Job loslassen konnte und ich mich nicht darüber identifiziert habe
  • …ich gerade alles richtig mache
  • …ich Riebel liebe!
  • …und alte Badezimmerkacheln auf Campingplätzen
  • …Moos & Baumbärte wunderbar großartig sind
  • …im Bus einfach gar nichts niemals nie trocknen kann
  • …meine Porta Potty „Harry Porter“ Gold wert ist
  • …es auch auf langen Reisen einen Alltag gibt
  • …das ich gerne die richtigen Worte für die Reise und die Natur finden würde
  • …und mir vornehmen möchte Dinge laut aus- und anzusprechen
  • …vor allem die lieben Dinge
  • …dass man 4Tage nur mit Katzenwäsche auskommen kann
  • …dass ich es toll finde im Ausland in Supermärkte zu gehen, nur um zu stöbern
  • …ein Scheuerschwämmchen beim Camping unerlässlich ist
  • …ich alleine für die Art & Weise mein Leben zu gestalten verantwortlich bin
  • …der Trend zum Dritthund geht
  • …Kopenhagen für mich bis jetzt die schönste Stadt ist, in der ich je war
  • …ich Stadtleben max. 3/4 des Tages ertrage
  • …ein Sonnenaufgang und ein Sonnenuntergang gleichzeitig stattfinden kann
  • …ein „Smörgasgurka“-Glas mit vertrockneten Blumen wunderschön sein kann
  • …ich wieder öfters Dreck unter den Fingernägeln und an den Füßen haben möchte
  • …dass das hier ein kleiner Liebesbrief an mich ist
  • …sich Tannenzapfen prima zur Fußmassage eignen
  • …fahr weiter, wenn es kein schöner Platz ist. Der nächste kommt.
  • …und man es so mit allem im Leben machen sollte
Die Sache mit dem Internet

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Die Sache mit dem Internet

2006. Marcel kam auf mich zu und fragte mich, ob ich eine Art Kolumne für seinen damaligen Blog „Tokyopunk“ schreiben möchte. Das Thema durfte ich mir aussuchen. Ich glaube mein allererster Text den ich „fürs Internet“ geschrieben habe, handelte vom kleinen Prinzen und darüber wie er die Welt sah. Ich bin an den Text herangegangen als würde ich einen Aufsatz schreiben, weil ich einfach nicht wusste was freies Schreiben war. In der Schule lernte ich nicht wie man seine Gedanken seiner Umgebung mitteilt, wie man Dinge durch das Schreiben verarbeiten oder den Tag und sich selbst reflektieren kann und das nicht für den Lehrer, sondern für sich selbst zu tun.

Erst nach und nach, war es für mich zu einer Art digitalem Tagebuch geworden. Zu etwas, mit dem ich selbst auch etwas anfangen konnte. Etwas was ich für mich tat. Und damit war ich nicht alleine. „Damals“ so bekloppt sich das auch anhören mag, als es das Wort „Blog“ oder „Influencer“ noch gar nicht gegeben hatte, war ich auf dem besten Weg einer davon zu werden. Und da war nicht nur ich, da waren ganz viele andere ehrliche Schreiberlinge mit großartigen Texten, Meinungen und Ideen da draußen. Marcel und ich trafen zuerst mit Tokyopunk und später mit AMY & PINK den Nerv der Zeit. Den Zeitgeist der digitalen Natives und formten damit ganz unbewusst eine ganze Generation die „erste Blogger“ Generation sozusagen. Abgefahren.

Wir wussten zwar nicht was wir da genau taten, aber wir taten es laut und fanden Gehör. Wir hatten auf ein mal die Möglichkeit uns durch eine neue Art und Weise mitzuteilen. Wir, die sich alleine im Jugendzimmer Gedanken über die Welt gemacht haben und es nicht für möglich hielten, dass es da draußen ganz vielen ähnlich geht. Wir, die nichts voneinander wussten, am anderen Ende von Deutschland oder der Welt saßen. Das was heute so selbstverständlich und normal geworden ist, war für mich damals so besonders. Aus meiner kleinen Blase im Jugendzimmer konnten wir unsere Meinung in die Welt rufen. Und so schrieben wir, wir chatteten, schrieben uns Mails, Nachrichten bei ICQ. Wir kommentierten Texte unbefangen und positiv, ehrlich und tauschten uns einfach aus und das natürlich alles komplett konzentriert und bedacht, denn jede Sekunde kostete Geld.

Das Internet war kein Ort der Angst oder des Mobbings. Mobbing passierte bei uns an der Bushaltestelle. Wir mussten demjenigen noch in die Augen schauen, wenn wir jemanden Banane fanden und damit auch zurechtkommen wenn sich diese mit Tränen füllten. Laptop einfach zuklappen gab es nicht.

Es gab keine Trolle, wir waren ein Team. Ein Team aus vielen jungen Erwachsenen zu denen ich heute noch viele Jahre später Kontakt habe oder sie sogar kennenlernen durfte. Wir inspirierten uns gegenseitig. Keiner von der ersten Blogger Generation, hatte gewusst, welchen Hype das Internet in den nächsten Jahren bekommen würde. Welchen Stellenwert und Einfluss Blogger haben könnten. Das dies der Anfang von einem kompletten Wandel war. Hallo Globalisierung, hallo Remote-Jobs, hallo Internet, Smartphones, Apps & Co. hallo, hallo, hallo!

Es gab noch kein Instagram, noch kein Snapchat, Facebook auch nicht. Wer einigermaßen cool war, hatte myspace – naja für eine Gewisse Zeit oder hat sich mit beepworld und freenet irgendwie seine eigene Internetseite gebastelt. Und heute, möchten Kinder Modeblogger werden wenn sie groß sind oder Youtube-Star, Fashionista, Vlogger, Creator oder was es sonst noch so gibt. Und das ist auch ok. Es ist für alle ok. Du musst kein Superstar, Supermodel oder was weiss ich was sein. Du musst einfach nur etwas zu sagen haben.

Was ist dann passiert? Wir sind erwachsen geworden. Ein Teil dieser Generation hat diesen Aufschwung genutzt und daraus sehr wahrscheinlich sogar unbewusst und ungewollt zu ihrem Job gemacht. Blogs wurden zu Onlinemagazinen, zu Marken. Andere sind wiederum ausgestiegen haben angefangen zu arbeiten, studiert, eine Lehre gemacht. Das was man eben regulär nach der Schule gemacht hat. Das was sich gehört, das was man kannte.

Ehrliche Texte fanden immer weniger Gehör.  Die Authentizität ging verloren. Ich für meinen Teil fand immer weniger Zeit. Aus dem Internet mit Ecken und Kanten sind glattgebügelte Selfies mit Filter geworden. Weitere Hochglanzbilder auf denen alles so gut ausschaut, so perfekt, so glatt, so einfach, so gar nicht realistisch.

Nach und nach haben wir dann dadurch das Internet zu dem werden lassen was es heute ist. Wir haben es zum Teil verkommen lassen, weil die Stimmen die wirklich etwas zu sagen haben leiser wurden oder verloren gingen. Wir haben selbst den Weg frei gemacht für die Trolle da draußen, für Mobbing, für Bananenkommentare die man einfach so irgendwo anonym drunter knallt.

Warum bloggt man eigentlich?

Alle haben das gefragt und eine richtig schlaue Antwort fällt mir leider erst jetzt ein. Es ist eine Art Philosophie, vielleicht auch Kunst. Man beschäftigt sich mit Themen und verpackt diese in einen Text, man bündelt Informationen, stellt sie online und wartet auf eine Reaktion. Darauf, dass man Gehör findet, darauf dass sie einen Teil der Gesellschaft widerspiegeln um eine Art Sprachrohr zu sein für alle die nicht den Mut haben die Dinge zu sagen, die ihre Gedanken nicht aufs Papier bringen können. Es ist wie ein Gespräch mit Freunden oder eine Art Reportage über persönliche Gedankengänge. Eigentlich das, was alle Medien tun. Jeder Film, jede Serie, jeder Artikel in der Zeitung, jedes Buch. Das Denken wird angeregt, eine eigene Meinung entsteht und man wird zum träumen eingeladen, inspiriert, in eine andere Welt entführt, animiert oder einfach nur unterhalten.

Als ich vor ein paar Wochen die About You Awards angeschaut habe, habe ich mich geschämt. Das Internet kann mehr als „Influencer“ erschaffen, die es nicht verstehen, dass sie mit den About You Awards einfach nur auf Dauerwerbesendung geschaltet sind. Aber klar, natürlich ist das sehr verlockend und ich wäre sehr wahrscheinlich selbst auch schwach geworden, damit ich Cro mal über seine Pandanase streicheln kann. Das ein Unternehmen sogenannte Influencer-Awards verleiht, ist bezeichnend für eine Social-Media-Generation die mit Werbung verschmilzt und es noch nicht ein mal mehr mitbekommt. Das Internet hat mehr auf dem Kasten. Es handelt sich hierbei um keine representative Stichprobe und deswegen beschäftigt mich das Thema wohl auch. Nur wer laut ist, viele Follower hat und/oder einen flachen Inhalt, ist nicht automatisch Preisträger. Schon gar nicht unter dem Deckmantel der Konsumgesellschaft eines Online-Versandhandels. Natürlich schreibe ich diese Worte überspitzt und ich hoffe die Meute von Komikerin Enissa irgendwer wird mir nicht auf den Hals gehetzt, aber allein das ist doch schon absoluter Käse, dass es zu so etwas gekommen ist.

Das geschriebene Wort im Internet wurde schon von Anfang an belächelt. Print ist tot, es lebe Print! Blogs sind tot, es lebe der Blog! Es war immer ein blödes gegeneinander, nie ein wirkliches miteinander.

Es sind die leisen Stimmen mit gutem Inhalt, die das Internet verzaubern. Die mit dem langen Atem und ich frage mich wo denn die authentischen jungen Stimmen unserer Generation, unserer vorherigen Generation und unserer nachfolgenden Generation geblieben sind? Die, die außerhalb jeglicher Werbeslogans wirklich etwas zu sagen haben. Manchmal habe ich das Gefühl das Zeitalter des geschriebenen Wortes ist vorbei. Zu groß ist die Versuchung nach schnellen, billigen, leichten „Content“ der über Stories, Vlogs & Co. so dermaßen schnell inhaliert werden kann, als würde man sich eine Line Koks reinziehen und den gleichen Effekt hat es sehr wahrscheinlich auch.

Vielleicht ist es auch das Ergebnis, dass die Menschen die wirklich etwas zu sagen haben Jahre lang hinter jedem Praktikum, Studium und Job hergelaufen sind und das Online-Feld einer anderen Generation überlassen haben. So haben wir uns ein weiters Hochglanzmagazin geschaffen, auf dessen Cover absurde Figuren tanzen, die es so in der Welt vermutlich überwiegend so gar nicht gibt und die authentischen Darsteller sind in der Nebenrolle gelandet. Wir haben Blogger & Co. zu weiteren künstlichen Vorbildern gemacht, die wir so doch gar nicht wollten. Jetzt sehen wir sie nicht nur in Magazinen, sondern wir sehen sie gleich schon in der Früh in den „Stories“ und damit einhergehend wie perfekt sie schon morgens um 6Uhr aussehen.

Das Internet war mal voll von inspirierenden Menschen, echten Menschen da draußen. Was beschäftigt unsere Generation, wo ist der Austausch untereinander. Hilfe! Kann mich jemand hören? Wo sind die echten Instagram-Muttis? Die mit den Depressionen, mit den vollgekotzten Pullovern, mit ihren Ängsten keine gute Mutter zu sein, die mit den Augenringen, mit dem fettigen Ansatz, die mit den dreckigen Fußböden, weil man nicht zum staubsaugen kommt? Die mit den Wohnungen die nicht aussehen wie aus einem skandinavischen Einrichtungsstudio, dort wo nicht alles aufeinander abgestimmt ist, dort wo nicht nur Luxusstrampler liegen? Ich rede hier nicht von #nomakeup ich suche das echte Leben.

Wo sind die echten Modejunkies, die sich nicht in einen Katalog pressen lassen, die ihren eigenen Stil haben? Wo sind die Menschen die auch noch wirklich einen Berg hoch laufen oder auch wirklich draußen zelten und sich nicht nur zurecht gemacht irgendwo hinsetzen um ihr nächstes schönstes Outdoorfoto posten zu können?

Ich bin mir sicher, dass es diese Blogs bzw. Social-Media-Kanäle da draußen noch gibt und zwar reichlich davon. Bitte werdet lauter!

Wann haben wir eigentlich das Internet zu dem gemacht was es heute ist? Wann habe ich das Internet zu dem gemacht was es heute ist.

Durchatmen

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Durchatmen

Am Samstag den 8ten Juni haben wir uns auf die Reise gemacht. Wir starteten an einem unserer absoluten Lieblingsplätze: auf der Insel in Lindau. Am Hauptbahnhof trafen wir uns mit Sabine und Freddy, zwei Mitfahrer die unseren ersten Streckenabschnitt nach Hamburg über Blablacar gefunden haben. Ein super Abenteuer gleich zu Beginn mit vielen guten Gesprächen, ließ uns die lange Autofahrt deutlich kürzer erscheinen.

Sabine, mit ihren fast 50Jahren, die nicht älter wie 40 aussah besuchte ihren Mann hoch oben an der See, da er in einer Werft arbeitet. Eine Hippie-Dame aus vergangenen Tagen die es liebt zu Reisen, ganz nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Freddy mit seinen 23Jahren hatte wohl deutlich mehr Geschichten zu erzählen und Lebenserfahrung als die restlichen drei Mitfahrer zusammen. Geboren in Paraguay kam er später über einen kleinen Umweg durch Italien nach Österreich. Er frisierte, laut seiner eigenen Aussage, alle Prostituierten in Mailand, bevor sie sich auf den Weg in die Arbeit machten. Im Urlaub hat er jemanden kennengelernt, den er jetzt spontan besuchen wollte. Wir waren sozusagen mit dem Amormobil unterwegs. Im Auftrag der Liebe gen Norden!

Auf unserem Weg kamen wir auch in den Stau, den wir gekonnt umfahren wollten. Wir fuhren so wild über Stock und Stein, dass man hätte annehmen können Norwegen liegt bei uns gleich (fast) vor der Haustüre.  Gut, dass unsere Mitfahrer so geduldig mit uns waren.

Die ersten Tage verbrachten wir bei meinem Bruder und seiner Familie in Hamburg. Mit der Familie in den Urlaub zu starten tut immer gut um ein wenig runterzukommen. Wir grillten, spielten mit den Kids, ich baute seit Jahren mal wieder eine Sandburg und wir gingen rutschen. Schnell kann man so durch den komplett anderen Alltag Abstand vom eigenen Leben gewinnen.

An Pfingstmontag ging es weiter nach Dänemark. Kopenhagen war unser nächstes großes Ziel. Am Rande der Stadt, dennoch fußläufig ins Zentrum, fanden wir einen Womo-Parkplatz. Kopenhagen ist wohl einer der schönsten Städte auf diesem Planeten Erde für mich. Eine Stadt die groß ist und dennoch so gemütlich und grün erscheint. So schlenderten wir unbemerkt einfach mal 15km durch die Stadt und verirrten uns dabei natürlich auch auf die Pusher Street, in der ich kurz mal recht orientierungslos dreinblickte, da ich darauf irgendwie nicht gefasst war.  Die Nacht war ruhig, bis uns in der Früh ein leichtes Gewitter, gefolgt vom Flugverkehr weckte.

Den darauffolgenden Tag verbrachten wir größtenteils im Auto und fuhren durch Schweden nach Norwegen. Konstant regnete es fast die komplette Autofahrt, also nutzten wir einfach die Gelegenheit um Strecke zu machen. 50km vor Oslo machten wir dann in Drobak halt, einer kleinen Stadt gleich am Fjord gelegen.  Wir schlenderten Abends durch die Stadt und erkundeten alle norwegischen Lebensmittel & Co. ausgiebig im Supermarkt. In jedem Reiseführer steht ja geschrieben, dass Lebensmittel so teuer seien, vor allem Alkohol und das mit einem Schnäpschen oder Bierchen aus der Heimat schon so manche Freundschaft begossen wurde. So packten auch wir einen Obstler ein. Nach der ausgiebigen Preisanalyse im Supermarkt würde ich jedoch jedem empfehlen sich mit Schokolade einzudecken. Diese ist nämlich ebenfalls, im Verhältnis zu Preisen in Deutschland, teuer hier oben.  Unser Stellplatz für die Nacht lag gleich am Hafen mit Blick auf zahlreiche kleine Boote. Möwen quietschten im vorbeifliegen und das Wasser schlug im Takt der Wellen gegen das Holz der Boote. Fast schon etwas kitschig und zu schön um wahr zu sein.

Heute ging es dann weiter von Dobrak nach Oslo. Unser zweiter Städtetrip lag also vor uns. Oslo hat es in meinem Städteranking ganz schön schwer, nachdem ich auf den Geschmack von Kopenhagen gekommen bin. Trotzdem ist es eine sehr schöne und vor allem facettenreiche Stadt auch wenn es verdammt kalt und windig war.

Mittags ging es dann weiter Richtung Bergen, jedoch nicht auf direktem Wege. Wir fuhren zuerst auf der E16 und später auf der E7, bis wir in Nesbyen kurzerhand auf die 214 Richtung Geilo aufbrachen. Eine wirklich wunderschöne Strecke vorbei an vielen kleinen Seen. In Tunhovd fanden wir einen kleinen Campingplatz auf den wir jetzt stehen. Fußläufig vom Campingplatz erreicht man den Tunhovdfjorden an dem wir heute vergebens versucht haben einen Fisch zu fangen und das muss man erst mal in Norwegen schaffen. Zu unserer Verteidigung ist jedoch zu sagen, dass es leicht geregnet hat und wir, trotz unserer spontan „ausgeliehenen“ kleinen Nussschale mit nur einem Paddel nicht wirklich gegen den Wind anpaddeln konnten um weit auf den See hinauszukommen. So hab ich mir Norwegen vorgestellt. Viel wilde Natur, unzählige Seen und Einsamkeit. Man fühlt sich hier tatsächlich etwas freier, so alleine.

Es ist einfach verdammt ruhig hier oben und das genieße ich gerade wirklich sehr. Selbst das „schlechte“ Wetter ist super, es macht irgendwie den Kopf frei. Die Natur mit den ganzen Kiefernwäldern und Flechten und Moosen sieht auch komplett anders aus. Wir stehen hier alleine auf dem Campingplatz und man könnte meinen uns gehört gerade die komplette Welt. Eigentlich wollte ich ja mehr von mir hören lassen, mehr schreiben und auch mal die ein oder andere Situation auf Instagram mit euch teilen, aber es ist gerade so schön ruhig und es gibt immer etwas zu tun, dass ich das gerade komplett genieße und alles andere auch mal in den Hintergrund rücken darf.

Durchatmen, den Kopf frei bekommen, so wie ich es mir gewünscht habe. Es ist erstaunlich wie viel man an einem Tag erleben kann wenn man auf Reisen ist, wenn man sich nicht von unwichtigen Dingen wie Handy und Fernsehen ablenken lässt und wie klein manchmal der Alltag daheim sein kann.

Das ging schnell

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Das ging schnell

Wie schnell die Zeit die letzten Wochen vergangen ist und wie viel organisatorisches es einfach noch zu tun gibt, wenn man sich auf Reisen begibt. Ehrlich gesagt habe ich das ein wenig unterschätzt. Die gewohnte „Ich fahr dann mal zwei Wochen in den Urlaub-Reiseplanung“ hat so nicht mehr ganz funktioniert. Nachdem ich in der Arbeit gefühlt relativ zügig alle großen Themen abgearbeitet habe und für meine Nachfolge strukturiert hatte, war es privat genau das Gegenteil. Es gibt einfach immer etwas zu tun und ich habe einfach nur noch zwei Tage. Dann geht’s los.

Irgendwie sollte man sich ja schon so grob die Reiseroute zurechtlegen. Bis zu welchem Ziel fährt man gemeinsam? Ab wann und wo ist man dann alleine unterwegs?  Wie stehts um meine Auslandskrankenversicherung? Was mach ich mit der Straßenkatze? Wie überleben meine Blumen?  Wie schnell ist mein Internet im Ausland und wie teuer ist es? Ich muss meinen Nachbarn noch sagen, dass ich den Sommer über weg bin, einkaufen, Wäsche waschen, Sommerreifen und Lichttest beim Auto sollten auch noch gemacht werden, Beine rasieren wäre auch mal wieder nicht ganz so übel, vielleicht noch schnell hier durchwischen und da den Müll wegbringen. Der alltägliche Wahnsinn eben. Selbst schuld wenn man auch einen Tag nach dem letzten Arbeitstag sich sofort in den Bus setzt und in den Norden aufbricht. Meine private To-Do-Liste füllte und füllte sich die letzten Wochen, sodass für die Schreiberei mal wieder keine Zeit da war. Dabei sollte sich doch genau das jetzt ändern.

Die letzte Woche in der Arbeit fühlt sich ziemlich unwirklich an. Eher so nach „ich mach jetzt mal einen etwas längeren Urlaub“, dass ich aus dem „Urlaub“ nicht mehr zurückkommen werde, wird mir denke ich erst später richtig bewusst. Mittlerweile habe ich mich auch an meine Aussagen gewöhnt, die ich entgegne wenn mich jemand fragt, was ich nach der Reise mache. Am Anfang ist es mir noch sehr schwer gefallen zu sagen, dass ich mir Zeit für mich nehme und es noch offen ist was ich mache, dass ich keinen festen Job habe für danach und erst mal von meinen Rücklagen lebe. Aber es wird tatsächlich einfacher mit der Zeit.

Die Lofoten bzw. Norwegen und Schweden stehen schon ganz lange auf meiner Reiseliste. Ich wollte schon immer mit dem Bus dorthin fahren, jedoch bekommt man die einfache Strecke von ca. 3000km mal nicht eben in einen zweiwöchigen Urlaub unter und so rutschte das begehrte Reiseziel immer weiter nach hinten auf der Liste.

Hier am Bodensee war es die letzten Tage richtig heiß.  Im norden Norwegens sind es gerade gemütliche 5-10Grad. Herrlich! Ich freue mich auf die kühlen Temperaturen, auf die Papageientaucher, Elche, Rentiere, Wale und darauf jeden Tag angeln zu gehen. Letztes Wochenende haben wir uns schon im Angelfachmarkt mit dem richtigen Equipment für norwegische Gewässer ausgestattet. Es war super! Ich liebe solche Geschäfte. Der ganze Laden riecht nach Abenteuer und auch wenn ich wenig Ahnung von der Ausrüstung habe, kann ich mich stundenlang damit beschäftigen. Den Bus haben wir auch neu strukturiert, für eine längere Reise war dies auch mal dringend nötig. Ich bin mir dennoch sicher, dass wir uns erst mal wieder einen Affen suchen werden, egal wie durchdacht das Ganze jetzt ist. Stolz und neugierig bin ich auch auf meinen neuen Omnia-Backofen. Ich hoffe das Teil funktioniert und ich kann hier vielleicht mal ein paar Rezepte veröffentlichen.

Am Samstag geht es los. Dann fahren mein Freund und ich erst mal in den Norden Deutschlands um meinen Bruder und dessen Familie zu besuchen. Danach geht es gleich weiter nach Schweden und Norwegen. Drei Wochen werden wir durch Norwegen bis nach Tromsö fahren. Danach geht es für Martin nach Hause und ich hab ein wenig Zeit für mich, bis dann ein paar Tage später meine Frau Mama besuchen kommt. Ich freu mich schon auf die gemeinsame Zeit, wann macht man so etwas nochmal gemeinsam mit seiner Mama?

Ich bin super gespannt und bekomm zwischendrin Anflüge einer leichten Panikattacke. Es ist schon alles etwas abgefahren. Ehrlich gesagt fehlen mir auch ein bisschen die Worte. Das neue Leben bzw. das neue Lebensgefühl bewusst nicht weiter als die Reise bzw. Auszeit in Angriff zu nehmen, um zu schauen was in stillen Momenten noch alles in einem schlummert, interessiert und entsteht, ist tatsächlich ein abgefahrenes Gefühl für so Struktis wie ich es einer bin. Für Menschen mit aalglatten Lebensläufen, die selbst nach dem Abi oder Studium keine kleine Auszeit genommen haben. Es ist ziemlich ungewohnt, fühlt sich aber auch ziemlich gut an.

Na dann, los geht’s!

Von Drachenkämpfern und Mut

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Von Drachenkämpfern und Mut

Nachdem meine Kündigung im Unternehmen bekannt wurde bin ich zu meinen Eltern in die Heimat gefahren. Meine Katze saß während der Fahrt auf dem Beifahrersitz, in ihrer Transportbox und kuschelte sich wie immer an das Gitter um auch nur annähernd bei mir zu sein. Im Radio lief passend dazu Dramas – Comfort Zone.

Die ganze Fahrt über spielte ich den Tag durch. Es war anstrengender als gedacht, Kollegen die zum Teil Freunde von mir wurden zu sagen, dass ich gehen werde. Ich hatte einen richtig dicken Klos im Hals, dabei hatte ich mich doch so gut geschlagen. Zwei Tage zuvor, als ich es meiner Abteilungsleiterin mitteilte. Konzentriert und vorbereite war ich da. Wochenlang habe ich morgens und abends auf dem Nachhauseweg im Auto die Zeit genutzt und bin das durchgegangen was ich sagen wollte. Wie bei einer Präsentation. Auf die relativ spontane Verkündigung meiner Kündigung  an das gesamte Team war ich jedoch gar nicht mehr vorbereitet und so kullerten die Tränen. Massenweise. Ganz toll gemacht, dachte ich mir. Ich war so ehrlich wie ich konnte, dennoch habe ich das Gefühl, auch wenn mich viele verstehen können, dass das relativ abstrakt ist was ich da mache. Einen guten festen Job kündigen, in dem ich gerne arbeite um etwas Neues zu machen, was aber noch nicht feststeht. Viele bezeichneten es als mutig diesen Schritt zu gehen. Darüber dachte ich während der Autofahrt lange nach.

Was ist Mut? Was ist für mich Mut?

Mutig ist es für mich einen bösen Drachen zu töten um das Dorf vor seinem Niedergang zu bewahren. Mutig ist es für mich sich um kranke Familienmitglieder zu kümmern und seine eigenen Bedürfnisse dafür zurückzustellen, mutig ist es eine Familie zu gründen und für sie da zu sein, mutig ist es jemanden zu lieben und demjenigen das auch zu sagen. Mutig finde ich es seine eigene Meinung zu haben auch wenn man damit vielleicht komplett alleine da draußen in der Welt ist. Mutig ist es gute Dinge zu tun, Menschen zu helfen, sich sozial zu engagieren. All das ist für mich mutig. Ich fand es auf jeden Fall erst mal nicht mutig seinen Job zu kündigen um seinen eigenen Ideen nachzugehen.

Lasst uns das bitte nicht als mutig bezeichnen irgendwo aufzuhören und etwas Neues anzufangen, denn man ist nie zu alt um etwas Neues anzufangen, etwas Neues zu lernen, etwas zu versuchen und zu träumen.

Das Thema lies mich jedoch nicht los und da ich eh ein Fan der Dekonstruktion bin, zerstückelte ich den Begriff „Mut“ in seine Bestandteile und kam zu dieser tollen Seite hier und der Grüffelo hatte sehr weise Worte für mich. Die Initiative „Mut tut gut!“ unterscheidet sechs Arten von Mut: physischer, sozialer, intellektueller, moralischer, emotionaler und spiritueller Mut.

Als ich die Definitionen durchlas merkte ich, dass das was ich hier tat man durchaus als mutig bezeichnen konnte. Ich wurde also recht schnell eines besseren belehrt. Dennoch bleibt für mich der Drachenkämpfer/in auf Platz eins der Mutigen-Rangliste ganz oben bestehen aber wer weiss, vielleicht hatte ich für mich meinen eigenen kleinen Babydrachen gerade bekämpft?

Zu Hause angekommen stellte meine Mutter nach einem kurzen Blick in meine Augen eine Flasche Schnaps auf den Tisch. Alte Pflaume – Rudi hatte den Schnaps meinen Eltern geschenkt als er ein Schwein geschossen hatte. Jetzt trank ich diesen edlen Tropfen um wieder ein bisschen runterzukommen – ekelhaft. Unerklärlich ist es für mich mittlerweile wie ich so was mal gerne am Wochenende getrunken habe. Wird man also wirklich Älter? Ist es das was wir früher nie geglaubt haben? Die alte Pflaume tat ihr Werk und so wurde ich nach und nach immer schläfriger und kuschelte mich auf die Couch, um mit meinen Eltern einen Krimi anzuschauen.

Meine Mutter verriet mir bereits in den ersten fünf Minuten wer der Täter ist und so konnte ich erst recht beruhigt einschlafen. Der Fall war geklärt. Am darauffolgenden Tag traf ich mich mit einer Freundin. Drei Jahre hatten wir uns jetzt schon nicht mehr gesehen. Verrückt wie es dazu kommen konnte.  Doch das Leben dreht sich so schnell, die Jahre verfliegen so rasch, vor allem wenn man durch den Job so eingebunden ist bzw. sich so einbinden lässt.

Drei Stunden quatschen wir beim Brunch über die letzten Jahre. Es war wunderschön. Sabrina ist Hochzeitsfotografin und ihre Freundschaft hat mich nachhaltig geprägt. Sie hat früher in einem ganz anderen Beruf gearbeitet, hat dann hobbymäßig angefangen zu fotografieren und wurde nach und nach immer erfolgreicher. Nach einiger Zeit entschied sie sich dann für die Fotografie und kündigte ihren Job. Mutig, dachte ich mir.  Ha, da war es wieder! Vielleicht ist es auch immer eine Frage der Perspektive. Das was sie macht, macht sie sehr erfolgreich und vor allem echt. Sie ist ehrlich, authentisch und glaubte bereits vor Jahren stärker an meine Ideen und an mich als ich an mich selbst.

Es gibt Menschen und Begegnungen im Leben die passieren denke ich nicht ohne Grund. Und es gibt verschiedene Arten von Menschen die in unser Leben treten. Die, die einen erden, einen fördern oder einen inspirieren. Ja, es gibt auch Menschen mit einer dunkelschwarzen Aura die einen runterziehen und wie eine dicke Regenwolke über den Kopf hängen, dunkelgrau und triefend nass und selbst bei 35Grad im Schatten Gänsehaut erzeugen können. Aber die lassen wir jetzt mal außen vor.

Sabrina gehört definitiv zu den inspirierenden Menschen da draussen. Nach dem Brunch und vielen guten Gesprächen legte ich mich in die Sonne, um die Batterien aufzuladen und das schöne Wetter zu genießen. Ehrlich gesagt, ist es für mich persönlich noch unecht, dass ich diesen Schritt gewagt habe, aber ich freu mich wirklich auf das was jetzt kommt. Egal was es ist. Ich merke wieder wie meine Kreativität anfängt zu fließen, mir neue Ideen kommen. Es fühlt sich an wie der erste Frühling, wie das erste Mal verliebt sein. Herrje, das war kitschig, also lassen wir das. Egal. Ich bin offen für das Universum und ich bin gespannt was passiert.

Wann habt ihr das letzte Mal etwas aus eurer Sicht mutiges gemacht? Was ist für euch Mut?

In Work

Personal

In Work

Ich habe nicht von heute auf morgen beschlossen, dass ich etwas in meinem Leben ändern möchte. Es war vielmehr ein schleichender Prozess und das ist es noch immer. Sich mit den großen Fragen des Lebens zu beschäftigen, ernsthaft zu beschäftigen, sich selbst und sein tun stetig zu hinterfragen dauert wohl ein Leben lang. Und es ist anstrengend.

Ich denke ob man letztendlich ein erfülltes Leben geführt hat, ein glückliches, zufriedenes Leben geführt hat, wird man auch erst kurz vor dem Lebensende erfahren. Bestenfalls kann man die Erkenntnis dann vielleicht Sekunden, Minuten, Stunden oder ein paar Tage verspüren und mit seinen Liebsten teilen. Ich denke jedoch auch, dass es ok ist wenn es nicht so ist. Selbst wenn man am Ende des Tages bzw. des Lebens zu keiner großen Erleuchtung, Erkenntnis oder was auch immer kommt, haben die Fragen mit denen man sich bis dahin intensiv auseinandergesetzt hat, einen nachhaltig geprägt und auf das eigene Leben abgefärbt.

Vor Jahren fing die innere Unruhe in mir schon mal Feuer. Damals habe ich diese jedoch nicht als solche erkannt. Ich habe sie als jungendlichen Leichtsinn, als etwas das mit meinen Hormonen zu tun haben muss abgetan bzw. als eine Art Gegenstand gesehen, den ich tief in eine Schublade vergraben kann. Nur leider funktioniert das so nicht. Rückblickend bin ich immer wieder an ähnliche Stationen in meinem Leben gekommen. Immer wieder wurde dieser ominöse abstrakte Gegenstand mal ausgeführt, an die frische Luft gelassen um ihn danach noch tiefer irgendwo zwischen Kelly-T-Shirt und Mickey-Mouse-Socken zu vergaben. In der Hoffnung die Sehnsucht nach dem Unbekannten würde dort unten ersticken und verrecken. In der Hoffnung der Fokus legt sich wieder auf etwas anderes. Auf ein anderes Ziel, einen anderen Lebensabschnitt, eine andere Ausbildung, eine andere Aufgabe.

In den letzten drei Jahren hatte ich für große Träume schlichtweg keine Zeit. Mein Job hat mich voll und ganz vereinnahmt. Ich war froh permanent beschäftigt zu sein, mit tollen Kollegen arbeiten zu können die ich sehr schätze, in einem Unternehmen zu arbeiten, welches auch meine privaten Werte vertritt. Schlagartig hatte ich einen Job den ich zu Beginn absolut als meinen Traumjob bezeichnen konnte. Einen Job den ich gerne mache. Natürlich gibt es dort auch Dinge dir mir auf den Keks gehen. Dinge die einen mal mehr mal weniger aufregen. Mehr und mehr kam in mir eine innere Unruhe hoch, noch etwas anderes in meinem Leben zu machen und das kam nicht von heute auf morgen.

Zu Beginn machte sich das vielleicht ab und an mal am Wochenende bemerkbar. Je routinierter ich in meinem Job wurde, desto größer wurden die Fragezeichen in meinem Kopf. Privat fand ich eine neue Liebe, welche mich ein weiteres Jahr dazu brachte meine Fragezeichen im Kopf zur Seite zu schieben, weil da einfach zwischen Luftküssen und Schmetterlingen kein Platz war für Fragezeichen. Je gefestigter die Beziehung wurde, desto mehr Halt habe ich bekommen und konnte mich nach und nach immer mehr mit den Fragezeichen oben in meiner Birne auseinandersetzen. Immer stärker sprudelten meine Gedanken und ich begann darüber zu reden. Zuerst mit meinem Freund, dann mit meinen besten Freunden und anschließend mit meiner Familie.

So doof es sich auch anhören mag, aber irgendwie war das eine Überwindung für mich. Die meisten Dinge machte ich einfach still und leise mit mir aus. Ich hatte Angst verurteilt zu werden oder dass sie mich alle für bescheuert hielten, für einen Menschen in einer Krise oder so ein Käse. Mir geht es ja schließlich gut, ich habe einen guten Job, bin gut in dem was ich mache, habe eine tolle Ausbildung genossen, eine schöne Wohnung und nicht zu vergessen das Straßenkätzchen um das ich mich jetzt kümmern muss. Ich hatte Angst davor, dass ich dazu überhaupt gar kein Recht hatte diese Gefühle zu haben. Ich hatte sozusagen ein schlechtes Gewissen, weil es mir gut geht und alles um mich herum auch einfach gut war.

Nur darum ging bzw. geht es halt einfach gar nicht und das wusste mein Umfeld bereits viel früher als ich selbst. Alle redeten mit mir offen darüber und verurteilten mich in keinster Weise. Sie sagten ich solle mutig sein und bestärkten mich in meinem Vorhaben. Da habe ich leider wieder gemerkt, dass die größte Barriere die in meinem Kopf ist und wir uns zuerst einmal selbst im Weg stehen bevor es andere tun.

Das Zeichen, nach dem ich so vergeblich gesucht hatte, war also schon lange da und winkte mir mit einem überdimensionalen Zaunpfahl von der anderen Straßenseite zu. Nur habe ich es nicht gesehen. Aus Angst vor mir selbst und aus Angst sich mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen, Dinge laut auszusprechen und anzusprechen. Es ist ja auch so wunderherrlich wunderbar gemütlich in der Komfortzone, wenn sich alles mal gesetzt und eingependelt hat, man einen strukturieren Alltag hat, am Ende des Monats Geld auf dem Konto hat, weiß wo man seine Semmel morgens kaufen muss usw.

Ich bin froh, dass ich für mich beschlossen habe, wieder etwas in meinem Leben zu ändern und dass ich das jetzt mache. Denn alles was ich bis dato gemacht habe, hat zur gegebener Zeit für mich vollkommen gepasst und sich richtig und gut angefühlt und genau hier her gebracht. Jede Station in meinem Leben hat mich schlauer, mutiger, weiser und selbstbewusster gemacht. Natürlich kann das auch alles nach hinten los gehen, vielleicht bereue ich es auch – da wären wir dann wieder bei der Sache mit dem „fallen“.

Vielleicht hört sich das alles noch etwas abstrakt an. Ich denke unter dem Strich ist es das jedoch gar nicht. Ich denke es gibt verschiedene Menschen. Menschen die über einen langen Zeitraum in einer Sache voll und ganz aufgehen und dort ihre innere Mitte finden und Menschen die einfach ein bisschen mehr in Bewegung sind, sich ausprobieren möchten, neue Dinge ausprobieren möchten.

Manchmal kommt mir das Leben so klein vor. Dabei gibt es doch so viele verschiedene interessante Dinge da draußen.

Zeichensetzung

Personal

Zeichensetzung

Ich wohne in einer Zweizimmerwohnung auf dem Land. In meiner Küche stehen zahlreiche Haushaltsgeräte. Darunter eine Rührmaschine, eine Nudelmaschine, eine Kaffemaschine und wenn man so will eine Mixermaschine. Ich bin nur haarscharf um einen Thermomix herumgekommen. Es muss wohl an meiner Vorliebe für große Portionen liegen, dass ich mit so einem Gerät nichts anfangen kann.

Vor einem Jahr ist mir eine Katze zugelaufen. Eigentlich wollte ich ja einen Hund, aber man nimmt was man kriegt. Ich bezeichne sie liebevoll als Straßenkätzchen. Oder Fritzchen. Oder Flundicat, weil sie sich manchmal so flach wie eine Flunder auf den Boden legt. Oder auch mal als Exorzistencat, wenn sie nicht bekommt was sie will und sich wie eine Irre unter meinem Bett von Latte zu Latte hangelt. Seit Weihnachten bin ich zudem stolze Besitzerin von Kobi, einem Staubsaugerroboter. Ich denke meine Eltern haben sich von den Katzenvideos, die in denen Katzen auf einem Staubsaugerroboter sitzen und lustig durch die Gegend fahren, inspirieren lassen. Ich habe eine Fußbodenheizung im Bad und eine Terrasse mit einem wunderschönen kleinen Garten. Manchmal huscht ein Eichhörnchen von Ast zu Ast und wäre das nicht schon idyllisch genug, läuft auch noch ein kleiner Bach am Ende des Gartens von rechts nach links. Hach.

Ich habe Freunde, mit denen ich mich am Sommer am See verabrede und ein kühles Seeradler trinke. Ich habe einen guten Job und stehe hinter der Philosophie des Unternehmens. Ich bin intrinsisch motiviert. Ich habe eine glückliche Beziehung, bin frisch verliebt. Am Wochenende fahren wir mit dem Bus raus und genießen die Natur.

Mir geht es gut.

Doch das ist es nicht, was mich zum grübeln bringt, ob ich so wie ich jetzt lebe richtig ist. Ob das Leben so wie es jetzt ist richtig ist. Ich weiss, dass immer wenn ich etwas wohlüberlegt getan habe und voll und ganz hinter einer Sache stand, mich voll und ganz auf etwas konzentriert habe, es bis jetzt auch immer funktioniert hat. Das Leben funktioniert hat, wenn ich auf mich gehört habe.

Vielleicht verfasse ich aus dem gleichen Grund die Rohfassung dieses Textes auf einer alten Schreibmaschine. Für unschlagbare 15EUR habe ich die Royal Royalite von 1955 auf einem Flohmarkt erstanden. Oder der Grund dafür, dass ich noch ein altes grünes Posttelefon mit Wählscheibe besitze. Falls ihr schlecht hört, zukünftig schlecht hören möchtet oder nochmal den Nervenkitzel erleben möchtet nicht zu wissen wer anruft, dann kauft euch dieses Telefon.

Manchmal zermartere ich mir regelrecht den Kopf. Über das Leben und seinen Sinn. Ich lese Bücher wie „Das Café am Rande der Welt“, „The Big Five for Life“, „The Happiness Project oder „Saltwater Buddah“. In der Hoffnung einen Satz zu finden der mich dazu bringt mutig zu sein etwas Neues anzufangen. Man wartet verzweifelt auf ein Zeichen. Aber was ist wenn es kein Zeichen gibt? Wenn man vergeblich auf ein Zeichen wartet? Man sollte sein Leben von keinem Zeichen abhängig machen, sondern sich selbst ein Zeichen setzen, selbst das Zeichen sein.

Warum tun wir uns manchmal so schwer damit etwas Neues zu wagen? Ist es einfach nur die Angst die Sicherheit zu verlieren? Angst davor auch mal zu versagen? Etwas nicht mehr zu haben oder nicht mehr zurückzubekommen? Wenn wir diese Unsicherheit bzw. diesen Wunsch nach Sicherheit nicht überwinden, dann werden wir auch nie erfahren was uns widerfahren könnte, wenn wir mutig genug sind an uns zu glauben.

Ich denke viele würden die Sätze oben als Sinnkrise bezeichnen oder denken sich „so einfach ist das aber alles nicht“. Worum geht es im Leben denn eigentlich? Vielleicht ein Stück weit darum an seine Träume zu glauben, an sich zu glauben, Dinge zu wagen, Dinge auszuprobieren, sich auszuprobieren und den Mut zu haben damit auch mal vollgas auf die Nase zu fallen.

Als Kind war es uns erlaubt zu fallen. Es war uns erlaubt blutige Knie zu haben. Es war erwünscht, dass wenn wir hinfallen wieder aufstehen und weiterlaufen. Wenn man etwas lernt oder etwas Neues wagt, dann fällt man eben auch mal hin. In der Gesellschaft ist Versagen als Erwachsener jedoch nicht wirklich anerkannt. Fallen ist nicht erlaubt und einen Anzugträger mit blutigen, aufgeschürften Knien oder Grasflecken auf der Hose hat noch keiner gesehen. So versanden vermutlich Jahr für Jahr ein paar richtig gute Ideen von unseren Mitmenschen im Sand und um uns wird es still. In unseren Köpfen werden die Gedanken leiser, bis wir nur noch das zirpen der Grillen hören.

Ich möchte hier keinen motivieren seinen Job hinzuschmeißen und Hals über Kopf am anderen Ende der Welt eine Currywurstbude zu eröffnen. Sollte es jedoch die beste Currywurst der Welt sein, dann solltest du dir das nochmal verdammt gut überlegen und durchrechnen.

Häufig werden diese Gedankengänge unter Generation-Y (geboren zwischen 1980 und 1990) abgelegt. Schwärmen nicht insgeheim alle Generationen davon eigenen Ideen nachzugehen? Ist die Generation-Y eine Generation, welche die großen Fragen des Lebens wieder aufgreift und laut denkend und kritisch hinterfragt? Ich hoffe nicht. Also wenn das wirklich so sein sollte, dann wurde es auch an der Zeit, dass solch eine Generation den Erdball betritt.

Eigentlich ist es auch egal welche Generation was über die andere denkt. Ich denke wenn man von sich sagen kann, dass man seinen eigenen Weg, seine eigene Art und Weise zu leben gefunden hat, kann man verdammt stolz auf sich sein. Denn im Endeffekt geht es doch darum ehrlich mit sich und seinen Umfeld zu sein und annähernd herauszufinden was das Ganze hier überhaupt soll.

Für manche mag das jetzt hoffnungslos romantisch klingen, gar verrückt und für mache ist es vielleicht auch ein wenig inspirierend.

Vom Campen und Bloggen

Personal

Vom Campen und Bloggen

Manchmal frage ich mich schon was zur Hölle ich hier eigentlich mache, wenn ich bei Einbruch der Dunkelheit in der Nähe eines kristallblauen Sees oder  eines wunderschönen Waldes meinen Bus zum Schlaflager umwandle. Meine Freunde finden das meist gruselig. Ist es jedoch gar nicht. Ich glaube nicht an böse Geister, Axtmörder die im Wald wohnen oder Zombies die aus dem Sumpf kriechen. Ich denke die Menschen hatten schon immer Angst davor, sich intensiv mit sich selbst, ihren Gefühlen und Gedanken zu beschäftigen. Es war und ist viel einfacher Monster zu erschaffen, die einem davon abhalten alleine Zeit in der Natur zu verbringen, als sich mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen.

Es  gehört eine Portion Mut dazu beim ersten Mal aufzubrechen und sich alleine auf Reisen zu begeben. Mit dreiundzwanzig machte ich zum ersten Mal alleine Urlaub und verbrachte drei Wochen in Frankreich in einem Surfcamp. Ich verbrachte dort einer der schönsten Urlaube meines Lebens. Vor anderthalb Jahren mietete ich mir für eine Woche einen Bus und machte mich damit auf einen Roadtrip von München, nach Berchtesgaden, über den Achensee, nach Südtirol und wieder zurück und hatte einfach eine gute Zeit. Angefixt durch den Urlaub mit dem Bus, kaufte ich mir einen eigenen in dem ich jetzt meine Urlaubstage und Wochenenden verbringen darf.

Ich war schon immer ein Campingkind. Mit der Familie fuhren wir mit dem Wohnwagen in den Urlaub. Später zog ich oft mit dem Zelt los. Es gibt nichts schöneres als Nachts aus den Bus zu steigen, sich den Himmel anzuschauen und einfach gar nichts zu hören. Gerade im Winter kann es draußen so unheimlich still sein, dass man meinen könnte, für einen kurzen Moment bleibt die Welt stehen und man ist der einzige Mensch hier auf dem Planeten Erde. Es gibt nichts beruhigenderes als in der Früh von Vogelgezwitscher geweckt  zu werden und in den kalten See zu springen oder bei Unwetter den dicken Regentropfen zu zuhören wie sie aufs Autodach aufschlagen.

Ja! Es hört sich hoffnungslos romantisch und kitschig an, aber das darf es auch. So ist einfach unsere Welt ohne Zugabe elektronischer Bespaßungsartikel, Einkaufszentren, Bars und so ein Kram. Pur eben. Seltsam eigentlich, dass sich mittlerweile die einfachsten und natürlichsten Dinge, nach hoffnungsloser Romantik und Kitsch anhören.

Ich denke es gibt keine bessere Gelegenheit als den ersten Text hier im Bus auf einem kleinen spontanen Kurztrip zu verfassen. Ich bin heute vom Bodensee über Mellau, Schoppernau, Warth & Co. bis Reutte gefahren und stehe jetzt in einer kleinen Haltebucht am wunderschönen Plansee. Ausnahmsweise springe ich morgen nicht in den See. Der ist mir im Februar dann doch noch zu frisch. Morgen geht es wieder über Oberjoch und Immenstadt zurück an den Bodensee.

Mein Name ist Hannah Maria, ich bin einunddreißig Jahre alt und angefangen hat die Liebe zur Schreiberei 2006 zusammen mit Marcel auf AMY & PINK. Bloggen gehörte damals noch nicht zum Unwort des Jahres, sondern eher zu etwas, was man einfach gar nicht kannte. Man wusste nicht genau was man damit anfangen konnte und sollte und man hat es nicht verstanden als eine ganze Generation anfing fleißig in die Tasten zu hauen um ihre Gedanken durch das Internet nach außen zu tragen.

Viele Blogs von früher gibt es nicht mehr, aber mit vielen die ich durch das Bloggen kennenlernen durfte, habe ich noch immer Kontakt und ich fühle mich wirklich sehr geehrt, wenn ich Jahre später lesen darf, dass ich zu Zeiten von AMY & PINK ein paar von euch mit meinen Gedanken ehrlich berühren konnte. So wie Marie zum Beispiel.

Ziemlich wild ging es auf AMY & PINK einher. Wir schrieben für die Welt Kompakt, ich bekam eine Liebeserklärung in der Süddeutschen Zeitung (und ja ich habe auf dem Foto eine Bodylotion und ein paar Socken in der Hand) und unser Team wuchs nach und nach mit Christine und Mischa. Jeder, wirklich jeder sollte Mischas Text über Slayer kennen. Auch nach Jahren gehört er noch zu meinen absoluten Lieblingstexten.

Wir waren wie eine Band verstreut über ganz Deutschland, nur ohne Instrumente, sondern mit Wörtern die wir in Texte verpackten. Der Blog wurde erfolgreicher, es wurde ernster und damit kamen dann auch die Probleme. Später fehlte mir dann einfach schlichtweg die Zeit, das Thema oder der Bezug meinem Hobby nachzugehen und so wurde bloggen für mich zum digitalen Tagebuch auf meiner Festplatte.

Mit Road Story möchte ich euch kennenlernen, mich austauschen, euch inspirieren, mich inspirieren, euch interessante Menschen vorstellen, anstacheln öfters den Rucksack zu nehmen und einfach los zu laufen, dem Alltag zu entfliehen, sich auf andere Dinge zu konzentrieren und euch Lust „auf draußen sein“ zu machen. Wie das genau hier aussehen wird, weiß ich noch nicht. Los geht’s! Für eine Welt mit mehr Abenteuer, Käsekuchen und Liebe.

Den Text oben schrieb ich Anfang des Jahres 2018. Endlich bin ich dazu gekommen Road Story aus dem Dornröschenschlaf aufzuwecken. Letztes Jahr fehlte mir die Muse sich dem Schreiben zu widmen aber vielleicht ändert sich das jetzt bald.